Examensarbeit, 2011
91 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Interkulturelle Fremdbegegnungen
2.1. Zu den Begriffen Kultur und Interkulturalität
2.2. Der, die, das Fremde: Die Erfahrung der Fremdheit
2.3. Kategorisierungsprozesse und die Theorie der sozialen Identität
3. Italienbilder – Deutschlandbilder
4. Von italienischen Gastarbeitern zu Bekannten?
5. Stereotype in Literatur und Film
6. Deutsch-italienische Fremdbegegnung in Literatur und Film – Eine Analyse
6.1. Das Bild des Italieners in Der Makkaronifresser von Gudrun Pausewang
6.2. Solino von Fatih Akin: Emigration und Entfremdung
6.3. Das Kind unterm Salatblatt von Luigi Brogna: Heimat und Identität
6.4. Der, die, das Fremde und das Ich in Maria, ihm schmeckt’s nicht! von Jan Weiler
6.5. Klischees und Stereotype in der gleichnamigen Verfilmung von Jan Weilers Roman Maria, ihm schmeckt’s nicht!
6.6. Quattro Stagioni von Stefan Ulrich: Das Sehnsuchtsland Italien
7. Ein Vergleich der Darstellung von deutsch-italienischer Fremdbegegnung und Fremdwahrnehmung in den analysierten Erzähltexten und Filmen
8. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die interkulturelle Fremdbegegnung zwischen Deutschen und Italienern in zeitgenössischen Erzähltexten und Spielfilmen, mit dem Ziel zu klären, inwieweit diese Begegnungen als Fremderfahrung konstituiert sind und wie Wahrnehmungs- sowie Identitätskonzepte diesen Prozess prägen.
2.2. Der, die, das Fremde: Die Erfahrung der Fremdheit
Etwas oder jemanden als fremd zu bezeichnen oder auch zu charakterisieren, setzt eine Positionierung des Betrachters voraus, mittels derer eine Person, ein Land bzw. Ort oder auch eine Erfahrung kategorisiert wird. Dank der Substantivierung des Adjektivs „fremd“ ist auch die Rede von dem Fremden (Person/ Sache) oder der Fremde. Dabei ist die Kategorie der Fremde bzw. des Fremden nicht nur eine relative Größe in Abhängigkeit vom entsprechenden Standpunkt. Vielmehr verweist sie zugleich auf ein komplexes Phänomen, das im Ausdruck der Kategorie Fremde für ein Verhältnis besteht. Indem jemand oder etwas als fremd bestimmt wird, wird ein Verhältnis darüber ausgedrückt, wie eine Person sich selbst gegenüber einem anderen Menschen, einem Objekt oder einer Situation sieht. Demnach wird in der Betrachtung bzw. Wahrnehmung des Fremden eine Beziehung zwischen dem hergestellt, was als Eigenes angesehen und dem, was dem Eigenen als nichtzugehörig und damit als fremd bewertet wird. Und dadurch, dass etwas oder jemand als fremd bezeichnet wird, erfährt das jeweils Eigene erst eine Kontur, wird es erst sichtbar sowie umgekehrt eine Person, Sache oder ein Erlebnis erst die Bestimmung des Fremden erfährt, wenn es vom Eigenen als divergent wahrgenommen bzw. bewertet wird.
Daneben kann zwischen zwei Bedeutungsdimensionen von Fremdheit unterschieden werden. Die erste Dimension beinhaltet die soziale Fremdheit und betrachtet Fremdheit als die Betonung der Nichtzugehörigkeit eines Anderen, wodurch die Distanz zwischen sozialen Gruppen bzw. zwischen Angehörigen dieser akzentuiert wird. Mit Distanz ist zunächst auf ein räumliches Ausmaß verwiesen, d.h. Fremdheit bezieht sich auf einen anderen Ort bzw. befindet sich außerhalb des Raumes der Zugehörigkeitsgruppe.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Literatur und Medien für die Vermittlung von Länderbildern ein und steckt den Rahmen für die interkulturelle Analyse deutsch-italienischer Begegnungen ab.
2. Interkulturelle Fremdbegegnungen: Es werden theoretische Grundlagen zu Kultur, Fremdheit und sozialen Kategorisierungsprozessen erläutert, die das Fundament für das Verständnis von Fremdwahrnehmung bilden.
3. Italienbilder – Deutschlandbilder: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung der wechselseitigen Wahrnehmung zwischen Deutschen und Italienern von der Antike bis zur Moderne.
4. Von italienischen Gastarbeitern zu Bekannten?: Hier wird die Geschichte der italienischen Migration nach Deutschland seit den 1950er Jahren und deren Einfluss auf die soziale Begegnung beleuchtet.
5. Stereotype in Literatur und Film: Dieses Kapitel analysiert die Funktion und Wirkungsweise von Stereotypen und Klischees als Orientierungshilfen sowie als Hindernisse im interkulturellen Austausch.
6. Deutsch-italienische Fremdbegegnung in Literatur und Film – Eine Analyse: Eine detaillierte Untersuchung spezifischer Werke, die die Darstellung von Fremdheit, Emigration und kulturellen Unterschieden veranschaulichen.
7. Ein Vergleich der Darstellung von deutsch-italienischer Fremdbegegnung und Fremdwahrnehmung in den analysierten Erzähltexten und Filmen: Ein zusammenfassender Abgleich der analysierten Werke, der Entwicklungslinien und Gemeinsamkeiten bei der Konstruktion von Fremdbildern herausarbeitet.
8. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der Analyse zusammen und betont die Beständigkeit sowie Funktion von nationalen Stereotypen im kulturellen Gedächtnis.
Interkulturalität, Fremdwahrnehmung, Identität, Stereotype, Klischees, Migration, Gastarbeiter, Literaturwissenschaft, Imagologie, Sozialpsychologie, deutsch-italienische Beziehungen, Kultur, Fremdheit, Assimilation, soziale Identität
Die Arbeit untersucht, wie deutsch-italienische Begegnungen in Literatur und Film dargestellt werden und welche Rolle Wahrnehmungs- sowie Identitätskonzepte bei der Konstruktion des „Fremden“ spielen.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Kultur und Interkulturalität, die historische Entwicklung der wechselseitigen Nationenbilder, die Auswirkungen der Arbeitsmigration sowie die Funktion von Stereotypen.
Das Ziel ist es, zu analysieren, inwieweit Fremdbegegnungen in den ausgewählten Werken als solche bezeichnet werden können und wie die Wahrnehmung des Anderen durch Vorurteile oder soziale Kategorisierungsprozesse beeinflusst wird.
Die Arbeit basiert primär auf einer Literatur- und Filmanalyse unter Einbeziehung sozialpsychologischer und kulturwissenschaftlicher Theorien, wie beispielsweise der Theorie der sozialen Identität.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse ausgewählter Erzähltexte und Filme, von Gudrun Pausewangs Kurzgeschichte über Werke von Jan Weiler und Luigi Brogna bis hin zu Fatih Akins Film Solino.
Wesentliche Begriffe sind Interkulturalität, Stereotypisierung, soziale Identität, Fremderfahrung und die historische Genese von Deutschland- und Italienbildern.
Die Figuren nutzen häufig soziale Kategorien, um sich in der fremden Umgebung zu orientieren; diese Kategorisierung führt jedoch oft zu einer Abwertung der Fremdgruppe, was die individuelle Begegnung erschwert.
Stereotype fungieren als kognitive Entlastung und Ordnungssysteme; sie sind tief im kulturellen Wissen verwurzelt und dienen zur Stabilisierung des eigenen Selbstbildes gegenüber dem als fremd wahrgenommenen Anderen.
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