Examensarbeit, 2014
75 Seiten
1. Einleitung
2. Die Rolle des Religionslehrers am Berufskolleg
2.1 Selbstwahrnehmung und Selbstverständnis von Religionslehrern
2.2 Erfahrungen von Religionslehrern
2.3 Wie sehen die Leute die Rolle des Religionslehrers?
2.4 Der Religionslehrer als Vertrauensperson und Gesprächspartner
2.5 (Berufs-)Zufriedenheit der Lehrer?
3. Die Habitustheorie nach Pierre Bourdieu
3.1 Kurzbiographie Pierre Bourdieu
3.2 Definition Habitus
3.2.1 Habitus und Klasse
3.2.2 Habitus und Geschlecht
3.2.3 Habitus und soziales Feld
3.2.4 Habitus und Kapital
3.2.4.1 Ökonomisches Kapital
3.2.4.2 Kulturelles Kapital
3.2.4.3 Soziales Kapital
4. Religionsunterricht am Berufskolleg
4.1 Methoden im beruflichen Religionsunterricht
4.2 Ethik als Alternative?
4.3 Profile des Religionsunterrichts
4.4 Die Rolle der Kirchen im beruflichen Religionsunterricht
4.5 Allgemeinbildende Aufgaben des Religionsunterrichts
4.6 Wertevermittlung als Aufgabe des Religionsunterrichts
4.7 Akzeptanz des Religionsunterrichts in der Gesellschaft
5. Der Habitus des Religionslehrers
5.1 Idealtypischer Habitus
5.2 Das Selbstbild eines Religionslehrers
5.3 Konsequenzen des Habitus für Religionslehrer
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht den Habitus von Religionslehrern am Berufskolleg und analysiert, inwiefern die innere Einstellung der Lehrkräfte, geprägt durch ihre Biografie und soziale Herkunft, ihr professionelles Handeln sowie die Bewältigung der spezifischen Anforderungen an berufsbildenden Schulen beeinflusst.
3.2 Definition Habitus
Der Begriff Habitus bezeichnet nach Bourdieu die Grundhaltung des Menschen zu sich selbst und zu der Welt. Es sind die Denk- und Verhaltensstrukturen, die einen Menschen und seine Möglichkeiten und Grenzen seines Denkens bestimmen und definieren. In seinem Buch „Entwurf einer Theorie der Praxis“ nennt Bourdieu es eine „Theorie der praktischen Erkenntnis der sozialen Welt“.32 Diese Theorie ist jedoch sehr variabel und Bourdieu lässt sich den Spielraum, neue Kategorien hinzuzufügen oder bestehende zu ergänzen, wo ihm dies notwendig erscheint.
Mehrere Habitusformen definiert Bourdieu als „Systeme dauerhafter Dispositionen, strukturierte Strukturen, die geeignet sind, als strukturierende Strukturen zu wirken, mit anderen Worten: als Erzeugungs- und Strukturierungsprinzip von Praxisformen und Repräsentationen“.33
In der Soziologie und Philosophie ist dieser Begriff schon lange bekannt und gebräuchlich, für die Theologie wurde er aber erst durch Bourdieu wichtig. Dieser sah ihn als eine Abkehr von der Vorstellung eines sozialen Handelns, das aus dem Befolgen von Regeln entsteht.
Bourdieu versteht unter dem Habitus ein generatives Prinzip, einen modus operandi, also Arten des Handelns, das jene Improvisationen hervorbringt, die man gesellschaftliche Praxis nennt. Es bestimmt wesentlich die Art und Weise der Ausführung von Praktiken und weniger die Praxisinhalte selbst.34 Im Habitus wird folglich festgelegt, was an Praxis möglich oder unmöglich ist. Die Habitustheorie war jedoch nie als theoretischer Lösungsvorschlag allgemeinsozialer Problemstellungen gedacht, sondern hat sich aus empirischen Forschungsfragen entwickelt.35
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob und wie angehende Religionslehrer an Berufskollegs ihren Habitus mit den Anforderungen des Berufs und des Glaubens in Einklang bringen können.
2. Die Rolle des Religionslehrers am Berufskolleg: Das Kapitel beleuchtet das Selbstverständnis und die täglichen Herausforderungen, denen sich Religionslehrer durch die heterogene Schülerschaft und die gesellschaftliche Erwartungshaltung gegenübersehen.
3. Die Habitustheorie nach Pierre Bourdieu: Hier werden die soziologischen Grundlagen des Habitus-Begriffs erarbeitet, einschließlich der Bedeutung von Kapitalformen und der Wirkung des sozialen Feldes auf das menschliche Handeln.
4. Religionsunterricht am Berufskolleg: Dieses Kapitel diskutiert die Funktionen des Religionsunterrichts, die Rolle des Ethikunterrichts als Alternative und die Notwendigkeit von Interreligiösität im beruflichen Lernfeld.
5. Der Habitus des Religionslehrers: Im Zentrum steht die professionelle Identität und die Frage, wie ein idealtypischer Habitus zur Bewältigung der komplexen Anforderungen im Berufsalltag aussehen muss.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse über die Doppelrolle des Lehrers und die Bedeutung der Reflexivität für einen authentischen Religionsunterricht.
7. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen und Fachliteratur.
Religionsunterricht, Berufskolleg, Habitus, Pierre Bourdieu, Religionslehrer, Identitätsbildung, Kapitalformen, Handlungsorientierung, Ethik, Berufsfeld, Sozialisation, Professionalität, Authentizität, Schulpraxis, Wertevermittlung
Die Arbeit untersucht das Rollenbild und den Habitus von Religionslehrkräften an Berufskollegs unter Einbeziehung soziologischer Theorien von Pierre Bourdieu.
Die zentralen Themen umfassen die Identitätsbildung von Lehrern, die Bedeutung des Glaubens im schulischen Alltag und die strukturellen Rahmenbedingungen des Religionsunterrichts an berufsbildenden Schulen.
Das Ziel ist es, den idealtypischen Habitus eines Religionslehrers zu bestimmen, der es ermöglicht, professionelle Kompetenzen mit authentischer Religiosität zu verbinden.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch die Habitustheorie Bourdieus, ergänzt durch die Analyse religionspädagogischer Fachliteratur und aktueller didaktischer Konzepte.
Der Hauptteil analysiert das soziale Feld der Schule, das Konzept des Habitus, Methoden des handlungsorientierten Religionsunterrichts und die Akzeptanz des Fachs in der Gesellschaft.
Die wichtigsten Begriffe sind Religionsunterricht, Habitus, Bourdieu, Berufsidentität, Lehrerrolle und Handlungskompetenz.
Er ist stärker problem- und schülerorientiert und findet an der Schnittstelle zur Arbeitswelt statt, was spezifische Anforderungen an die Lebens- und Berufsethik stellt.
Es dient als Legitimation und Autorität in einem Umfeld, in dem die kirchliche Tradition zunehmend kritisch hinterfragt wird.
Reflexivität ist notwendig, um theoretisches Wissen situationsspezifisch in die Schulpraxis zu übersetzen und authentisch als Person vor der Klasse zu stehen.
Dies erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und eine ehrliche Haltung, die den Schüler als ernst zu nehmendes Gegenüber respektiert.
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