Diplomarbeit, 2002
131 Seiten, Note: gut
1. EINLEITUNG UND PROBLEMAUFRISS
1.1. Datenlage
1.2. Aufbau der Arbeit
1.3. Literaturüberblick
I. THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN UND BEGRIFFS-BESTIMMUNGEN
2. POLITISCHE TRANSITION IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN
2.1. Phasen des politischen Wandels: Ein Transitionsmodell
2.2. Politische Struktur und politische Kultur im Transitionsprozeß
2.3. Politische Kultur in den neuen Bundesländern: Zur Ausgangslage 1990
3. LEGITIMITÄT, STABILITÄT UND POLITISCHE UNTERSTÜTZUNG
3.1. Zum Begriff der Legitimität
3.2. Zum Begriff der Stabilität
3.3. Zum Verhältnis von Legitimität und Stabilität in demokratisch verfaßten Systemen
3.4. Politische Unterstützung
3.4.1. Spezifische Unterstützung
3.4.2. Diffuse Unterstützung
3.5. Zusammenfassung und Hypothesen zur politischen Unterstützung in Ostdeutschland
4. DER BEGRIFF DER INNEREN EINHEIT UND SEINE DIMENSIONEN
4.1. Innere Einheit als Modell
4.2. Sozialisation und Situation: zwei grundlegende Erklärungsansätze mangelnder innerer Einheit
4.3. Verstärkte Selbstidentifikation und kollektives Benachteiligungsempfinden der Ostdeutschen
4.3.1. Persönliche Erfahrungen mit dem neuen System: Die Erfahrungshypothese
4.3.2. Praktische, politische und charakterliche Diskriminierung der Ostdeutschen: Die Kompensationshypothese
4.3.3. Sozioökonomische Aspekte: keine materielle Einheit
4.4. Einstellungen zur Demokratie im vereinten Deutschland
4.4.1. Objektebenen von Demokratie
4.4.2. Normative Modelle der Demokratie
4.4.3. Einordnung der bundesdeutschen Demokratie
5. HYPOTHESEN ZU STAND UND VERLAUF DER INNEREN EINHEIT
II. STAND UND VERLAUF DER INNEREN EINHEIT
6. ENTWICKLUNG DES BÜRGER-ZWEITER-KLASSE-EMPFINDENS SEIT 1990
6.1. Das Phänomen Bürger-zweiter-Klasse, Wirtschaftserwartungen und tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung
6.2. Das Phänomen Bürger-zweiter-Klasse und politische Unzufriedenheit
6.3. Das Phänomen Bürger-zweiter-Klasse und Externalisierung von Problemen im Einigungsprozeß
7. URSACHEN DES BÜRGER-ZWEITER-KLASSE-EMPFINDENS
7.1. Erfahrungshypothese
7.2. Kompensationshypothese
7.3. Sozioökonomische Aspekte
8. EINSTELLUNGEN ZUR DEMOKRATIE IM VEREINTEN DEUTSCHLAND
8.1. Demokratie als Prinzip
8.2. Normative Prinzipien der Demokratie
8.3. Die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland
8.4. Die Performanz der Demokratie im vereinten Deutschland
III. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: EIN STAAT - ZWEI POLITISCHE KULTUREN?
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der mangelnden "inneren Einheit" Deutschlands elf Jahre nach der Wiedervereinigung. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit politische Einstellungen und kulturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen den Transformationsprozess sowie die Stabilität des demokratischen Systems beeinflussen.
1.1. Datenlage
Die Datenlage ist für das Ziel der vorliegenden Arbeit alles andere als kompfortabel. Dies ergibt sich bereits daraus, daß es eine theoretische Fundierung des Begriffs innere Einheit nicht gibt. Damit kann aber auch keine auf eine solche Untersuchung abgestimmte Sammlung von Daten existieren. Da es sich bei dem, was wir unter innerer Einheit verstehen, um ganz unterschiedliche Aspekte der politischen Kulturforschung handelt, kann auch nicht erwartet werden, daß Daten nun gerade in der hier benötigten Zusammensetzung verfügbar sind. Konkret heißt dies, daß etwa Daten zu bestimmten Fragen nicht für den gesamten Untersuchungszeitraum zur Verfügung standen oder aber nicht mehr auf dem neuesten Stand weil veraltet waren. Teilweise mußten auch Daten einfach aus der Literatur entnommen werden, weil es nicht möglich war, sie z.B. in einem Datensatz von einem Meinungsforschungsinstitut zu akquirieren. Natürlich beeinträchtigt dies die Aussagekraft der in dieser Arbeit getroffenen Feststellungen, weil z.B. Ergebnisse auf der Grundlage von Umfragedaten aus dem Jahre 1995 heute nun einmal mit Vorsicht behandelt werden müssen.
