Bachelorarbeit, 2015
97 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Grundlegende Begriffsdefinitionen
2.1 unbegleitet
2.2 minderjährig
2.3 Flüchtling
2.4 Zusammenfassung
3. Die aktuelle Situation der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge in Deutschland
3.1 Spezifische Fluchtmotive Minderjähriger
3.1.1 Flucht vor Krieg und Bürgerkrieg
3.1.2 Flucht vor Verfolgung wegen politischer Betätigung
3.1.3 Flucht vor geschlechtsspezifischer Verfolgung
3.1.4 Flucht vor einem Mangel an Bildung und Ausbildungsmöglichkeiten
3.1.5 Sonstige Fluchtmotive
3.2 Fakten und Zahlen zu unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland
3.3 Zusammenfassung
4. Schutz für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
4.1 Das internationale Menschenrechtssystem
4.2 Die UN-Kinderrechtskonvention
4.2.1 Artikel 2: Diskriminierungsverbot
4.2.2 Artikel 3: Wohl des Kindes
4.2.3 Artikel 6: Recht auf Leben
4.2.4 Artikel 10: Familienzusammenführung, grenzüberschreitende Kontakte
4.2.5 Artikel 22: Flüchtlingskinder
4.2.6 Artikel 34: Schutz vor sexuellem Missbrauch
4.2.7 Artikel 38: Schutz bei bewaffneten Konflikten; Einziehung zu den Streitkräften
4.3 Die Genfer Flüchtlingskonvention
4.4 Das Haager Minderjährigenschutzabkommen
4.5 Zusammenfassung
5. Rechtliche Stellung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
5.1 Das Flughafenverfahren
5.2 Die Dublin III Verordnung
5.2.1 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Dublin-Verfahren
5.3 Das Asylverfahren
5.3.1 Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Asylverfahren
5.4 Zusammenfassung
6. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Kinder-und Jugendhilfe
6.1 Die Erstversorgung
6.2 Mögliche Hilfeformen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach dem SGB VIII
6.2.1 Das Hilfeplanverfahren
6.2.2 Ambulante Erziehungshilfen
6.2.3 Stationäre Erziehungshilfen
6.2.4 Sonstige Erziehungshilfen
6.3 Die Inobhutnahme
6.4 Die Vormundschaft
6.5 Das Clearingverfahren/Clearinghaus
6.5.1 Mögliche Rahmenbedingungen für Clearinghäuser
6.5.2 Kosten der Inobhutnahme und des Clearingverfahrens
6.5.3 Altersfestsetzung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
6.5.4 Familienzusammenführung
6.6 Exkurs: Der Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Niedersachsen
6.6.1 Besonderheiten
6.6.2 Zurückweisung
6.6.3 Erstversorgung nach § 42 SGB VIII
6.6.4 Fiktive Altersfestsetzung
6.6.5 Der Umgang mit Vormundschaften
6.6.6 Beratung im Asylverfahren
6.6.7 Nach der Inobhutnahme
6.7 Zusammenfassung
7. Sozialarbeiterische Herausforderung
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (umFs) in Deutschland und analysiert, wie diese in der Kinder- und Jugendhilfe versorgt, pädagogisch betreut und integriert werden können, wobei sie insbesondere die rechtlichen Rahmenbedingungen und die praktische Umsetzung betrachtet.
3.1.1 Flucht vor Krieg und Bürgerkrieg
Minderjährige sind in Ländern, in welchen Kriegs- und Bürgerkriegssituationen vorherrschen, besonders schutzlos und den Erwachsenen ausgeliefert. Kriegshandlungen werden vermehrt über Jahre auf die Zivilbevölkerung ausgerichtet, indem großflächige Vertreibungen durch Folter und Tötungen von ethnischen Gruppen stattfinden oder die Lebensgrundlage (z. B. die Landwirtschaft) völlig zerstört wird. Derartige Kriegsmethoden lösen häufig eine Massenflucht aus.
Kinder und Jugendliche sind von einer Vertreibung noch stärker betroffen als Erwachsene, da sie physisch und psychisch instabiler sind. Auf der Flucht leiden die jungen Menschen nicht nur an der Angst vor dem Ungewissen, sondern viele von ihnen hungern oder verhungern während der Flucht (vgl. Angenendt 2000, S.29–30).
In Kriegs- und Bürgerkriegsländern ist es üblich, dass Jungen und Mädchen zum Kriegsdienst gezwungen oder regulär eingezogen werden. Die Jungen werden zu Kindersoldaten ausgebildet und die Mädchen werden als Camp follower eingesetzt (vgl. Jordan 2000, S. 21–22). Bevor es soweit ist, dass die Kinder und Jugendlichen im Kriegsdienst eingesetzt werden, müssen sie viele Qualen über sich ergehen lassen. Zur Vorbereitung auf den Krieg werden die jungen Menschen in sogenannte „Vorbereitungslager“ geschickt. In diesen werden sie durch Drogencocktails, Folter und andere menschenrechtsverletzende Praktiken gefügig gemacht. Ihre Persönlichkeit und ihre Ideologie werden gebrochen, damit aus den Kindern und Jugendlichen möglichst skrupellose Soldaten werden. Die verschleppten Mädchen sind häufig zusätzlich Opfer von sexueller Gewalt (vgl. Angenendt 2000, S. 30).
