Diplomarbeit, 2003
106 Seiten, Note: 1,7
1. Der Jabèstext
1.1. Zur Methodik dieser Arbeit und zur Struktur des Jabèstextes
1.1.1. Tendenzen der Jabès-Rezeption
1.1.2. Zur Methodik dieser Arbeit
1.1.3. Jabèstext
1.1.4. Jabès‘ Verwurzelung im Judentum
1.1.5. Strukturelle Vielfalt
1.1.6. Scheinnarration und diskursive Reflexionen
1.2. Hermeneutische und poetologische Überlegungen
1.2.1. Das Prinzip der quoibilité
1.2.2. Die Beziehung zwischen Autor, Buch und Leser
1.2.3. Zur Poetologie des Buches
1.2.4. Judaïsme après Dieu
1.2.5. Zu einigen Schlüsselwörtern
1.2.6. Schreiben nach der Schoa
2. Die Echos mystiques
2.1. Die jüdische Mystik: Abulafia, der Sohar, Luria
2.1.1. Der Begriff Kabbala
2.1.2. Abraham Abulafia
2.1.3. Der Sohar
2.1.4. Isaak Luria
2.2. Der talmudische Topos der weißen und schwarzen Schrift
3. Der Jabèstext selbst als Übersetzung
3.1. Parenté - La part entée
3.2. Der Punkt
3.3. Faire table rase - Le Livre brûlé
3.4. Der Weiße Schrift-Topos im Kontext des Übersetzens
3.5. Die Aufgabe des Autors
3.6. Die Schlüsselwörter rupture und brisure
3.7. Die Schlüsselwörter subversion und absence
3.8. Die wichtigsten Wortbefragungen
4. Zur Übersetzung des Jabèstextes in andere Sprachen
4.1. Die Aufgabe des Übersetzers
4.2. Das Wort Dieu und seine Variationen
4.3. Weiteres zur Subversion
4.4. L’étranger
4.5. Das Schlüsselwort silence
4.6. Beispiele aus deutschen und spanischen Übersetzungen
4.6.1. Übersetzungsbeispiele von Ingold, Beese, Arancibia und Yurkiévich
4.6.2. Eigene Teilübersetzung
Die Arbeit untersucht Edmond Jabès’ poetologische Konzepte und deren enge Anlehnung an jüdische Traditionen, um die fundamentale Frage zu beantworten, inwiefern sein gesamtes Werk als ein fortlaufender Übersetzungsprozess begriffen werden kann. Dabei wird analysiert, wie Jabès das Schreiben nach der Schoa, die Abwesenheit Gottes und die Unmöglichkeit einer definitiven Wahrheit in einer permanenten Infragestellung von Text und Identität manifestiert.
1.2.3. Zur Poetologie des Buches
Die gerade angestellten Überlegungen zum Prinzip des Fragens und zur Relation Autor-Buch-Leser münden nun in Reflexionen zur Poetologie des Buches bei Jabès: Oben um ein Jabès-Zitat (comme si une multitude de livres possibles attendaient de voir le jour) wurde von der Fülle der Möglichkeiten geschrieben, die Schrift lesbar zu machen und sie zu kommentieren. So enthält ein Buch viele andere Bücher, denn: „Le livre de Jabès est processus d’écriture“, das Buch befindet sich in einem unabschließbaren Werden. Zu einem etwas anderen Blickwinkel führt der Satz
„Derrière le livre, il y a l’arrière-livre; derrière l’arrière-livre, il y a l’espace immense et, enfoui dans cet immense espace, il y a le livre que nous allons écrire dans son énigmatique enchaînement.“
Das Buch ist also immer ein Vor-Buch, ein avant-Livre, vor dem unergründlichen Hinter-Grund jedes lesbaren Textes, oder ein, um mit Jabès zu sprechen, avant-avant-Livre, eine préface. Das Buch, das sich immer und ewig weiterspinnt, da es nie vollständig, vollkommen werden kann: „Das Thema des Livre des Questions ist der Entstehungsprozeß eben dieses Buches, welchen der Leser in dessen Unvollkommenheit verfolgen kann.“
Jabès kennzeichnet dieses immerwährende Werden des Buches, seine Offenheit nach beiden zeitlichen Enden hin – wie sie Ouaknin für Tora und Talmud mit dem Begriff der ouverture beschreibt und womit anfangs der Jabèstext definiert wurde – als jüdisch; er hebt dies mit einem Zitat von André Neher hervor: „De A à Z l’histoire biblique reste ouverte dans la conception juive. A n’est pas le début mais l’antérieur et Z n’est pas la fin mais l’ouverture.“ Mit dem Wissen um diese Offenheit der Geschichte hängt die berühmte Forderung der Rabbinen zusammen, in ihren Meinungen erschüttert werden zu wollen, aus Angst vor einem endgültigen, das Ende bedeutenden Wissen: „Frage niemals jemanden nach dem Weg, der ihn kennt, denn dann könntest du dich nicht mehr verlaufen“, zitiert Ouaknin Rabbi Nachman von Brazlaw, dem wir im dritten Hauptkapitel wieder begegnen werden, wenn es um das Livre brûlé geht.
