Magisterarbeit, 2000
66 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Zur Fragestellung
2.1 Gegenstand der Untersuchung
2.2 Der Einfluß von Stereotypen
2.3 Kategorien
2.4 Zwischen Panorama und Spiegelbild
2.5 Literarische Bilder vom Land Polen und von polnischen Menschen
3. Zur Illustration des Bisherigen: Bestandsaufnahme
3.1 Die Zeit der Polenlieder
3.2 Der Umschwung
4. Bilder der polnischen Nation
4.1 Die Verwendung nationalistischer Termini in der Literatur
4.2 Die Vermeidung von Nationalitätsbezeichnungen
4.3 „E bißche vom polnischen Leichtsinn“
4.4 Nationalität als abgrenzende Eigenschaft
4.5 Die Relativität von nationalen Stereotypen
4.6 Von der Ebene des Konkreten zu übergreifenden Erklärungen
5. Bilder der Individuen
5.1 Zwischen deklarierter Völkerfreundschaft und Individualität
5.2 Gemeinsamkeiten
5.3 Einzelne Menschen im Fokus der literarischen Beschreibung
5.3.1 Die Witwe Piątkowska
5.3.2 Kindheiten
5.4 Objekte im Zoom
6. Wahrgenommenes
6.1 Städtebilder
6.2 "Daß Häuser altern, hast du gewußt."
6.3 Landschaften
6.4 Ausdruck der Eindrücke
7. Alltagsdarstellungen – Die Bedingtheit des täglichen Lebens
7.1 Gastfreundschaft
7.2 Auseinandersetzungen
7.3 Markttage
7.4 Schwarzmarkt und Jugend
7.5 Entwicklungen: Kirche und Solidarność
7.6 Maßstäbe
Die Arbeit untersucht die Darstellung Polens, seiner Bevölkerung und des Alltags in der deutschsprachigen Literatur von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart. Ziel ist es, imagologische Muster und die Wirksamkeit nationaler Stereotype zu analysieren, wobei der Fokus darauf liegt, wie die Literatur durch differenzierte Darstellungen diesen Vorurteilen entgegenwirken kann.
Die Verwendung nationalistischer Termini in der Literatur
August Scholtis schrieb das Buch „Reise nach Polen. Ein Bericht“ 1962 anläßlich einer vierwöchigen Reise in das Nachbarland. Die Neuordnung der Staatsgrenzen und die historischen Entwicklungen der Beziehungen zwischen Polen und Deutschland vor dieser Neuordnung sind ebenso zentrale Themen seines Textes wie der explizite Versuch, den Menschen beider Länder gerecht zu werden:
Zwischen Deutschland und Polen ausgleichende Worte zu versuchen, scheint mir heute ein fast vergebliches Unterfangen. [...] Trotzdem wird mein Bericht bemüht sein, den Deutschen und den Polen zu gleichen Teilen gerecht zu werden.
Auch ohne beim Lesen den Vorwurf Stübens an Scholtis, er hätte während des Dritten Reiches unbekümmert nationalsozialistische Termini verwandt, ständig zu beachten, mutet Scholtis‘ Ausdrucksweise doch manches Mal reaktionär an: „Gesichter, schmal, weder backenknochig noch ostisch.“ In der Negation nationalsozialistischer Stereotype verweist der Sprachgebrauch immer noch auf ein nationalistisches Bedürfnis nach Abgrenzung. Zuweilen ist die Ausdrucksweise Scholtis erschreckend. Zum Beispiel im Anschluß an ein Zitat Ludendorffs, daß an die Schlacht von Tannenberg anknüpft und in dem Ludendorff den Verlust Jahrhunderte alter [deutscher, AH] Kultur befürchtet.
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik und Illustration durch erste Textbeispiele, die das Mißverhältnis von Vorurteil und Realität verdeutlichen.
2. Zur Fragestellung: Definition des imagologischen Untersuchungsgegenstandes und der vier zentralen Kategorien der Analyse.
3. Zur Illustration des Bisherigen: Bestandsaufnahme: Historischer Rückblick auf die Entwicklung vom idealisierten "edlen Polen" zum negativ konnotierten Polenbild.
4. Bilder der polnischen Nation: Analyse der abstrakten Darstellung der polnischen Nation und der Wirksamkeit nationalistischer Denkmuster.
5. Bilder der Individuen: Untersuchung der Darstellung polnischer Einzelpersonen und deren Potential zur Identifikation und Differenzierung.
6. Wahrgenommenes: Auseinandersetzung mit der literarischen Abbildung von Städten und Landschaften als Ausdruck der Wahrnehmung.
7. Alltagsdarstellungen – Die Bedingtheit des täglichen Lebens: Analyse der Darstellung des Alltags, inklusive Themen wie Gastfreundschaft, Marktgeschehen und gesellschaftliche Entwicklungen.
Polenbild, Imagologie, Literaturwissenschaft, Stereotype, Deutsch-Polnische Beziehungen, Nationale Identität, Literatur der Nachkriegszeit, Vorurteilsbildung, Individuum, Gesellschaft, Sozialismus, Erinnerungskultur, Identifikation, Differenzierung, Fremdbild.
Die Arbeit befasst sich mit der imagologischen Untersuchung des Bildes von Polen und den Polen in der deutschsprachigen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart.
Die zentralen Themen sind die Analyse von nationalen Stereotypen, die Darstellung von Individuen, die Wahrnehmung von Landschaften und Städten sowie die Schilderung des Alltags unter dem Einfluss historischer und politischer Gegebenheiten.
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob und wie die deutschsprachige Literatur durch differenzierte Darstellungen dazu beitragen kann, Stereotype abzubauen und das gegenseitige Verständnis zwischen Polen und Deutschen zu fördern.
Es handelt sich um eine imagologische Analyse im Kontext der Komparatistik, die verschiedene literarische Gattungen wie Romane, Reiseberichte und Prosa anhand ausgewählter Textbeispiele untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in vier Kategorien: Bilder der polnischen Nation, Bilder der Individuen, Bilder der sinnlich wahrnehmbaren Welt und das Bild des Alltags.
Wichtige Begriffe sind Polenbild, Imagologie, Stereotype, deutsch-polnische Beziehungen, Identität und Literaturwissenschaft.
Der Autor zeigt auf, dass Stereotype oft tief verwurzelt sind und die Wahrnehmung verzerren können, betont jedoch, dass einige Autoren erfolgreich durch Reflexion und individuelle Charakterisierung eine Distanz zu diesen Vorurteilen aufbauen.
Persönliche Erfahrungen, etwa durch die Herkunft aus den ehemaligen Ostgebieten oder eigene Reisen, fungieren oft als emotionale Basis, die entweder zu einer verklärten Nostalgie oder durch bewusste Reflexion zu einem differenzierteren und faireren Polenbild führen kann.
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