Diplomarbeit, 2000
66 Seiten, Note: 1
ERSTER TEIL: Theodizee-nahe Christologie?
0. Einleitung und Problemaufriss
0.1. Christologische Defizite?
0.2. Zum „Ort“ der Erlösung
0.3. Christologie als „Entschärfung“ der Theodizeefrage
1. Auschwitz
1.1. Auschwitz als Ende des Verstehens?
1.2. Auschwitz – kein negativer Mythos
1.3. Auschwitz als Singularität?
1.4. Auschwitz als Diskontinuität?
2. Aporien
2.1. Christologie als „linke Hand des Antijudaismus“?
2.2. Kein christologischer „Besitzverzicht“
2.3. Die Messiasfrage offen halten – Christologie in der Begegnung mit dem Judentum
2.4. Erlösung der Juden durch Christus?
2.5. Gegen einen christlichen Heilstriumphalismus
2.6. Gebrochene Universalität? Christus und die jüdischen Opfer
2.7. Golgotha als Heilsgegenwart? – Eine soteriologische Interpretation des Kreuzes?
2.8. Christologie als „Entschärfung“ der Theodizeefrage?
2.9. Gottes Allmacht in der Ohnmacht Christi am Kreuz?
3. Erlösung
3.1. Für eine differenzierte Sicht der Täter-Opfer-Relation
3.2. „Versöhnung“ als Erinnerung und Bejahung der Lebensgeschichte
Exkurs: Eine Gemeinsamkeit von Tätern und Opfern?
3.3. Erlösung der Täter: Vergebung durch die Opfer
Exkurs: Allversöhnung?
3.4. Erlösung der Opfer: Integration gebrochener Identität
3.5. Zur Versöhnungsmacht Gottes
4. Gebet ist mehr als Klage
5. „Rettung“ oder „Versöhnung“? – Gegen eine moralische Auflösung des Eschatons
ZWEITER TEIL: Christologische Defizite in der Politischen Theologie?
0. Die These: Politische Theologie als „temporale Christologie“
1. Theodizee
1.1. Theologie als „Schrei nach der Rettung der Anderen“
1.2. Zur narrativen Vermittlung von Heil und Geschichte
1.3. Theologie als „Antwort“?
Exkurs: Theodizeeflucht I: Der „soteriologischen Zirkel“
Exkurs: Theodizeeflucht II: „Anthropodizee“
1.4. Christologie als „Antwort“?
Exkurs: Zu den Gefahren der theologischen Rede vom „Sinn“
2. „memoria passionis“
2.1. „Unterbrechung“ oder: Theologie als argumentierende memoria
2.2. Der griechische Logos als Problem
2.3. „Erinnerung mit Folgen“ oder: memoria als „gefährliche“ Erinnerung
2.4. Leidensgedächtnis als „negatives Wissen“
2.5. Die memoria passionis – eine noetische Kategorie
3. Wege zu einer „temporalen Christologie“
3.1. Zur Dialektik von Theorie und Praxis
3.1.1. Theologie als Reflexion eschatologischer Praxis
3.1.2. Zur Struktur christologischen Wissens
Exkurs: Die Krise des Christentums als eine Krise kirchlicher Praxis
3.2. Zur Dialektik von „Mystik“ und „Politik“
Exkurs: Gerechtigkeitspraxis im Horizont des Gerichts
3.5. Zur Dialektik von „Gehorsam“ und „Verheißung“ (D. Bonhoeffer)
4. Schlussreflexion
Die Diplomarbeit untersucht kritisch die Thesen von J. H. Tück zu einer „theodizee-nahen Christologie“ und prüft dessen Vorwurf, die Politische Theologie von Johann Baptist Metz weise gravierende christologische Defizite auf. Zentrales Ziel ist die Auseinandersetzung mit der Frage, wie eine Christologie „nach Auschwitz“ angesichts des Leids von Opfern und Tätern sowie unter Wahrung des jüdisch-christlichen Verhältnisses formuliert werden kann.
