Masterarbeit, 2012
65 Seiten, Note: 1,6
1. Einleitung
2. Zum Ritterleben und zum Begriff ‘Minne’ in der höfischen Gesellschaft
2.1 Artusepik
2.2 Minnedichtung
3. Zum Begriff ‘Minne’ in der Dichtung Hartmanns von Aue
3.1 Ansichten zur Dichterpersönlichkeit und Biographie Hartmanns von Aue
3.2 Zur Minnedichtung Hartmanns
4. Zum Minneaspekt im Erec
4.1 Zur Vorlage und zum Aufbau
4.2 Zur Darstellung der Frau und zum Minnebegriff im Erec
5. Zum Minneaspekt in Der arme Heinrich
5.1 Zur Vorlage und zum Aufbau
5.2 Zur Darstellung der Frau und zum Minnebegriff im armen Heinrich
6. Zu den Frauengestalten bei Hartmann von Aue: Ein Vergleich zwischen Enite und der Meierstochter
7. Schlussfolgerung
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwiefern der Minnebegriff im Werk von Hartmann von Aue als gattungsspezifisch zu betrachten ist oder als Resultat seiner persönlichen Entwicklung verstanden werden muss. Dabei analysiert die Arbeit anhand des Artusromans Erec und der Verserzählung Der arme Heinrich, welche Funktion der Minnedienst in unterschiedlichen Genres einnimmt und ob eine Tendenz zur Minne-Absage erkennbar ist.
4.2 Zur Darstellung der Frau und zum Minnebegriff im Erec
Zu Anfang seines Erec hebt Hartmann den Aspekt des Minnedienstes und der Ehre hervor: als Ritter im Dienste der Königin reitet er aus, um schändliches Handeln eines Zwerges im Dienste eines unbekannten Ritters der Hofdame der Königin und ihm gegenüber zu rächen: er ist dies seiner Königin verpflichtet. Hartmann macht in dieser Szene keinen Unterschied zwischen Mann und Frau: beide werden vom Zwerg beleidigt. Bemerkenswert ist, dass der Zwerg die Hofdame erst dann schlägt, wenn sie sein Schweigegebot verletzt:
44 – 45 daz getwerc enwoldẹ ir niht sagen / unde hiez si stille dagen,
48 – 51 diu maget enlie niht umbe daz / sie ẹnwolde rîten vürbaz, / den ritter vrâgen mære / selben wer er wære.
Das Reden und Schweigen der Frau ist im ganzen Roman ein Thema, das in allen Situationen zu Konflikten führt, die nicht ohne Folgen bleiben. Die Königin, der Erec nach höfischen Prinzipien huldigt, sorgt sich um ihn: sie sieht in dem Ausritt, um sich für die Schande zu rächen, Gefahren, und möchte Erec davon abhalten. Man kann fast von einer mütterlichen Sorge sprechen:
144 – 147 der küneginne was vil leit / daz er alsô junger reit / ûf sô grôze vreise: / si bat in lân die reise.
Trotz der Tatsache, dass von gegenseitiger Minne keine Rede ist, gibt es Freundschaftlichkeit, Respekt und Zuneigung. Man könnte daraus schließen, dass Erec sich als Ritter, möglich durch Minnedienst, bewährt hat. In der Vorbereitung auf die Begegnung Erecs mit Enite wird der Leser darauf Aufmerksam gemacht, dass die Herkunft Enites nicht nur an dem Haus, in dem sie wohnt, zu messen ist: ihrem Vater kann Erec ansehen, dass er von edler Herkunft ist:
287 – 289 er enphlac niht rîcheite. / sîn gebærde was vil hêrlich, / einem edeln manne glich.
313 – 315 dar an man mohte schouwen / daz er rîches muotes wielt, / daz er den gast sô arm enthielt.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, inwiefern der Minnebegriff im Werk Hartmanns gattungsspezifisch ist oder eine bewusste Absage des Dichters darstellt.
2. Zum Ritterleben und zum Begriff ‘Minne’ in der höfischen Gesellschaft: Dieses Kapitel skizziert den historischen und sozialen Kontext der höfischen Welt, inklusive der Rolle der Frau und der Grundlagen des Rittertums.
3. Zum Begriff ‘Minne’ in der Dichtung Hartmanns von Aue: Hier wird Hartmanns Dichterbiographie beleuchtet und die Entwicklung seiner Dichtkunst, insbesondere im Hinblick auf den Minnesang, analysiert.
4. Zum Minneaspekt im Erec: Das Kapitel untersucht die Vorlage und den Aufbau des Artusromans sowie die spezifische Funktion der Minne und der Frauendarstellung innerhalb dieser Gattung.
5. Zum Minneaspekt in Der arme Heinrich: Hier wird der Fokus auf die Legendendichtung gelegt und analysiert, wie sich Minnebegriff und Tugendverständnis im Vergleich zum Artusroman verändern.
6. Zu den Frauengestalten bei Hartmann von Aue: Ein Vergleich zwischen Enite und der Meierstochter: Dieses Kapitel stellt die beiden zentralen weiblichen Figuren gegenüber, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Rollenfunktion herauszuarbeiten.
7. Schlussfolgerung: Die Arbeit resümiert, dass keine eindeutige Minne-Absage vorliegt, sondern eine vielseitige, gattungsabhängige Auseinandersetzung mit dem Thema.
Hartmann von Aue, Minne, Minnedienst, Erec, Der arme Heinrich, Höfische Dichtung, Artusepik, Enite, Meierstochter, Literaturwissenschaft, Mittelalter, Dienstideologie, Tugend, Treue, Gattungsspezifik.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Funktion des Minnebegriffs im Werk von Hartmann von Aue, wobei der Fokus auf dem Vergleich zweier unterschiedlicher Gattungen liegt.
Zentral sind die Aspekte des Minnedienstes, die Rolle der Frau in der höfischen Gesellschaft, die ritterliche Ethik und die Frage nach einer möglichen Minne-Absage des Dichters.
Es wird untersucht, ob der Minnebegriff bei Hartmann als Folge seiner persönlichen Entwicklung oder als gattungsspezifisches Merkmal innerhalb seiner unterschiedlichen Werke zu betrachten ist.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der Texte aus dem Erec und dem armen Heinrich sowie die zugehörige Sekundärliteratur auf ihre inhaltlichen und strukturellen Minne-Bezüge hin untersucht werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Artusromans Erec, der Legendendichtung Der arme Heinrich sowie einen direkten Vergleich der weiblichen Hauptfiguren Enite und der Meierstochter.
Wichtige Begriffe sind Minne, Treue (triuwe), Dienst (dienst), Tugend, Höfische Gesellschaft und die spezifischen Gattungsmerkmale von Epos und Legende.
Während Enite eine adlige Figur innerhalb der Artuswelt ist, agiert die Meierstochter als Bauerntochter in einem christlich-ethischen Läuterungskontext, wobei sie eine aktivere rhetorische Steuerungsfunktion übernimmt.
Nein, die Arbeit stellt fest, dass keine allgemeine Absage vorliegt, sondern dass Hartmann Minne als Motiv jeweils unterschiedlich und gattungsgerecht einsetzt, wobei im Alterswerk religiöse Aspekte stärker in den Vordergrund rücken.
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