Masterarbeit, 2014
75 Seiten, Note: 1.3
1. Einleitung
1.1. Forschungsstand & Forschungsfragen
1.2. Begründung des Untersuchungsfalls & Methodik
1.3. Aufbau der Arbeit & Literaturübersicht
2. Zum Verständnis von Anerkennung
2.1. Bedeutung & Formen der Anerkennung
2.2. Über Wirkung sowie Umgang mit Missachtung & Respektlosigkeit
2.3. Historische Betrachtung der Anerkennungsbeziehungen Guatemalas
2.3.1. Ethnozid, Massaker & Genozid – eine Historie der Missachtung
2.3.2. Zum Stand der Anerkennung nach Ende des Bürgerkriegs
3. Eine Annäherung an Transitional Justice
3.1. Zum Konzept von Transitional Justice & Versöhnung
3.2. Formen & Instrumente von Transitional Justice
3.3. Transitional Justice im Spannungsfeld politischer Interessen
3.4. Zum Stand von Transitional Justice & Versöhnung in Guatemala
3.4.1. Überblick & Instrumentarien des TJ-Prozesses in Guatemala
3.4.2. Die Regierung im Spannungsfeld der guatemaltekischen Transition
3.4.3. Die Zivilgesellschaft im Spannungsfeld der guatemaltekischen Transition
3.4.4. Zum Stand der Versöhnung in Guatemala
4. Zur Verbindung von Transitional Justice & Anerkennung
4.1. Konzepte zu Anerkennung & Transitional Justice
4.1.1. Anerkennung als Vergebung (Long & Brecke)
4.1.2. Transitional Justice als Anerkennung (Haldemann)
4.1.3. Anerkennung als narrative Konfliktbearbeitung (Strömbom)
4.1.4. Pyramide der Versöhnung (Auerbach)
4.2. Potenziale & Hindernisse für Anerkennung & Versöhnung
4.2.1. Potenziale & Hindernisse für eine umfassende Anerkennung
4.2.2. Potenziale & Hindernisse auf dem Weg zur Versöhnung
5. Fazit & Ausblick
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Verbindung zwischen der Anerkennungstheorie und dem Konzept der Transitional Justice im Kontext innerstaatlicher Konflikte, wobei das Beispiel Guatemalas als empirische Fallstudie dient, um die Potenziale sowie die Hindernisse von Maßnahmen zur Aufarbeitung von vergangenem Unrecht kritisch zu evaluieren.
3.3. Transitional Justice im Spannungsfeld politischer Interessen
Mit Blick auf die praktische Umsetzung von TJ-Maßnahmen ergeben sich viele Hindernisse. Zum einen ist es prinzipiell schwierig, angesichts einer politisch und sozial angespannten Situation funktionierende Strukturen zu errichten und Feindbilder zu überwinden. Dies gilt insbesondere, wenn Konflikte historisch fundiert und durch jüngste Ereignisse ideologischer Gewalt gespeist sind. Zum anderen sind TJ-Instrumente stark interessenabhängige, politische Werkzeuge über deren Einsatz viele Gruppen mitbestimmen wollen. Die GegnerInnen von Transitional Justice argumentieren, dass Strafprozesse nur Schauprozesse seien und Wahrheit dem demokratischen Übergang mehr schaden als nutzen würde. Sie fordern zur Amnestie und ein Ruhenlassen der Vergangenheit auf. BefürworterInnen halten dem entgegen, dass ein Minimum an Gerechtigkeit notwendig sei für ein friedliches Auskommen. So sind Nachkriegskontexte durch ein heterogenes Gefüge von Interessen geprägt. Vorstellungen und Wünsche prallen aufeinander und können Konflikte neu entfachen. Der These, dass Transitional Justice Versöhnung fördert, steht daher die Gegenthese, dass Wunden der Vergangenheit neu aufgerissen werden und es besser sei, Schweigen zu wahren, entgegen (vgl. Kritz 1995: xxiii-xxvi).
