Masterarbeit, 2015
110 Seiten, Note: 1,8
1. EINLEITUNG
2. „RESPONSIBILITY TO PROTECT“
2.1 ENTWICKLUNG DER NORM
2.2 ANWENDUNG DER NORM
2.2.1 Libyen (2011)
2.2.2 Côte d'Ivoire (2011)
2.2.3 Süd-Sudan (2011)
2.2.4 Jemen (2011)
2.2.5 Zentralafrikanische Republik (2013)
2.3 FORSCHUNGS- UND DISKUSSIONSSTAND
3. DER KONFLIKT IN SYRIEN
3.1 GENESE DES KONFLIKTS
3.2 VORAUSSETZUNGEN FÜR R2P IN SYRIEN
3.3 DISKUSSIONSSTAND
3.4 INTERNATIONALE AUSWIRKUNGEN
4. WARUM BLEIBT EINE MILITÄRISCHE INTERVENTION DER INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT AUS?
4.1 HYPOTHESEN UND METHODE
4.1.1 neorealistische Hypothese
4.1.2 sozialkonstruktivistische Hypothese
4.1.3 Methodisches Vorgehen
4.2 NEOREALISTISCHER ANSATZ
4.2.1 ausgewählte Akteure
4.2.1.1 USA
4.2.1.2 Russland
4.2.1.3 Volksrepublik China
4.2.1.4 EU
4.2.2 Analyse
4.2.2.1 Zusammenfassung der Positionen
4.2.2.1.1 USA, Frankreich, Großbritannien
4.2.2.1.2 Russland, China
4.2.2.2 Interpretation / Schlussfolgerungen
4.3 SOZIALKONSTRUKTIVISTISCHER ANSATZ
4.3.1 R2P und völkerrechtliche Souveränität
4.3.2 Perspektive ausgewählter Akteure
4.3.2.1 2011
4.3.2.2 2012
4.3.2.3 2013
4.3.2.4 2014
4.3.3 Schlussfolgerungen
5. FAZIT
Die Arbeit untersucht das Dilemma zwischen humanitären Schutzansprüchen (Responsibility to Protect) und den machtpolitischen Interessen der Akteure im UN-Sicherheitsrat am Beispiel des Syrien-Konflikts. Sie geht der Forschungsfrage nach, warum trotz massiver Menschenrechtsverletzungen und der prinzipiellen Anerkennung der Schutzverantwortung keine internationale militärische Intervention erfolgt.
3.1 Genese des Konflikts
Seit 1963 regierte in Syrien die Baath-Partei, Oppositionsparteien wurden massiv unterdrückt. (vgl. Lange 2013: 42 f.)
In Zeiten des Kalten Krieges profitierte der syrische Staat von Wirtschaftshilfen der Sowjetunion sowie der Unterstützung anderer arabischer Staaten und Transfergebühren für irakisches Öl. Dies gewährleistete ein relativ gutes Wirtschaftswachstum und eine hohe Beschäftigungsquote. Zur Stagnation der Wirtschaft kam es dann jedoch, als die ausländische Unterstützung wegfiel. Aufgrund verschiedener Faktoren wurde diese Krise in den folgenden Jahren noch verschärft.
Im Jahr 2000 starb Präsident Hafiz al-Assad. Dessen Sohn folgte ihm als Präsident nach und versuchte zunächst, die Wirtschaft zu reformieren. Nachhaltige demokratische Reformen am Einparteien- und am Verwaltungssystem ließ er jedoch nicht zu. (vgl. Tabarani 2011) Die Wirtschaftslage veränderte sich nicht nachhaltig. Ganz im Gegenteil: Bis vor Ausbruch des Bürgerkrieges stieg beispielsweise die Zahl der arbeitslosen unter 30-Jährigen auf bis zu 50 %. (vgl. Williams 2011). Missernten, massiv steigende Wassernachfrage und Trockenperioden verschärften die Krisensituation. Der Regierung Assad gelang es nicht, die Not der Betroffenen ausreichend zu lindern, die Arbeitslosigkeit und prekäre Ernährungssituation stieg und hatte eine Landflucht von bis zu 1,5 Millionen Menschen zur Folge. (vgl. Châtel 2014) Massive Selbstbereicherung im Umfeld der Herrscherfamilie und Vetternwirtschaft trieb den Unmut über die soziale Ungerechtigkeit an.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der "Responsibility to Protect" und die Diskrepanz zwischen Normanspruch und der militärischen Untätigkeit im Syrien-Konflikt.
