Masterarbeit, 2012
118 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Nationale Identität und Medien
2.1. Ansätze zur Konstitution des (nationalen) Raumes
2.1.1. Nationale Identität durch Alteritätskonstruktionen
2.1.2. Medien als identitätsstiftende Instanzen
2.2. Die Nation als vorgestellte Gemeinschaft - Benedict Anderson
2.2.1. Gemeinschaftsformen der Vergangenheit
2.2.2. Die Nation als kapitalistisches Produkt
2.2.3. Amerikanischer und europäischer Nationalismus
2.2.4. Gleichzeitigkeit und Medien
2.3. Resonanz und Weiterentwicklung des Ansatzes
3. Nationale Identität und Kino
3.1. Kino als Projektion der Gesellschaft
3.3. Zusammenfassung
4. Kulturpolitische Aspekte französischer Identitätskonstruktionen
4.1. Die Französische Revolution als Geburt des modernen Nationalismus
4.1.1. Faktoren 'Verbissenheit und Sicherheitsbedürfnis'
4.1.2. Faktor 'Arroganz' – die Zivilisation als Gesellschaftsentwurf
4.2. Die kulturpolitische Ausrichtung Frankreichs
4.3. Geschichte und Gegenwart französischer Filmpolitik
4.4. Zusammenfassung
5. Nationalspezifische Narrative im französischen Film
5.1. Narrative und Mythen als identitätsstiftende Instanzen
5.2. Mythos Révolution
5.3. Mythos Résistance
5.4. EXKURS: Frenchness-Filme
5.5. Zusammenfassung
6. Mythen der französischen Filmgeschichte
6.1. Mechanismen der Geschichtsschreibung
6.2. Mythos Nouvelle Vague
6.3. Die Cinéphilie als nationales Narrativ
6.4. Filmbildung In Frankreich - ein Erbe der Cinéphilie?
6.4.1. Französische Ausrichtung der Filmbildung
6.4.2. Institutionen der Éducation au cinéma
6.5. Zwischenresümee
7. Französische Filmpolitik im internationalen Kontext
7.1. Die Maßnahme „exception culturelle“
7.1.1. Exception culturelle - eine Identitätsstiftende Maßnahme?
7.2. Kulturelle Diversität als 'Heilmittel' der Globalisierung?
7.2.1. Verteidigung des Konzepts diversité culturelle
7.2.2. Diskussion des Konzepts diversité culturelle und der außenkulturpolitischen Linie Frankreichs
7.3. Zwischenresümee
8. Postkoloniale Ordnung afrikanischer Filmkulturen
8.1. Französisch-afrikanisches Kino als Spiegel der Dekolonisierungsprozesse
8.1.1. Die Entstehung des afrikanischen Kinos
8.2. Inner-afrikanische Barrieren
8.3. Dependenzverhältnisse afrikanischer Filmkulturen
8.3.1. Französische Kooperation seit dem Ende der Kolonialzeit
8.3.2. Das französische Außenministerium als Steuerungsorgan afrikanischen Filmschaffens
8.3.3. Die Rolle des Publikums
9. Fazit
Die Arbeit untersucht die enge diskursive Verknüpfung zwischen französischen nationalen Identitätskonstruktionen und der französischen Filmkultur. Ausgehend von einem diskursanalytischen Vorgehen wird hinterfragt, wie nationale Mythen und kulturpolitische Instrumente dazu beitragen, ein spezifisches, oft essentialistisch geprägtes französisches Selbstbild zu erzeugen und machtpolitisch im internationalen Kontext zu verteidigen.
3.1. Kino als Projektion der Gesellschaft
Der französische Filmkritiker Jean-Michel Frodon behauptet, dass die Veranlagung von Kino und Nation dieselbe sei, da beide auf dem Prinzip der Projektion beruhen. Genauso wie Kino mit der lichtmechanischen Projektion von Bildern arbeitet, entsteht nationale Identität aus der kollektiven Projektion von Idealbildern einer Gemeinschaft. Ähnlich formulieren Shohat und Stam in Anknüpfung an Kracauer und Jameson ein „nationales Imaginäres“, eine „gemeinschaftliche Einbildungskraft“, die, unter anderem, durch Bilder des Kinos entsteht. Hier treten der Grundgedanke Andersons und die erwähnten Ansätze zum Verhältnis von Raum und Identität wieder zum Vorschein, den Hediger und Schneider (2004) wie folgt auf das Kino anwenden: Aufgrund der Produktion von Bildern, die das 'nationale Imaginäre' anfüttern, ist der Zusammenhang von Film und Nation als ein „operatives Konzept“ zu verstehen - operativ in dem Sinne, dass hiermit gewisse Praktiken der Ex- und Inklusion einhergehen. Diese Praktiken sind diskursiver Natur, haben ein explizites „Wir-Gefühl“ zur Folge und führen nicht zuletzt zu einer affektiven Variante des Zugehörigkeitsgefühls zu einer Nation. Oft sind vermeintlich neutrale Filme „semantische Doppelagenten“ (Hediger/Schneider 2004: 221), die nationale Projektionen von nationaler Geschichte mitliefern. Film fungiert dabei als ein Ort des nationalen Gedächtnisses, als der so genannte „lieux de mémoire“, um den Begriff des französischen Kulturhistorikers Pierre Nora aufzugreifen (vgl. ebd.: 216ff).
