Examensarbeit, 2015
55 Seiten, Note: 1,1
0 Vorwort
1 Luthers theologia crucis
1.1 Forschungsgeschichtliche Einführung
1.2 Quellen und Grundzüge der theologia crucis Luthers
1.3 Luthers Sünden- und Bußverständnis als Grundlage seiner theologia crucis
1.4 Epistemologischer und anthropologischer Aspekt der theologia crucis – Wahre Selbsterkenntnis durch die Erkenntnis Gottes unter dem Gegenteil
1.5 Christologischer Aspekt der theologia crucis – Christus als exemplum und sacramentum
1.6 „Eyn Sermon von der Betrachtung des heyligen leydens Christi“ – die Verknüpfung von Passionsbetrachtung und theologischer Anthropologie
1.7 Glaube und Hoffnung als maßgebliche Korrelate innerhalb der theologia crucis
2 Das Kreuz als Schnittstelle zwischen Christologie und Anthropologie in den Kantaten Johann Sebastian Bachs
2.1 Ziel, Gegenstand und Grundlegung der Untersuchung
2.2 »Aus der Tiefen rufe ich, Herr, zu dir« - Buße in Bezug auf das Kreuz Christi
2.3 »Ärgre dich, o Seele, nicht« - Die Offenbarung Gottes sub contrario specie
2.4 »Die das Zeichen Jesu tragen« - Christus als exemplum
2.5 »Christ lag in Todesbanden« - Christus als sacramentum
2.6 Kritische Würdigung und Ausblick
3 Thesen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz von Martin Luthers Kreuzestheologie für das geistliche Vokalwerk Johann Sebastian Bachs. Dabei wird analysiert, wie Bach das Wort vom Kreuz als existenzielles Deutungsmuster und Schnittstelle zwischen Christologie und Anthropologie in seinen Kantaten musikalisch artikuliert und theologisch interpretiert.
1.1 Forschungsgeschichtliche Einführung
Seit Walther von Loewenichs Erstlingswerk »Luthers theologia crucis« von 1929 ist das Thema der Kreuzestheologie für die Lutherforschung von bleibender Bedeutung geblieben. Im Fokus seiner Untersuchung lag die Problematik der Erkenntnis und der Glaubenserfahrung. Dass diese primär epistemologische Deutung nicht der einzig mögliche Ansatz ist, Luthers theologia crucis zu interpretieren, ist ein Erkenntnisverdienst der Lutherforschung nach Loewenich.
Diese hat sowohl anthropologische als auch christologische Deutungen formuliert, wobei alle genannten Deutungsansätze in Beziehung zueinander stehen, wie in den folgenden Kapiteln noch aufzuzeigen ist. Bei aller Kritik lassen sich wichtige Gedanken Loewenichs nicht falsifizieren. Indem er die theologia crucis als wesentlich für die Lebens und Glaubenspraxis bestimmte, wies Loewenich über die kritisierte epistemologische Engführung hinaus und lieferte darüber hinaus einen wertvollen Anstoß für heutiges Nachdenken über die anthropologische Anschlussfähigkeit der theologia crucis.
0 Vorwort: Einleitung in die Fragestellung und Begründung des Fokus auf Bachs Kantaten als Medium lutherischer Theologie.
1 Luthers theologia crucis: Systematische Erarbeitung der Grundbegriffe Luthers wie opus alienum, opus proprium und die Rolle des Kreuzes für die Gottes- und Selbsterkenntnis.
2 Das Kreuz als Schnittstelle zwischen Christologie und Anthropologie in den Kantaten Johann Sebastian Bachs: Exemplarische Analyse ausgewählter Kantaten hinsichtlich der musikalischen Umsetzung kreuzestheologischer Motive.
3 Thesen: Zusammenfassung der wichtigsten Forschungsergebnisse der Arbeit.
Kreuzestheologie, Martin Luther, Johann Sebastian Bach, Kantaten, Christologie, Anthropologie, Theologia Crucis, Buße, Glaubenserfahrung, Opus alienum, Opus proprium, Musikalisches Wort-Ton-Verhältnis, Heilsfinalität, Relationalität, Exempel.
Die Arbeit analysiert die theologische Verbindung zwischen Martin Luthers Kreuzestheologie und dem geistlichen Kantatenwerk Johann Sebastian Bachs.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Theologia Crucis, die Antinomie von Gesetz und Evangelium sowie die musikalische Ausdeutung dieser theologischen Gegensätze in Bachs Kompositionen.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Bach die Kreuzestheologie Luthers als existenzielles Deutungsmuster in seiner Musik für die kirchliche Verkündigung des 18. Jahrhunderts aktualisiert hat.
Es wird ein hermeneutischer Ansatz gewählt, der theologische Systematik mit musikwissenschaftlicher Text- und Formanalyse verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Darstellung von Luthers Theologie und eine darauffolgende exemplarische Untersuchung spezifischer Bach-Kantaten, darunter BWV 131, BWV 186, BWV 12 und BWV 4.
Wesentliche Begriffe sind "Kreuzesnachfolge", "Sub contrario specie", "Relationalität", "Exemplum" und "Sacramentum".
Die Untersuchung beleuchtet, wie Bach durch musikalische Mittel wie Chromatik, Dissonanzen oder motivische Strukturierung dem theologischen Text zusätzliche Interpretationsräume verleiht.
Diese Kantate dient als Abschlussbeispiel für Christus als "Sacramentum", da Bach hier durch die Technik der Choralvariation die antinomische Struktur von Tod und Leben musikalisch dramatisiert.
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