Magisterarbeit, 2003
107 Seiten, Note: 2,3
1.Vorwort
2. Einleitung
3. Moderne Kunstformen
3.1. Impressionismus 1860 bis 1900
3.2. Expressionismus 1905 bis 1945
3.3. Kubismus 1907 bis 1925
4. Die Großstadt: Wahrnehmung und Darstellung
4.1. Die Psychologie des Großstädters
4.2. Formen der Darstellung in der Literatur
4.3. Formen der Darstellung in der Bildenden Kunst
5. Korrespondenzen zwischen Literatur und Bildender Kunst
5.1. Allgemeine Tendenzen
5.2. Doppelbegabung
5.3. Exkurs: Gertrude Stein (1874 – 1956)
6. Manhattan Transfer
6. 1. Manhattan Transfer im Kontext bildender Kunst
6.1.1. Montage als Kunstgriff
6.1.2. Textkollagen
6.1.3. Die kubistische Stadt
6.1.4. Farbsymbolik
6.1.5. Charakterdarstellung
6.2. Manhattan Transfer im Kontext der Großstadt
6.2.1. Der Blick auf die Stadt
6.2.2. Manhattan in Manhattan Transfer
6.2.3. Figurenagitation in der Stadt
6.2.3.1. Allgemein
6.2.3.2. Ellen und Jimmy
7. Schlußbemerkung
Diese Arbeit untersucht den Roman "Manhattan Transfer" von John Dos Passos unter dem Aspekt seiner engen Verknüpfung mit zeitgenössischen Kunstformen der Moderne und der Darstellung großstädtischen Lebens. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Dos Passos durch formale Verfahren wie Montage und Textkollagen die Dynamik und Zerrissenheit der modernen Großstadt New York in seinem literarischen Werk transformiert und in einen interdisziplinären Dialog mit bildnerischen Strömungen wie dem Impressionismus, Expressionismus und Kubismus tritt.
6.1.1. Montage als Kunstgriff
Cubism concentrated on the changing relationships among parts and the interaction of objects.78
Der Akt der Montage ist ein wichtiger Aspekt bei der formalen Analyse von Manhattan Transfer. Daher muss zunächst geklärt werden, was man unter Montage versteht und wie sie sich konkret umsetzen lässt.
Der Begriff Kollage wurde besonders durch die Arbeit der Kubisten geformt. Es geht um das Zusammenführen einzelner Versatzstücke zu einer Einheit, dessen Prozess mit Montage bezeichnet werden kann.
Das Medium Zeitung ist die deutlichste Form der Montage, ist eine Kollage aus verschiedenen Berichten, die in keinerlei Verbindung zueinander stehen, durchsetzt von Fotos, Anzeigen und Reklame. Das lose Durcheinander bildet die Einheit des informierenden Blattes, dessen Sinn der Form außer Frage steht. Auch der Film bedient sich der Montage, die auf ganz natürliche Weise entsteht, ist es doch unmöglich Handlungen, die sich über längere Zeit hinwegziehen mit laufender Kamera festzuhalten. So werden verschiedene Szenen aneinander gereiht und montiert. Den Akt der Montage sichtbar zu machen widmeten sich Produzenten wie Quentin Tarantino mit Filmen wie Pulp Fiction, der den Handlungsverlauf unterbrach und Szenen aus dem Zusammenhang riss um ihnen eine neu Stelle im Film zu geben. Der Zuschauer war zunächst verwirrt, erkannte jedoch bald die Bedeutung der Montage für die Handlung des Films.
In der Kunst und der Literatur hingegen nahmen Betrachter und Leser den Akt der Montage weniger gelassen hin. Volker Klotz formuliert diesen Zustand in seinem Essay „Zitat und Montage in neuerer Literatur und Kunst“:
Der Bruch mit der Tradition läßt sich nicht nur an deren Produkten ablesen, sondern auch an der Reaktion des zeitgenössischen Publikums. Die Montage der kubistischen und surrealistischen Maler, die lyrischen und epischen Montagen von Apollinaire und Joyce, die musikalischen Montagen Strawinskys und die szenischen Montagen Piscators lösten beim Publikum Befremden, Verblüffung, Abwehr aus. Sie muteten ihm Eintellungen zu, die anders waren, als der vertraute, relativ anstrengungslose Kunstgenuß. 79
1. Vorwort: Der Autor erläutert die Entstehungsgeschichte und die Motivation für den Vergleich von Dos Passos' Roman mit modernen Kunststilen.
