Magisterarbeit, 2015
75 Seiten, Note: 2,0
1 Zeitzeichen – Der städtische Raum und die grüne Welt
1.1 Die grüne Welt im Zeitroman als literarisch-gesellschaftlicher Gegenentwurf
1.1.1 Der Ansatz des Ecocriticism in der komparatistischen Lesart
1.1.2 Der Begriff der Kulturökologie und seine zeitkritische Funktion im deutschen Roman: Modelle und Entwicklung
1.2 Das Motiv des leidenden Stadtbewohners als zeitgenössisches Phänomen?
2 Herausforderungen des globalisierten Stadtraumes in Terézia Moras Der einzige Mann auf dem Kontinent (2009)
2.1 Zeitzyklen im städtischen Raum
2.2 Ökonomisch-soziale Zeitkritik im satirischen Gewande
2.2.1 Die neue soziale Frage und heterogene Zugänge einer akademischen Mittelschicht zum Arbeitsmarkt
2.2.2 Stadt-Land-Erfahrungen: Naturidyllen und Konsumrausch
3 Realsozialistische Ökologiewelten in Monika Marons Flugasche (1981)
3.1 Zur Ersatzfunktion literarischer Prosa
3.2 Binäre Identitätskrisen und Determinanten von Machtbeziehungen
3.2.1 Personale Identitätsstiftung im Bereich des Privaten (Innenraum)
3.2.2 DDR-Umweltpolitik und Macht-Körper-Beziehungen (Außenraum)
3.3 Die moderne DDR-Großstadt in der literarischen Rezeption
3.3.1 Das Idyll der grünen Stadt
3.3.2 Zur dystopischen Funktion von Tagträumen bei Monika Maron
4 Prognosen und Visionen: Dystopische Entwürfe in Juli Zehs Corpus Delicti (2009)
4.1 Zur Aktualität eines zeitgenössischen Gesundheitsbegriffes
4.2 Naturkonzepte im städtischen Raum
4.2.1 Staatlich normierte Körperkultur als Religionsersatz
4.2.2 Zur Funktion der wild zone und Juli Zehs moderne Zeitkritik
4.3 Optimierte Lebensqualität durch eine regulierende Biopolitik
4.3.1 Triadisches Modell der Machtebenen
4.3.2 Regulierungs-und Disziplinierungsmechanismen der Methode
5 Schlussteil
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Mensch und Natur im urbanen Raum sowie die Repräsentation dieses Spannungsfeldes in zeitgenössischen Romanen. Dabei wird analysiert, inwiefern literarische Texte als Instrumente der Zeitkritik fungieren und ökologische sowie gesellschaftliche Krisen durch kulturökologische Modelle reflektieren.
Die moderne DDR-Großstadt in der literarischen Rezeption
Im Folgenden werden futuristische Großstadträume in der literarischen Rezeption durch DDR-Autoren vorgestellt. Schriftsteller wie Bertolt Brecht oder Christa Wolf arbeiten mit grünen Bildern im idealisierten Stil, um 1980 finden sich hingegen auch dystopische Prognosen über die Zukunft von Städten in der DDR.
3.3.1 Das Idyll der grünen Stadt
Kontrastiv zu Josefas dystopischen Tagträumen wird die Frühlingsluft aus Veilchenwasser neben der Sexualität als alternativer, herrschaftsfreier Konzept vorgestellt. Diese selteneren Sentenzen haben eine regenerative Wirkung auf das Befinden Josefas. Der romantisch-pantheistische Zugang durch Naturverbundenheit geht einher mit der Vorstellung des kommunalen Wohnens. Im Sinne des Gütertauschs durch Wohngemeinschaften wird dem Bewohner von Mietshäusern eine höhere soziale Lebensqualität in Aussicht gestellt.
