Bachelorarbeit, 2014
48 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Stand der Literatur und Quellenlage
3 Die Methode des causal process tracing
3.1 Grundlagen, Vorgehen und Ziel
3.2 Die Bedeutung des CPT für das Zuschreiben von Verantwortung
3.3 Die Fallauswahl
4 Ereignisgeschichte
4.1 Phase 1: Hintergrund
4.2 Phase 2: Vorgeschichte
4.3 Phase 3: Der 26.01.1998
4.4 Phase 4: Nachgeschichte
5 Die Analyse des Behördenversagens am 26.01.1998
5.1 Die primäre Kausalkette – Böhnhardts Entkommen
5.2 Die erweiterte Kausalkette – die unzureichenden Vorbereitungen
5.3 Schlussfolgerungen – kritische Weggabelungen und kausale Mechanismen
6 Generalisierbarkeit der Ergebnisse
7 Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das behördliche Versagen am 26.01.1998, welches dem "NSU-Trio" die Flucht ermöglichte. Ziel ist es, mittels der Methode des causal process tracing (CPT) die entscheidenden kritischen Weggabelungen in der Kausalkette zu identifizieren und die Verantwortlichkeiten der beteiligten Behörden (LfV, LKA, StA) präzise zuzuschreiben.
3.1 Grundlagen, Vorgehen und Ziel
Ziel des Kapitels ist es die Methode dieser Fallstudie, ihre theoretischen Implikationen und die dazugehörigen Begriffsdefinitionen darzulegen. Fallstudien sehen sich der paradoxen Situation gegenüber, dass sie zwar sehr viel Wissen über die empirische Welt liefern, ihre Methode allerdings häufig verkannt wird (Gerring 2007). Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Methode häufig nicht ausreichend reflektiert und dementsprechend nicht hinreichend verstanden wird (ebd.). Dem soll dieses Kapitel entgegenwirken.
Diese Arbeit verfolgt den methodischen Ansatz des CPT (Blatter & Haverland 2012). Dabei handelt es sich um eine Y-zentrierte Analyse, die sich ausschließlich innerhalb eines Falls bewegt. Eine solche Fallstudie versucht komplexe Konfigurationen unterschiedlicher kausaler Ursachen (X) zu identifizieren, die ein bestimmtes outcome nach sich ziehen (Blatter & Haverland 2012).
Die Grundlage des CPT ist ein „konfigurationales Verständnis von Kausalität“ (Blatter & Haverland 2012, 80, eigene Übersetzung). Das heißt der Analyst nimmt an, dass fast alle outcomes auf eine Kombination mehrerer Kausalfaktoren bzw. ein Set unterschiedlicher Bedingungen zurückzuführen ist. Verschiedene Kausalfaktoren können dementsprechend zum gleichen Ergebnis führen (Äquifinalität) oder ein und derselbe Kausalfaktor kann in verschiedenen Kontexten unterschiedliche outcomes erzeugen (kausale Heterogenität).
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik des NSU-Komplexes ein und legt die Forschungsfrage zur Verantwortlichkeit für das Abtauchen des Trios am 26.01.1998 fest.
2 Stand der Literatur und Quellenlage: Es wird dargelegt, dass wissenschaftliche Aufarbeitungen zum spezifischen Behördenversagen beim Abtauchen fehlen, und die empirische Grundlage durch Untersuchungsberichte definiert.
3 Die Methode des causal process tracing: Dieses Kapitel erläutert den methodischen Ansatz des CPT sowie den verwendeten Verantwortungsbegriff und die Kriterien für die Fallauswahl.
4 Ereignisgeschichte: Es erfolgt eine detaillierte chronologische Darstellung der Geschehnisse von den Hintergründen bis zur Nachgeschichte des 26.01.1998.
5 Die Analyse des Behördenversagens am 26.01.1998: Der Hauptteil analysiert die Kausalketten, identifiziert das Versagen der beteiligten Behörden und verknüpft die Erkenntnisse mit theoretischen Modellen.
6 Generalisierbarkeit der Ergebnisse: Hier werden die theoretischen und methodischen Implikationen der Fallstudie reflektiert und Möglichkeiten für die Zukunft aufgezeigt.
7 Schluss: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des Behördenversagens und einem kontrafaktischen Narrativ über eine mögliche erfolgreiche Strafverfolgung.
NSU, Behördenversagen, causal process tracing, CPT, Kausalkette, Verantwortung, Thüringen, LKA, Verfassungsschutz, Rechtsradikalismus, Rechtsterrorismus, kritische Weggabelung, 26.01.1998, Verwaltungsanalyse, Strafverfolgung
Die Arbeit untersucht das administrative Versagen deutscher Strafverfolgungsbehörden, das es dem "NSU-Trio" ermöglichte, am 26.01.1998 in den Untergrund zu fliehen und in der Folge zahlreiche schwere Straftaten zu begehen.
Im Zentrum stehen die Handlungsabläufe des Thüringer Landeskriminalamtes (LKA), die Rolle des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) bei der Fehleinschätzung rechtsextremer Gefahren sowie die Kommunikation zur Staatsanwaltschaft (StA).
Die zentrale Frage lautet, welche Behörde konkret die Verantwortung für das erfolgreiche Abtauchen des NSU-Trios am 26.01.1998 trägt.
Die Arbeit verwendet das "causal process tracing" (CPT), um kausale Mechanismen und notwendige Bedingungen für das Verwaltungsversagen in einer Y-zentrierten Einzelfallstudie zu identifizieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Rekonstruktion der Ereignisgeschichte in vier Phasen und eine anschließende Analyse der Kausalketten, die zu den unzureichenden Durchsuchungsvorbereitungen führten.
Wichtige Begriffe sind NSU, Behördenversagen, Kausalkette, kritische Weggabelungen, trained incapacity, perceptual defense und die methodische Einordnung als causal process tracing.
In der Garage Nr. 5 befand sich die Bombenwerkstatt des NSU. Durch Verzögerungen bei deren Durchsuchung und das Wissen der Verdächtigen über den geplanten Zugriff konnte das Trio entkommen.
Das LfV lieferte durch ein falsches framing der Bedrohungslage einen situativen Mechanismus, der zu einer Unterschätzung des Rechtsterrorismus und damit zu strukturellen Defiziten bei anderen Behörden führte.
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