Bachelorarbeit, 2014
70 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Prostitution: Begriffsbestimmung
2 Historischer Abriss
3 Lagebild Prostitution
3.1 Situation Global
3.2 Die Deutsche Prostituionsgesetzgebung
3.3 Zwangsprostitution
4 Forschungsstand
5 Methode
5.1 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung
5.2 Forschungsmethode: Wissensoziologische Diskursanalyse
5.3 Datenerhebung und -auswertung
6 Die Debatte zum Prostitutionsgesetz 2001
6.1 „Abschied von der Doppelmoral“
6.2 Der liberale Diskurs
6.3 Die Bürgerliche Hure
6.4 Die dunkle Seite der Prostitution
7 Die Prostitutionsdebattte 2013
7.1 Das Scheitern des Prostitutionsgesetzes: „Das Rotlichtviertel Europas“
7.2 Die osteuropäische Zwangsprostituierte
7.3 Der egalitäre Diskurs
7.4 Der revidierte liberale Diskurs
8 Vergleich und ideologische Hintergründe der Prostitutionsdiskurse
8.1 Die Gesellschaftsbilder im liberalen und egalitären Diskurs
8.2 Der konservative Diskurs
8.3 Die Entdeckung des Freiers
8.4 Die (Re)Produktion geschlechtsspezifischer Sexualität
9 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den medialen Diskurs zur deutschen Prostitutionsgesetzgebung in den Jahren 2001 und 2013, um Wandel und Kontinuitäten in der Wahrnehmung und Bewertung von Prostitution zu identifizieren und die zugrunde liegenden Ideologien sowie gesellschaftliche Menschenbilder aufzudecken.
6.3 Die Bürgerliche Hure
„‘Hier bin ich der Herr meines Zimmers‘. Wer ungewaschen ist, wird wieder weggeschickt. Wie alle Profifrauen kennt Nina die Grenze, an der die Dienstleistung für sie aufhört und Sex in Gewalt und Perversion übergeht. Und ohne Kondom läuft gar nichts. Ganz gleich wie viel Geld der Freier ihr bietet. Sie sagt, sie sei selbstbewusster geworden, seit dem sie vor einem Jahr ins Bordell zog, um dort an einem Tag zu verdienen, was sie früher als Kellnerin im Lauf einer Woche erarbeitete.“ (FAZ 21.10.01: 3)
Im Zentrum des liberalen Diskurses, als Adressat und Profiteur der geplanten Gesetzesänderung, steht die Prostituierte, die ihr Recht auf die Anerkennung ihres selbstgewählten Berufes einfordert. Im Diskurs wird diese Prostituierte als Subjekt konstituiert. Am deutlichsten wird dies in der Spiegelreportage vom 27.8.2001 mit dem Titel „Die bürgerlichen Huren“ (S. 84-90). Die Begriffsverwendung von „Hure“ für Prostituierte, kam im 18. Jahrhundert in Mode. Bis heute schwingt in der Verwendung jedoch noch die weitaus ältere Bedeutung, als abwertender Begriff für Frauen mit wechselnden Geschlechtspartnern mit (Ringdal 2006: 246).
Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema Prostitution ein und erläutert die Zielsetzung, die medialen Diskurse zur deutschen Gesetzgebung von 2001 und 2013 als Arena von Definitionskämpfen zu untersuchen.
1 Prostitution: Begriffsbestimmung: Es erfolgt eine definitorische Abgrenzung der gewerblichen Prostitution von anderen Formen sexueller Handlungen und Entgeltbeziehungen im historischen und gegenwärtigen Kontext.
2 Historischer Abriss: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung der Prostitution von sakralen Formen in der Antike bis hin zu restriktiven und reglementierenden Politiken im 19. und 20. Jahrhundert nach.
3 Lagebild Prostitution: Der Abschnitt gibt einen Überblick über globale Regulierungsmodelle, die deutsche Gesetzgebung sowie die Problematik der Zwangsprostitution im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs.
4 Forschungsstand: Hier wird der sozialwissenschaftliche Forschungsstand zur Prostitution dargelegt, wobei der Schwerpunkt auf den Diskrepanzen zwischen qualitativen Feldstudien und quantitativen Daten sowie der Rolle der Prostitutionsnachfrage liegt.
5 Methode: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen mittels der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) nach Rainer Keller und beschreibt die Datenerhebung anhand von Leitmedien.
6 Die Debatte zum Prostitutionsgesetz 2001: Die öffentliche Diskussion rund um die Liberalisierung durch das Prostitutionsgesetz 2001 wird als Dominanz eines liberalen Deutungsmusters nachgezeichnet.
7 Die Prostitutionsdebattte 2013: Es wird die Verschiebung der medialen Aufmerksamkeit hin zur Thematisierung von Zwangsprostitution und die Etablierung eines egalitären Diskurses analysiert.
8 Vergleich und ideologische Hintergründe der Prostitutionsdiskurse: Die ideologischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen liberalen, egalitären und konservativen Diskursen werden systematisch gegenübergestellt und theoretisch eingeordnet.
9 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Diskurse um Prostitution von fundamentalen Definitionsschlachten geprägt sind, die stark von der jeweiligen politischen Kultur und gesellschaftlichen Werten abhängen.
Prostitution, Prostitutionsgesetz, mediale Diskurse, Zwangsprostitution, Wissenssoziologische Diskursanalyse, bürgerliche Hure, Feminismus, Geschlechterrollen, Liberalisierung, Menschenhandel, Sexarbeit, Deutungshoheit, Sexualmoral, Freier, gesellschaftliche Konstruktion.
Die Arbeit analysiert die medialen Diskurse zur deutschen Prostitutionsgesetzgebung in den Jahren 2001 und 2013, um den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Prostitution zu verstehen.
Die zentralen Themen sind die Legalisierung von Prostitution, der Einfluss feministischer Positionen auf die öffentliche Meinung, die Konstruktion von Opfer-Täter-Schemata und die Rolle des Staates bei der Regulierung sexueller Dienstleistungen.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Prostitution in medialen Debatten als Problem konstituiert wird und welche Rolle unterschiedliche Akteure und Ideologien bei der Durchsetzung einer Deutungshegemonie spielen.
Die Autorin verwendet die Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) nach Rainer Keller, um massenmedial vermittelte Sinnzusammenhänge und Deutungsmuster systematisch herauszuarbeiten.
Im Hauptteil werden zunächst die Diskurse von 2001 und 2013 detailliert nachgezeichnet, um anschließend die ideologischen Hintergründe der liberalen, egalitären und konservativen Diskurse vergleichend gegenüberzustellen.
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Prostitution, Diskursanalyse, Zwangsprostitution, Selbstbestimmung, Feminismus, Sozialkonstruktivismus und Gesetzgebung.
Laut der Arbeit liegt dies daran, dass Zwangsprostitution zum gemeinsamen Nenner für liberale, egalitäre und konservative Akteure wurde, um jeweils eigene politische Forderungen (wie Verbote oder eine striktere Kontrolle) innerhalb des diskursiven Feldes zu legitimieren.
Die "bürgerliche Hure" fungiert als zentrale Diskursfigur des Jahres 2001, die Prostitution als emanzipatorische Selbstbestimmungsstrategie und als "Job wie jeder andere" darstellt, um die soziale Stigmatisierung zu bekämpfen.
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