2. Einleitung: Die Einleitung steckt den theoretischen Rahmen ab, definiert das Forschungsziel der interdisziplinären Analyse und führt in die soziokulturelle Problematik der Moderne ein.
3. Moderne Kunstformen: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende Einführung in Impressionismus, Expressionismus und Kubismus als künstlerische Ausdrucksmittel der Zeit.
4. Die Großstadt: Wahrnehmung und Darstellung: Hier werden die psychologischen und literarischen Grundlagen der Großstadtwahrnehmung sowie deren Spiegelung in der Bildenden Kunst analysiert.
5. Korrespondenzen zwischen Literatur und Bildender Kunst: Das Kapitel untersucht allgemein gültige Tendenzen der gegenseitigen Durchdringung beider Künste, unterstrichen durch einen Exkurs zu Gertrude Stein.
6. Manhattan Transfer: Der Hauptteil analysiert Dos Passos' Roman explizit hinsichtlich seiner formalen Techniken und der Thematisierung der Stadt als zentraler Figur.
7. Schlußbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die Gültigkeit des interdisziplinären Ansatzes für das Verständnis des Romans.
8. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie Internetquellen.
9. Anhang: Bildmaterial als visuelle Unterstützung zur Dokumentation der modernen Kunstformen.
Manhattan Transfer, John Dos Passos, Moderne, Großstadt, Literatur und Bildende Kunst, Montage, Textkollage, Expressionismus, Kubismus, Impressionismus, Interdisziplinarität, Großstadtwahrnehmung, Identitätssuche, Stadtanalyse, Ästhetik.
Die Arbeit untersucht den Roman "Manhattan Transfer" von John Dos Passos und analysiert, wie sich moderne künstlerische Strömungen und die soziologische Wahrnehmung der Großstadt in der literarischen Struktur widerspiegeln.
Zentrale Themen sind die Interdisziplinarität zwischen Literatur und Kunst, die Form der Montage als Erzählprinzip sowie die psychologischen Auswirkungen des großstädtischen Lebens auf den Einzelnen.
Das primäre Ziel ist es, den Roman nicht nur biographisch, sondern als ein komplexes, interdisziplinäres Werk zu verstehen, das formale Techniken der Moderne (wie den Kubismus) nutzt, um die spezifische Erfahrung der Stadt New York darzustellen.
Die Arbeit verwendet einen vergleichenden, interdisziplinären Ansatz, der literarische Textanalyse mit kunsthistorischen und sozialpsychologischen Theorien zur Großstadtwahrnehmung kombiniert.
Im Hauptteil wird "Manhattan Transfer" detailliert auf Techniken wie Montage, Textkollagen, Farbsymbolik und die Darstellung der Charaktere als Teil eines "kubistischen" Stadtbildes hin untersucht.
Schlüsselwörter sind unter anderem: Manhattan Transfer, Moderne, Großstadt, Montage, Kubismus, Expressionismus und interdisziplinäre Analyse.
Die Montage ist laut der Analyse das zentrale formale Ordnungsprinzip, mit dem Dos Passos die Zerrissenheit und Flüchtigkeit des urbanen Lebens strukturiert und den Leser dazu zwingt, Sinnzusammenhänge aus fragmentarischen Einzelteilen neu zu bilden.
Die Figuren werden nicht als klassische Individuen mit einem festen Kern gezeichnet, sondern als fragmentierte Wesen, die oft nur durch ihre Reaktionen auf die Stadt definiert sind und deren Lebensläufe sich erst in der "kollagierten" Gesamtstruktur des Romans zu einem Bild zusammenfügen.
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