1.1. Auschwitz als Ende des Verstehens?
Der Name „Auschwitz“ kennzeichnet weit mehr als eine idealistisch eingefärbte „Sinnkrise“. Verbindet sich doch (vor allem in neuerer Philosophie und Theologie) mit dem Namen „Auschwitz“ das Bewusstsein eines „Geschichtsbruchs“, einer bislang nicht oder nur fragmentarisch und defizitär wahrgenommenen Diskontinuität des angeblichen Kontinuums „Geschichte“. „Auschwitz“ steht in diesen Ansätzen für jene spekulativ unhintergehbare Katastrophe, die für das 20. Jahrhundert prägend geworden ist. Diese Katastrophe sperrt sich jedoch gegen jedwede Einordnung und „Normalitätsvermutung“, sei diese nun theologischer oder historischer Art. Als Konsequenz der Erkenntnis, „Auschwitz“ nicht in bekannte Deutemuster pressen zu können, gingen die Bestrebungen von Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie dahin, Auschwitz in seiner Singularität wahrzunehmen.
Vor jedem Versuch, über Auschwitz nachzudenken, steht das Eingeständnis in die Unverstehbarkeit der Katastrophe: „Auschwitz kann nicht verstanden werden, durch keine noch so gute Philosophie. Dolf Sternberger, der große Politologe und Philosoph, hat gesagt, wer Auschwitz verstehen wollte, müsse darüber den Verstand verlieren. Das ist auch uns Theologen gesagt.“
Für die Theologie kann es also nicht darum gehen, Auschwitz irgendwie in das theologische System (etwa geschichtstheologisch) einzuordnen, sondern – schwierig genug – es in seiner Unverstehbarkeit aufzudecken.
0. Einleitung und Problemaufriss: Einführung in die Thematik der theodizee-nahen Christologie und die kritische Auseinandersetzung mit Tücks Vorwurf christologischer Defizite bei Metz.
1. Auschwitz: Untersuchung des Begriffs „Auschwitz“ als geschichtlicher Bruch und theologischer Krise, die sich jedem klassischen Verstehen entzieht.
2. Aporien: Diskussion grundlegender Spannungsfelder, insbesondere hinsichtlich Antijudaismus, der Messiasfrage und der Möglichkeit einer christologischen Versöhnung.
3. Erlösung: Reflexion über Täter-Opfer-Relationen und Ansätze einer eschatologischen Versöhnung, die den Ernst der Geschichte und Freiheit nicht einebnet.
4. Gebet ist mehr als Klage: Untersuchung des Verhältnisses von doxologischer Glaubenspraxis und der notwendigen Klage im Angesicht des Leids.
5. „Rettung“ oder „Versöhnung“? – Gegen eine moralische Auflösung des Eschatons: Abgrenzung gegen eine moralische Reduktion des Eschatons und Plädoyer für die prinzipielle Unbeantwortbarkeit der Theodizeefrage.
Auschwitz, Theodizee, Politische Theologie, Johann Baptist Metz, Christologie, Erlösung, Versöhnung, Täter-Opfer-Relation, memoria passionis, eschatologischer Vorbehalt, Gerechtigkeit, Leidensgeschichte, Gott, Freiheit, Nachfolge.
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept einer „theodizee-nahen Christologie“ von J. H. Tück, das in direkter Auseinandersetzung mit der Politischen Theologie von Johann Baptist Metz steht.
Die Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Christologie, Theodizee, geschichtlicher Verantwortung, dem jüdisch-christlichen Verhältnis und der Frage nach einer eschatologischen Erlösung nach Auschwitz.
Sie fragt danach, ob und wie eine Christologie heute noch universale Relevanz beanspruchen kann, ohne dabei die Opfer von Auschwitz durch vorschnelle „Sinngebungen“ oder moralische Vereinnahmung erneut zu verletzen.
Es handelt sich um eine theologisch-hermeneutische Arbeit, die systematisch Positionen wie die von J. H. Tück, J. B. Metz und D. Bonhoeffer gegeneinander abwägt und kritisch hinterfragt.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Teile: Er analysiert die theodizee-nahe Christologie Tücks im Kontext von Auschwitz und untersucht anschließend, inwiefern die Politische Theologie des späten Metz tatsächlich als „temporale Christologie“ zu verstehen ist.
Die zentralen Begriffe sind Auschwitz, memoria passionis, eschatologischer Vorbehalt, theodizee-nahe Christologie, politische Mystik und Erlösung.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass dieser Versuch von Tück eher als gescheitert zu betrachten ist, da er Gefahr läuft, in eine spekulative Versöhnung zu münden, die den Schrei der Opfer theologisch entschärft.
Weil Zeit bei Metz der strukturierende Moment der Gottesrede ist; Theologie wird hier nicht als zeitlose Lehre, sondern als „Theologie der Zeit“ begriffen, die sich dem geschichtlichen Schrei der Leidenden stellt.
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