Masterarbeit, 2015
74 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Biographische Hintergründe und erste Rezeption der Werke
2.1. Rezeption zum Entstehungszeitpunkt
2.2. Rezeption und Wiederaufnahme im Nationalsozialismus
3. Form und Struktur
3.1. Formaler Aufbau und Erzählsituationen
3.2. Wirkung der Erzählsituation auf den Rezipienten
4. Textanalyse: Parallelen und Unterschiede
4.1. Auf dem Weg in die Schlacht: der „Geist von 1914“
4.2. Ausgangssituation der Kämpfer und die Transformation zum Soldaten
4.3. Kameradschaft
4.4. Verlust der Menschlichkeit
4.5. Ambivalenz des Tötens
5. Fazit
Die wissenschaftliche Arbeit untersucht deutschsprachige Kriegsdarstellungen aus Soldatensicht, insbesondere die Werke von Erich Maria Remarque, Ernst Jünger, Walter Flex und Edlef Köppen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der literarischen Verarbeitung des Ersten Weltkriegs aufzuzeigen und die Auswirkungen dieser Darstellungen auf das kollektive Gedächtnis sowie die zeitgenössische Rezeption zu analysieren.
4.2. Ausgangssituation der Kämpfer und die Transformation zum Soldaten
Getragen von der allgemeinen Euphorie und auch vom Druck der Masse kommen die Protagonisten an die Front. Die Ankunft dort ist noch von verklärter Begeisterung geprägt, die ersten erlebten Kriegshandlungen sind fremd und werden kaum als solche wahrgenommen, wie Jünger feststellt:
Mit einem merkwürdig beklommenen Gefühl der Unwirklichkeit starrte ich auf eine blutüberströmte Gestalt mit lose am Körper herabhängendem und seltsam abgeknicktem Bein, die unaufhörlich ein leises „Zu fe!“ hervorstieß, als ob ihr der jähe Tod noch an der Kehle säße. […] Es war wie eine gespenstische Erscheinung am hellen Mittag (IS 8f.).
Die kriegsbegeisterten Soldaten wollten dem langweiligen Alltag entrinnen und im Krieg ein neues, kühneres Leben kennenlernen, doch dieses romantisch-verklärte Bild muss innerhalb kürzester Zeit ernüchtert korrigiert werden, wie es Ernst Jünger stellvertretend für Millionen anderer junger Soldaten tut:
Nach kurzem Aufenthalt beim Regiment hatten wir gründlich die Illusionen verloren, mit denen wir ausgezogen waren. Statt der erhofften Gefahren hatten wir Schmutz, Arbeit und schlaflose Nächte vorgefunden, deren Bezwingung ein uns wenig liegendes Heldentum erforderte. Schlimmer noch war die Langeweile, die für einen Soldaten entnervender als die Nähe des Todes ist (IS 16).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Ersten Weltkriegs als Urkatastrophe ein und legt den Fokus auf die Untersuchung ausgewählter deutschsprachiger Primärliteratur aus Soldatensicht.
2. Biographische Hintergründe und erste Rezeption der Werke: Das Kapitel beleuchtet die persönlichen Werdegänge der Autoren und analysiert, wie diese ihre Fronterfahrungen in unterschiedlichen Gattungen und mit verschiedenen Intentionen verarbeiteten.
2.1. Rezeption zum Entstehungszeitpunkt: Hier wird der unmittelbare Erfolg der Werke nach ihrer Veröffentlichung betrachtet, wobei insbesondere die Rolle von Marketing, Werbung und dem gesellschaftlichen Zeitgeist hervorgehoben wird.
2.2. Rezeption und Wiederaufnahme im Nationalsozialismus: Die Untersuchung zeigt auf, wie die Werke im politischen Kontext des aufkommenden Nationalsozialismus unterschiedlich bewertet, instrumentalisiert oder verboten wurden.
3. Form und Struktur: Es wird analysiert, wie unterschiedliche erzählerische Formen und Gattungen die Vermittlung der Kriegserfahrung sowie die empathische Wirkung auf den Leser beeinflussen.