2. „RESPONSIBILITY TO PROTECT“: Darstellung der historischen Entwicklung, der drei Säulen des Konzepts und der völkerrechtlichen Debatten über Souveränität versus Intervention.
3. DER KONFLIKT IN SYRIEN: Analyse der Ursachen des Bürgerkriegs, der Akteurskonstellationen sowie der Anwendungsvoraussetzungen der R2P-Norm im syrischen Kontext.
4. WARUM BLEIBT EINE MILITÄRISCHE INTERVENTION DER INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT AUS?: Untersuchung der Blockade durch neorealistische und sozialkonstruktivistische Theorien anhand der Vetomächte des Sicherheitsrates.
5. FAZIT: Zusammenführende Analyse der Ergebnisse, die das Fehlen eines Konsenses auf gegensätzliche Interessen und unterschiedliche Souveränitätsverständnisse zurückführt.
Responsibility to Protect, R2P, Syrien-Konflikt, UN-Sicherheitsrat, Veto, Souveränität, Neorealismus, Sozialkonstruktivismus, Menschenrechtsverletzungen, Internationale Beziehungen, Machtinteressen, Intervention, Regime-Change, Stellvertreterkrieg, Geopolitik.
Die Arbeit analysiert, warum die internationale Gemeinschaft trotz der Norm „Responsibility to Protect“ (R2P) im Syrien-Konflikt militärisch nicht eingreift.
Die zentralen Themen umfassen die Völkerrechtsnorm R2P, die Dynamik des syrischen Bürgerkriegs sowie die machtpolitischen Interessen der ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates.
Das Ziel ist es, das Dilemma zwischen humanitärer Schutzverantwortung und realpolitischer Blockade im Sicherheitsrat aus politikwissenschaftlicher Sicht verständlich zu machen.
Es wird ein theoretischer Vergleich zwischen neorealistischen Annahmen (Machtinteressen) und sozialkonstruktivistischen Erklärungen (Wahrnehmung von Souveränität) zur Analyse der Entscheidungsprozesse angewandt.
Der Hauptteil befasst sich mit der Genese des Syrien-Konflikts, der Anwendung der R2P in anderen Krisen sowie der detaillierten Analyse der Positionen der Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien.
Die wichtigsten Begriffe sind R2P, Syrien-Konflikt, Souveränität, UN-Sicherheitsrat, Machtinteressen, Intervention, Neorealismus und Konstruktivismus.
Russland ist ein zentraler Akteur, der durch sein Veto im UN-Sicherheitsrat militärische Interventionen blockiert und den Konflikt aus einer expliziten machtpolitischen Perspektive zur Wahrung seiner regionalen Einflusszone bewertet.
Die Libyen-Intervention von 2011 dient für Russland und China als Negativbeispiel, da sie das UN-Mandat zum Schutz von Zivilisten als Vorwand für einen „Regime-Change“ sahen, was ihr Misstrauen gegenüber R2P-Resolutionen für Syrien massiv verstärkte.
Die Arbeit analysiert die USA als hegemoniale Macht, die zwar öffentlich moralische Ansprüche (R2P) vertritt, aber ihr militärisches Engagement aufgrund strategischer Unsicherheiten, interner politischer Hemmnisse und drohender Kosten in Syrien zurückhält.
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