Grundsätzlich wurden Daten aus fünf verschiednen Quellen verwendet. Für die Betrachtung der Einstellungen zur Demokratie kamen Umfragedaten aus der Studie von Westle/Roßteutscher „Politische Kulturen im vereinten Deutschland 1992“ sowie aus der Nachfolgestudie von Westle „Politische Kulturen im vereinten Deutschland 1993“ zur Anwendung. Außerdem wurden unter diesem Aspekt Daten aus der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage für Sozialwissenschaften (ALLBUS) benutzt. Weitere Umfragedaten zu ganz verschiedenen Aspekten des Themas stammen aus dem Archiv des Instituts für Demoskopie Allensbach. Dieses stellte dankenswerterweise zahlreiche Dokumentationen inklusive Anhangtabellen und Schaubilder der regelmäßigen Beiträge Elisabeth Noelle-Neumanns in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Verfügung. Schließlich mußten einige Daten, wie bereits ausgeführt, aus der einschlägigen Literatur zitiert werden. Dies betrifft alle Daten zum Bürger-zweiter-Klasse-Empfinden der Ostdeutschen, die den Beiträgen von Brunner und Walz entnommen sind sowie die Typologie von Max Kaase über die Selbst- und Fremdkategorisierung von West- und Ostdeutschen.
1. EINLEITUNG UND PROBLEMAUFRISS: Das Kapitel definiert den Begriff der inneren Einheit und skizziert die methodischen Herausforderungen aufgrund der schwierigen Datenlage.
2. POLITISCHE TRANSITION IN DEN NEUEN BUNDESLÄNDERN: Es wird ein Transitionsmodell vorgestellt, um den politischen Wandel von der DDR zur Bundesrepublik theoretisch einzuordnen.
3. LEGITIMITÄT, STABILITÄT UND POLITISCHE UNTERSTÜTZUNG: Das Kapitel verknüpft Konzepte von Easton zur politischen Unterstützung mit der Frage der Stabilität demokratischer Systeme.
4. DER BEGRIFF DER INNEREN EINHEIT UND SEINE DIMENSIONEN: Hier werden das kollektive Benachteiligungsempfinden und unterschiedliche Demokratiemodelle als zentrale Dimensionen der inneren Einheit definiert.
5. HYPOTHESEN ZU STAND UND VERLAUF DER INNEREN EINHEIT: Auf Basis der theoretischen Vorüberlegungen werden Hypothesen zum Stand der inneren Einheit formuliert.
6. ENTWICKLUNG DES BÜRGER-ZWEITER-KLASSE-EMPFINDENS SEIT 1990: Empirische Daten werden genutzt, um das "Bürger-zweiter-Klasse-Empfinden" mit Wirtschaftsindikatoren und politischer Unzufriedenheit zu vergleichen.
7. URSACHEN DES BÜRGER-ZWEITER-KLASSE-EMPFINDENS: Das Kapitel diskutiert die Erfahrungshypothese und die Kompensationshypothese als Ursachen für die ostdeutsche Selbstidentifikation.
8. EINSTELLUNGEN ZUR DEMOKRATIE IM VEREINTEN DEUTSCHLAND: Es wird untersucht, ob Ost- und Westdeutsche unterschiedliche Demokratiemodelle bevorzugen und wie zufrieden sie mit der Performance des Systems sind.
Innere Einheit, Deutsche Wiedervereinigung, Politische Kultur, Bürger zweiter Klasse, Transition, Demokratieverständnis, Politische Unterstützung, Transformation, Ostdeutschland, Identität, Sozialisation, Systemstabilität.
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Begriff der "inneren Einheit" Deutschlands nach der Wiedervereinigung und analysiert, warum trotz formaler staatlicher Einheit politisch-kulturelle Divergenzen zwischen Ost- und Westdeutschland fortbestehen.
Die zentralen Themen sind der Transformationsprozess, die politische Stabilität, das kollektive Identitätsempfinden der Ostdeutschen (Bürger zweiter Klasse) sowie unterschiedliche normative Vorstellungen von Demokratie.
Das Ziel ist es, durch die Analyse von Umfragedaten zu ermitteln, ob eine gemeinsame politische Kultur in Deutschland existiert oder ob weiterhin zwei unterschiedliche politische Kulturen bestehen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Transformationsmodelle und Easton's Konzept der politischen Unterstützung, kombiniert mit einer vergleichenden Analyse statistischer Umfragedaten.
Der Hauptteil analysiert die Ursachen des "Bürger-zweiter-Klasse-Empfindens" und vergleicht Einstellungen zur Demokratie sowie die Zufriedenheit mit dem politischen System in Ost- und Westdeutschland.
Wichtige Begriffe sind insbesondere die "innere Einheit", "Bürger zweiter Klasse", "Transition", "Politische Kultur" und "demokratische Sozialisation".
Die Erfahrungshypothese führt das Benachteiligungsempfinden auf anfängliche Orientierungsprobleme im neuen System zurück, erklärt jedoch nicht den Wiederanstieg dieser Empfindungen in späteren Jahren.
Die Kompensationshypothese deutet die verstärkte ostdeutsche Identität als Reaktion auf eine wahrgenommene Abwertung durch Westdeutsche, wobei eigene Stärken betont und DDR-Biographien teilweise verklärt werden.
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