Ein weiterführender Ansatz zu herrschaftsfreien, alternativen Lebensformen im Gemeinschaftskontext lässt sich in Gioconda Bellis Waslala (1996) ablesen. Im Roman wird eine dystopisch von Müll überladene Welt beschrieben, die Protagonisten Melisandra und Raphael begeben sich auf die Suche nach dem fernen Waslala, wo Melisandra ihre Mutter trifft, die als letzte Anhängerin einer autark lebenden Philosophengemeinschaft in einem grünen Tal lebt. Im Roman wird die utopische Welt einer egalitären Gemeinschaft beschrieben, die aus Philosophen, Schriftstellern technischen Erfindern und Handwerkern bestand. Die autark lebende ‚Dorfgemeinschaft‘ lebte im Werk in eigener Güterproduktion sowie Gütertausch, Bücher und Workshops dienen zum ökophilosophischen Gedankenaustausch.
1 Zeitzeichen – Der städtische Raum und die grüne Welt: Einleitende Darlegung des theoretischen Rahmens mittels Ecocriticism und Kulturökologie zur Untersuchung der Mensch-Natur-Beziehung.
2 Herausforderungen des globalisierten Stadtraumes in Terézia Moras Der einzige Mann auf dem Kontinent (2009): Analyse der neoliberalen Arbeitswelt und ihrer Auswirkungen auf das Individuum im städtischen Raum.
3 Realsozialistische Ökologiewelten in Monika Marons Flugasche (1981): Untersuchung der ökologischen und politischen Repression in der DDR-Großstadt sowie der Identitätskrise der Protagonistin.
4 Prognosen und Visionen: Dystopische Entwürfe in Juli Zehs Corpus Delicti (2009): Erörterung der totalitären Gesundheitsdiktatur und deren Mechanismen zur Disziplinierung des menschlichen Körpers.
5 Schlussteil: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse über die literarische Auseinandersetzung mit ökologischen und gesellschaftlichen Krisen.
Ecocriticism, Kulturökologie, Urbanität, Natur-Kultur-Verhältnis, Zeitroman, Biopolitik, DDR-Literatur, Prekarisierung, Dystopie, Identitätskrise, Umweltethik, Gesundheitsdiktatur, Arbeitswelt, Nachhaltigkeit, Naturerfahrung.
Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Mensch und Natur in der zeitgenössischen Literatur, insbesondere wie der städtische Raum als ökologischer und gesellschaftlicher Konfliktherd in Romanen dargestellt wird.
Die zentralen Felder sind die ökologische Literaturwissenschaft (Ecocriticism), die Auswirkungen neoliberaler Arbeitswelten, die Systemkritik in der DDR-Literatur sowie dystopische Zukunftsentwürfe in Bezug auf Biopolitik und Gesundheit.
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen städtischem Leben und Naturerfahrung zu fokussieren und zu untersuchen, wie Autoren gesellschaftliche Tendenzen durch ökologische und kulturökologische Konzepte reflektieren.
Es erfolgt eine komparatistische Werkanalyse sowie eine literaturwissenschaftliche Untersuchung auf Basis kulturökologischer Modelle, ergänzt durch soziologische und philosophische Ansätze.
Im Hauptteil werden drei zentrale Romane analysiert: Terézia Moras "Der einzige Mann auf dem Kontinent", Monika Marons "Flugasche" und Juli Zehs "Corpus Delicti".
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Ecocriticism, Kulturökologie, Biopolitik, Prekarisierung, Systemkritik und der Stadt-Land-Gegensatz.
Maron kritisiert die verödete Landschaft durch eine marode Wirtschaft und staatlich verordnete Verschleierung der ökologischen Realität sowie die Einschränkung der Pressefreiheit.
Zeh thematisiert den Körper als Objekt staatlicher Überwachung und Normierung, wobei die "Methode" Gesundheit und biologische Optimierung zur ideologischen Pflicht erhebt.
Die "wild zone" dient als Gegenentwurf zur künstlich-kontrollierten Stadt und stellt einen Raum dar, in dem natürliche, individuelle Freiheit abseits der staatlichen Methode möglich ist.
Er wird angewendet, weil der Roman nicht nur gesellschaftliche Zustände deutet, sondern ein umfassendes Bild der Gegenwart in einer globalisierten, neoliberalen Arbeitswelt entwirft.
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