Examensarbeit, 2014
96 Seiten, Note: 1,8
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 Einleitung
2 Theoretischer Zugang
2.1 Komparatistik
2.2 Der Mythos
2.3 Anthropologische Mythentheorie (Hans Blumenberg)
2.4 Literatur-historische Epochen
2.4.1 Kulturmodell des archaischen Griechenlands (Hesiod)
2.4.2 Kulturmodell der Jahrhundertwende in Deutschland (Wedekind)
2.4.3 Kulturmodell des 20. Jahrhunderts in Amerika (Lewin)
2.5 Zwischenergebnis
3 Der Pandoramythos von Hesiod
4 Wedekinds Doppeldrama 'Erdgeist' und 'Die Büchse der Pandora'
4.1 Trivia
4.2 Hesiod und Wedekind
4.3 Mythisierung der Lulu durch Arbeit am Mythos
4.3.1 Namen als ein Stück des Seins und der Seele
4.3.2 Lebenskunst
4.3.3 Kind-Frau, Femme Fatale oder Monster?
4.4 Entmythisierung
4.5 Zwischenergebnis
5 Lewins 'Pandora and the Flying Dutchman'
5.1 Trivia
5.2 Hesiod und Lewin
5.3 Mythisierung der Pandora durch Arbeit am Mythos
5.3.1 Remotivation
5.3.2 Vanitas
5.3.3 Liebe im Mythos
5.4 Entmythisierung
5.5 Zwischenergebnis
7 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutungsverschiebung der Pandorafigur sowie deren Adaption in Frank Wedekinds Doppeldrama 'Erdgeist' und 'Die Büchse der Pandora' sowie Albert Lewins Filmdrama 'Pandora and the Flying Dutchman'. Ziel ist es, den Kern des Mythos nach Hesiod historisch einzuordnen, die mediale Transformation der Figur zu analysieren und aufzuzeigen, wie die Autoren durch Arbeit am Mythos zeitgenössische Konzepte von Weiblichkeit und Existenz verhandeln.
4.1 Trivia
Frank Wedekind ist der unbewußte Zurechtweiser naturalistischer Dinge. Er ist ein Genie der Verzerrung. Zugleich ein göttlicher Sauhirt. Alles wird bei diesem großen Leergebrannten ganz frei unter einen verrückenden Sehwinkel geschoben. Er ulkt über alles, auch über die Illusion in seinen Dramen. Er benutzt Sterben und Unglück recht gern als komische Quelle. Erst wer die Gefühle so überwunden hat, ist – in anderem Sinne – der wahre Naturalist; jedenfalls der am meisten Sachliche von allen.
Frank Wedekind, welcher den Menschen als Triebwesen sieht, das durch seine Umwelt geschaffen wurde, spiegelt in seiner Auffassung die Prinzipien des Naturalismus wider, jedoch sind seine Werke gespickt von Symbolen und dichterischer Verklärung, aber auch Motiven der Sinnlichkeit und der Freiheit, wodurch er sowohl dem Symbolismus, dem Realismus als auch dem Impressionismus zugeordnet werden kann. Eine klare Abgrenzung zu einer dieser Strömungen fällt bei Wedekind schwer. Dennoch war er in jedem Fall antibürgerlich eingestellt, weshalb er Sachverhalte zumeist sehr überspitzt und teilweise anstößig darstellte, womit er als Wegbereiter des Expressionismus gilt.
Der Künstler schuf mit seinen Werken einen ästhetischen Umbruch des Theaters, der durch surrealistische und bizarre Elemente charakterisiert wird und brachte dadurch einen vollkommen neuen ambivalenten Typus des Dramas hervor, indem er nicht den kulturellen Verfall zum Primärobjekt seiner Werke machte, sondern die Kunst per se, wobei er dennoch unterschwellig Gesellschaftskritik übte, da er sich von einer Welt mit aussterbenden moralischen Idealen umgeben sah.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, die Funktion und den Wandel der Pandorafigur anhand der Werke von Hesiod, Wedekind und Lewin zu untersuchen.
2 Theoretischer Zugang: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Grundlagen der Komparatistik, definiert den Begriff des Mythos und stellt die anthropologische Mythentheorie von Hans Blumenberg sowie die literarhistorischen Kulturmodelle vor.
3 Der Pandoramythos von Hesiod: Hier wird der ursprüngliche Pandoramythos nach Hesiod dargelegt, der als Referenzpunkt für die späteren Adaptionen dient.
4 Wedekinds Doppeldrama 'Erdgeist' und 'Die Büchse der Pandora': Das Kapitel analysiert Wedekinds Lulu-Figur im Kontext von Naturalismus und Symbolismus und zeigt die Parallelen sowie die bewusste Entmythisierung im Vergleich zur antiken Vorlage auf.
5 Lewins 'Pandora and the Flying Dutchman': Die Untersuchung widmet sich Lewins Film und analysiert die Figur der Pandora Reynolds als moderne, surrealistisch geprägte Adaption sowie die Rolle der Liebe als zentrales Motiv.
7 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass beide Künstler den Pandoramythos nutzen, um zeitgenössische Existenzfragen zu verhandeln, ihn dabei jedoch durch Vermenschlichung und Entmythisierung auflösen.
Pandora, Mythos, Hans Blumenberg, Frank Wedekind, Albert Lewin, Lulu, Komparatistik, Literaturtheorie, Mythentheorie, Entmythisierung, Weiblichkeit, Adaption, Symbolismus, Naturalismus, Existenzgrundlage
Die Arbeit beschäftigt sich mit der vergleichenden Analyse der Pandoradarstellung in der Literatur und im Film. Dabei wird untersucht, wie sich der antike Mythos über die Jahrhunderte gewandelt hat und in modernen Werken neu interpretiert wird.
Im Mittelpunkt stehen die Komparatistik, die anthropologische Mythentheorie von Hans Blumenberg, das Motiv der Femme Fatale sowie die Darstellung weiblicher Identität in verschiedenen literarischen und filmischen Epochen.
Das Ziel ist es, den Kern des antiken Mythos bei Hesiod herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie Wedekind und Lewin diesen Stoff refunktionalisiert und entmythisiert haben, um auf die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Zeit zu reagieren.
Die Arbeit nutzt die Methoden der Vergleichenden Literaturwissenschaft, führt literaturtheoretische Analysen von Dramen durch und verwendet Sequenzenprotokolle zur medienwissenschaftlichen Untersuchung von Filmen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Analyse von Hesiods Originalmythos sowie die tiefgehende Untersuchung der Lulu-Werke von Wedekind und des Films 'Pandora and the Flying Dutchman' von Albert Lewin.
Zentrale Begriffe sind die 'Arbeit am Mythos', Lebensangst, Lebenskunst, der Absolutismus der Wirklichkeit, das Pierrot-Kostüm und der Begriff der Entmythisierung.
Das Pierrot-Kostüm fungiert als zentrales Symbol für die Konstruktion der Lulu-Figur durch die Männer. Es verdeutlicht ihre Ambivalenz zwischen unschuldigem Kind und verführerischer Femme Fatale sowie ihre Rolle als Kunstobjekt.
Lewins Pandora ist eine moderne Frau der 1950er Jahre, die kein Interesse an Mythen hat. Lewin löst den Mythos durch das Motiv der 'wahren Liebe' auf, welche als reale Erfahrung und nicht als göttliches Instrument inszeniert wird.
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