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ein und thematisiert die berufliche Motivation sowie die zentrale Forschungsfrage zur Integration in der Kinder- und Jugendhilfe.
2. Grundlegende Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die drei zentralen Begriffe „unbegleitet“, „minderjährig“ und „Flüchtling“ rechtlich und inhaltlich differenziert definiert.
3. Die aktuelle Situation der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge in Deutschland: Das Kapitel beleuchtet statistische Daten zur Herkunft und Anzahl der Flüchtlinge sowie die spezifischen Fluchtmotive Minderjähriger, wie Krieg, politische Verfolgung und fehlende Bildungsmöglichkeiten.
4. Schutz für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: Hier werden das internationale Menschenrechtssystem und bedeutende Abkommen, wie die UN-Kinderrechtskonvention, im Kontext des Schutzes von Flüchtlingskindern vorgestellt.
5. Rechtliche Stellung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Aspekte, einschließlich des Flughafenverfahrens, der Dublin III-Verordnung und des Asylverfahrens, sowie deren Schnittstellen und Konflikte mit der Jugendhilfe.
6. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der Kinder-und Jugendhilfe: Es werden die praktischen Hilfen wie Erstversorgung, Inobhutnahme, Hilfeplanverfahren und verschiedene erzieherische Maßnahmen nach dem SGB VIII detailliert beschrieben.
7. Sozialarbeiterische Herausforderung: Das Kapitel setzt sich kritisch mit der Rolle und den Arbeitsaufträgen von Sozialarbeitern in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen auseinander.
8. Fazit: Das Fazit resümiert die theoretischen Erkenntnisse und reflektiert die Beantwortung der Forschungsfrage sowie die Notwendigkeit weiterer konzeptioneller Entwicklungen.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Kinder- und Jugendhilfe, Inobhutnahme, Clearingverfahren, Asylverfahren, Kindeswohl, SGB VIII, UN-Kinderrechtskonvention, Traumatisierung, Sozialarbeit, Altersfestsetzung, Vormundschaft, Integration, Fluchtmotive, Jugendhilfemaßnahmen.
Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen Lebenssituation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (umFs) in Deutschland und der Frage, wie diese Personengruppe im deutschen Kinder- und Jugendhilfesystem versorgt und unterstützt werden kann.
Die zentralen Themen umfassen rechtliche Grundlagen auf nationaler und internationaler Ebene, aktuelle Flüchtlingsstatistiken, verschiedene Formen der Inobhutnahme, Clearingverfahren sowie die sozialpädagogischen Herausforderungen in der täglichen Arbeit.
Das Ziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, ob und wie die Integration unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in der deutschen Kinder- und Jugendhilfe unter Berücksichtigung ihrer individuellen Bedürfnisse und Traumata möglich ist.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Literaturrecherche, die aktuelle Gesetzesgrundlagen, politische Stellungnahmen und fachwissenschaftliche Erkenntnisse analysiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Begriffen, eine Analyse der aktuellen Situation und Fluchtmotive, eine rechtliche Einordnung, sowie eine detaillierte Darstellung der Abläufe in der Jugendhilfe, inklusive eines Exkurses zur Praxis in Niedersachsen.
Die Arbeit ist insbesondere geprägt von Begriffen wie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, Inobhutnahme, Clearingverfahren, Kindeswohl, SGB VIII und sozialpädagogische Betreuung.
Es dient dazu, eine erste psychische und physische Erstversorgung sicherzustellen, die Identität und das Alter des Minderjährigen zu klären sowie eine passende Hilfeplanung für die weitere Lebensperspektive zu entwickeln.
Es existiert kein einheitliches bundesweites Verfahren; die angewandten Methoden, wie medizinische Untersuchungen, gelten oft als ungenau und medizinisch nicht repräsentativ, was dazu führen kann, dass Minderjährigen der Schutz der Jugendhilfe verwehrt bleibt.
Sie dient als völkerrechtlicher Maßstab, an dem sich die deutsche Praxis messen lassen muss, wobei die Arbeit kritisch aufzeigt, dass die Interessen des Kindeswohls oft mit ausländerrechtlichen Interessen kollidieren.
Da die elterliche Sorge bei der Einreise unbegleiteter Minderjähriger ruht, wird ein Vormund durch das Familiengericht bestellt, um die rechtliche Vertretung und die Wahrnehmung der Interessen des Minderjährigen zu gewährleisten.
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