Dieses nationale Gedächtnis wird im Film durch Narrative transportiert, die vor dem Hintergrund nationaler Narrationen zu betrachten sind. Denn diese treten in zweierlei Gewand auf: Entweder, der Film stellt eine Literaturverfilmung dar und nimmt somit direkt Bezug auf ein nationales literarisches Kulturgut. In diesem Fall wird der kulturelle Artefakt in den Filmtext überschrieben und gelangt als nationalspezifische Narration auf dem Bildschirm. Vor allem in der französischen Filmgeschichte sind es Literaturverfilmungen, die als klassische Narrative wahrgenommen werden, wie beispielsweise die zahlreichen Adaptionen der Zola Novellen. Oder der Film ist unabhängig von der Literaturgeschichte und liefert eine explizite oder implizite Konstruktion der Nation (vgl. Hayward 2005: 9).
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Erkenntnisinteresse an der Verbindung zwischen nationaler Identitätsbildung und französischer Filmkultur sowie die Relevanz der "Cinéphilie" und der "exception culturelle".
2. Nationale Identität und Medien: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es Konzepte wie "vorgestellte Gemeinschaften" nach Benedict Anderson mit medienwissenschaftlichen Ansätzen zur Identitätsstiftung verbindet.
3. Nationale Identität und Kino: Hier wird der Film als Medium zur Projektion nationaler Identität und "operatives Konzept" analysiert, wobei auch das Konzept der Nationalkinematografien diskutiert wird.
4. Kulturpolitische Aspekte französischer Identitätskonstruktionen: Das Kapitel beleuchtet die historischen Wurzeln des französischen Nationalismus in der Revolution sowie die stark interventionistische kulturpolitische Tradition des Staates.
5. Nationalspezifische Narrative im französischen Film: Es wird untersucht, wie nationale Mythen wie die Revolution und die Résistance in Spielfilmen als identitätsstiftende Dispositive eingesetzt werden.
6. Mythen der französischen Filmgeschichte: Fokus auf die historische Konstruktion der "Nouvelle Vague", der "Cinéphilie" und der Institutionalisierung der Filmbildung als Teil des kulturellen Erbes.
7. Französische Filmpolitik im internationalen Kontext: Analyse machtpolitischer Interessen hinter Begriffen wie "exception culturelle" und "diversité culturelle" im Rahmen internationaler Handelsabkommen.
8. Postkoloniale Ordnung afrikanischer Filmkulturen: Untersuchung der asymmetrischen Dependenzverhältnisse und des Einflusses der französischen Außenkulturpolitik auf afrikanisches Filmschaffen.
9. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Frankreich die Filmkultur weiterhin zur Profilierung seiner nationalen Identität und zur Verteidigung seines kulturellen Machtanspruchs instrumentalisiert.
Französisches Kino, Nationale Identität, Cinéphilie, Exception culturelle, Diversité culturelle, Medien, Kulturpolitik, Nouvelle Vague, Postkolonialismus, Filmförderung, Nationales Narrativ, Globale Macht, Identitätspolitik, Filmbildung
Die Masterarbeit befasst sich mit dem engen Zusammenspiel von nationaler Identitätsstiftung und der Filmkultur in Frankreich, insbesondere unter dem Aspekt machtpolitischer Interessen.
Die zentralen Felder umfassen kulturpolitische Strategien (exception culturelle), filmhistorische Mythenbildung (Nouvelle Vague, Cinéphilie) und postkoloniale Abhängigkeitsverhältnisse in der afrikanischen Filmförderung durch Frankreich.
Das Ziel ist es, diskursanalytisch aufzuzeigen, wie Frankreich seine Filmkultur als ein Instrument nutzt, um nationale Identität zu konstruieren und global als "Kulturnation" wahrgenommen zu werden.
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Untersuchung von Fachliteratur, kulturpolitischen Dokumenten und filmhistorischen Analysen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Ansätze, die historische Herleitung französischer Identitätsentwürfe, die Analyse spezifischer Filmmythen sowie die Untersuchung der Außenkulturpolitik im europäischen und postkolonialen Kontext.
Die wichtigsten Schlagworte sind Französisches Kino, Nationale Identität, Exception culturelle, Kulturpolitik, Cinéphilie und Postkolonialismus.
Die Cinéphilie wird als ein genuin französisches, elitäres Phänomen begriffen, das das Kino zur Kunst erhebt und maßgeblich zur internationalen Marke "französisches Kino" beigetragen hat.
Die Autorin sieht darin eine Form von kulturellem Kolonialismus, da die finanzielle Abhängigkeit afrikanischer Produzenten von französischen Fördergeldern deren inhaltliche und stilistische Freiheit einschränkt.
Weil sie dazu dient, den französischen Film gegen ökonomische Einflüsse (insb. Hollywood) abzuschirmen und somit ein spezifisch französisches Verständnis von kultureller Souveränität institutionell zu verankern.
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