3.1. Formaler Aufbau und Erzählsituationen: Dieses Kapitel vergleicht die autodiegetischen und heterodiegetischen Erzählweisen und untersucht die Bedeutung der chronologischen Struktur in den Romanen.
3.2. Wirkung der Erzählsituation auf den Rezipienten: Fokus liegt hier auf der Frage, wie durch narrative Techniken (wie der Montagetechnik bei Köppen) Distanz oder Identifikation beim Leser erzeugt wird.
4. Textanalyse: Parallelen und Unterschiede: Der Hauptteil vergleicht die inhaltlichen Gemeinsamkeiten und Differenzen der Texte hinsichtlich ihrer Sicht auf den Krieg und das Soldatentum.
4.1. Auf dem Weg in die Schlacht: der „Geist von 1914“: Das Kapitel beschreibt das Phänomen der kollektiven Kriegsbegeisterung und die Wandlung vom patriotischen Zivilisten zum Soldaten.
4.2. Ausgangssituation der Kämpfer und die Transformation zum Soldaten: Es wird die Ernüchterung an der Front und der Prozess des „Drills“ beschrieben, der die Rekruten für den Grabenkrieg formt.
4.3. Kameradschaft: Hier wird die ambivalente Rolle der Kameradschaft als Ersatzfamilie und deren Funktionalisierung im kriegsbejahenden oder pazifistischen Diskurs untersucht.
4.4. Verlust der Menschlichkeit: Das Kapitel analysiert die Entmenschlichung des Soldaten durch Technik und Krieg und kontrastiert die Sichtweisen von Jünger (Stahl/Technik als Stärkung) und Remarque (Zerstörung).
4.5. Ambivalenz des Tötens: Abschließend wird diskutiert, wie die Autoren mit der moralischen Problematik des Tötens umgehen und wie diese Akte in den jeweiligen Werken legitimiert oder problematisiert werden.
5. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung betont die unterschiedlichen Bewältigungsstrategien der Autoren und ihre Repräsentation als Spiegel der zerrissenen Gesellschaft der Zwischenkriegszeit.
Erster Weltkrieg, Kriegsliteratur, Ernst Jünger, Erich Maria Remarque, Walter Flex, Edlef Köppen, Fronterfahrung, Kameradschaft, Transformation, Neue Sachlichkeit, Pazifismus, Sinnsuche, Entmenschlichung, Identifikation, Zwischenkriegszeit.
Die Arbeit analysiert vier bekannte deutschsprachige Werke über den Ersten Weltkrieg aus der Sicht der beteiligten Soldaten, um deren literarische Auseinandersetzung mit dem Krieg zu vergleichen.
Zu den zentralen Themen gehören die Transformation des Menschen im Krieg, die Rolle der Kameradschaft, die Darstellung des Tötens sowie der Einfluss der jeweiligen biographischen Hintergründe der Autoren auf ihre Texte.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Autoren (Remarque, Jünger, Flex, Köppen) den Krieg verarbeitet haben und inwieweit diese Schilderungen die Rezeption und das kollektive Verständnis des Ersten Weltkriegs beeinflussten.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, insbesondere durch narratologische Betrachtungen und den Vergleich von Stilen, Erzählsituationen und der Verwendung von Dokumenten in der Kriegsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Form und Struktur sowie eine inhaltliche Textanalyse, in der Parallelen und Unterschiede hinsichtlich Themen wie Kriegsbegeisterung, Alltag, Entmenschlichung und Töten herausgearbeitet werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem „neue Sachlichkeit“, „Kameradschaft“, „Entmenschlichung“ sowie die Unterscheidung zwischen kriegsbejahender und kriegskritischer Literatur.
Ernst Jünger sieht die Technik und das „Konglomerat aus Natur und Technik“ positiv als Form des „neuen Menschen“ an, während Remarque und Köppen die Technik als Mittel zur Entmenschlichung und Zerstörung des Individuums darstellen.
Bei Flex dient Kameradschaft der Stilisierung eines Ideals für eine nationale Volksgemeinschaft, während sie bei Remarque als reine Notwendigkeit für das Überleben in einer als „Käfig“ wahrgenommenen Frontsituation beschrieben wird.
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