1. Der Jabèstext: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Jabèstext“ als eine durch Unabgeschlossenheit und Fragmentierung geprägte Gesamtheit, die tief in der jüdischen Kommentartradition verwurzelt ist.
2. Die Echos mystiques: Hier werden die kabbalistischen Einflüsse (Abulafia, Sohar, Luria) untersucht, die das Verständnis des Schreibens als ein Schwärzen einer unsichtbaren „weißen“ Urschrift prägen.
3. Der Jabèstext selbst als Übersetzung: Das Kapitel analysiert, warum das Werk Jabès’ selbst bereits als fortwährender Übersetzungsprozess zu verstehen ist, wobei Sprache als ein fragiles Konstrukt zwischen Leere und Sinn gedeutet wird.
4. Zur Übersetzung des Jabèstextes in andere Sprachen: Abschließend wird erörtert, welche Herausforderungen und Implikationen mit der tatsächlichen Übertragung dieser hochgradig subversiven Texte in andere Sprachen wie Deutsch verbunden sind.
Jabèstext, Kabbala, Talmud, Postmoderne, Hermeneutik, Übersetzen, Subversion, Absence, Silence, Schoa, Fragmente, Poetologie, Schrift, Gott, Differenz
Die Arbeit analysiert das Werk von Edmond Jabès unter Berücksichtigung seiner literarischen Einzigartigkeit und seiner tiefen Verwurzelung in der jüdischen Tradition, insbesondere im Hinblick auf das Schreiben nach der Schoa.
Zu den Kernbereichen gehören die Struktur des sogenannten „Jabèstextes“, die hermeneutische Beziehung zwischen Autor, Buch und Leser sowie die Rolle der jüdischen Mystik und der talmudischen Schriftauslegung als poetologische Modelle.
Das Hauptziel ist es, Jabès' poetologische Gedankenfülle auf den Begriff „Übersetzen“ hin zu untersuchen und zu begründen, warum das jabesianische Buch selbst bereits als eine Form der Übersetzung betrachtet werden muss.
Die Autorin oder der Autor wählt ein spiralförmiges Vorgehen: Themen, Begriffe und Probleme werden schrittweise eingekreist, um sie miteinander in Verbindung zu bringen, anstatt sie einer systematischen, linearen Analyse zu unterwerfen, die dem Jabèstext nicht gerecht würde.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Blöcke: Zunächst werden die Struktur des Werkes und mystische Bezüge analysiert. Anschließend wird das Konzept des „Übersetzens“ auf die Übersetzungspraxis übertragen und kritisch reflektiert, wie dieser Prozess in andere Sprachen transformiert werden kann.
Die Begriffe „Subversion“, „Absence“ (Abwesenheit), „Silence“ (Schweigen) und die Metaphern der „weißen“ und „schwarzen“ Schrift sind essenziell, da sie die grundlegende Spannung im Werk Jabès’ zwischen Sichtbarkeit und Nicht-Darstellbarkeit definieren.
Der Begriff dient dazu, Jabès' Stellung zwischen Judentum und Postmoderne zu erklären: Obwohl er die religiösen Fundamente hinterfragt, entkommt er der Tradition nicht, sondern führt den Akt des Schreibens als eine spezifisch jüdische Aufgabe fort, insbesondere dort, wo Gott als abwesend erlebt wird.
Diese Begriffe verdeutlichen Jabès’ künstlich hergestellte, paradoxe Verwandtschaft zwischen der hebräischen und der französischen Sprache. Sie dienen als Ausgangspunkt, um zu zeigen, wie Jabès durch Wortspiele neue Bedeutungswege erschließt, die für den Übersetzer eine immense Herausforderung darstellen, da sie oft nicht direkt in andere Sprachen übertragbar sind.
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