Der Umgang mit der Vergangenheit kennt aber nicht nur die beiden Extreme des Dialogs oder Schweigens, sondern lässt sich stärker differenzieren. So unterscheidet Aleida Assmann (2009) vier Modelle, die allesamt auf einen Interessensausgleich zwischen den Konfliktparteien hinwirken. Das erste Modell ist Dialogisches Vergessen. Es lässt sich auf Konflikte anwenden, bei denen die Akte der Gewalt auf Gegenseitigkeit beruhen oder mächtige, externe Akteure Druck ausüben. Es meint ein einvernehmliches Vergessen, mit welchem der Kreislauf sich fortsetzender Gewalt durchbrochen wird. Nach einer Periode der Nichtbeachtung kann der Pakt schrittweise in ein Erinnern um Vergessen zu Verhindern umgeformt werden, mit dem Ziel asymmetrische Gewalterfahrungen in symmetrische Formen umzuwandeln. Die Gewalterfahrungen werden angeglichen über empathisches Nachfühlen und Anerkennung. Eine dritte Form ist das Erinnern um zu Vergessen. Es meint die Vergangenheit gemeinsam zu formulieren, um über den Weg der Erinnerung als therapeutisches Mittel zu Heilung und Versöhnung zu gelangen und die Schrecken zurückzulassen.
1. Einleitung: Erläuterung des Forschungsziels, der methodischen Vorgehensweise anhand von Experteninterviews sowie der theoretischen Einbettung in die Anerkennungs- und Transitional-Justice-Forschung.
2. Zum Verständnis von Anerkennung: Analyse der theoretischen Grundlagen von Anerkennung sowie eine historische Untersuchung der ethnischen Anerkennungsbeziehungen in Guatemala.
3. Eine Annäherung an Transitional Justice: Darstellung des Konzepts von Transitional Justice, der Instrumente zur Konfliktbearbeitung sowie deren konkrete Anwendung und Problematik im Kontext der guatemaltekischen Nachkriegsgeschichte.
4. Zur Verbindung von Transitional Justice & Anerkennung: Normativ-kritische Analyse verschiedener theoretischer Modelle zur Verbindung von Anerkennung und Konfliktbearbeitung sowie Untersuchung der Hindernisse und Potenziale.
5. Fazit & Ausblick: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse zur guatemaltekischen Transition und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Anerkennung, Transitional Justice, Versöhnung, Guatemala, Wahrheitssuche, Wiedergutmachung, Identität, ethnische Diskriminierung, Konfliktbearbeitung, Menschenrechte, kollektives Gedächtnis, Rassismus, Partizipation, soziale Bewegung, Erinnerungspolitik.
Die Arbeit untersucht die theoretische und praktische Schnittstelle zwischen Anerkennungstheorie und Transitional Justice, um zu verstehen, wie Ansätze zur Konfliktbearbeitung zur gesellschaftlichen Versöhnung beitragen können.
Die zentralen Felder sind die Bedeutung von Anerkennung für Identität, die Instrumente der Transitional Justice und der spezifische Kontext der Aufarbeitung des Bürgerkriegs in Guatemala.
Das Ziel ist es, die bestehenden theoretischen Konzepte der Verbindung von Transitional Justice und Anerkennung kritisch zu prüfen und deren praktische Anwendbarkeit am Beispiel Guatemalas zu testen.
Die Arbeit basiert auf einer Kombination aus theoretischer Konzepterörterung und einer empirisch-analytischen Fallstudie, die durch eine Serie qualitativer Experteninterviews ergänzt wurde.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, diskutiert diverse Modelle der Konfliktbearbeitung (u.a. von Long & Brecke, Haldemann, Strömbom und Auerbach) und bewertet deren Potenziale und Hindernisse.
Begriffe wie Anerkennung, Transitional Justice, Versöhnung, Wahrheit und Wiedergutmachung sowie der spezifische Kontext ethnischer Diskriminierung und kollektiver Erinnerung stehen im Mittelpunkt.
Guatemala dient als Analysebeispiel für einen Post-Konflikt-Staat, in dem trotz formaler Friedensverträge strukturelle Diskriminierung und ein polarisierter Umgang mit der Vergangenheit fortbestehen.
Die Autorin stellt eine weitgehend ablehnende Haltung der Regierung gegenüber den Prozessen der Transitional Justice fest, die oft durch machtpolitische Interessen der Eliten und ein Fehlen von politischem Willen zur Aufarbeitung geprägt ist.
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