Diplomarbeit, 2004
85 Seiten, Note: 1,0
1 Historisches zum Begriff „Borderline“
2 Diagnostik
2.1 Diagnostische Kriterien nach dem DSM-4
2.2 Symptome als deskriptive Merkmale einer Diagnose
2.2.1 Episodischer Verlust der Impulskontrolle und die Vermeidung von Ambiguität
2.2.2 Frei flottierende Angst und ihre Koppelung an Objekte
2.2.3 Alleinsein und extreme Verlassenheitsängste
2.2.4 Chronisches Gefühl von Leere und Langeweile
2.2.5 Selbst- und fremdverletzendes Verhalten
2.2.6 Suizidalität
2.2.7 Dissoziation in Folge von Aktivierungen traumaassoziierter Schemata
2.2.8 Antisoziales Verhalten und Delinquenz
2.3 Strukturmerkmale und Psychodynamik, Schwerpunkte der Diagnose
2.3.1 Die Borderlinestruktur als Abwehr- und Erhaltungsstrategie
2.3.1.1 Die Spaltung
2.3.1.2 Identitätsdiffusion und Verleugnung
2.3.1.3 Kritik am Modell der Spaltung
2.3.1.4 Projektion und projektive Identifizierung; Idealisierung und Abwertung
2.3.1.5 Regression in der therapeutischen Beziehung
2.3.2 Realitätsprüfung und Realitätsverlust
2.4 Die Gegenübertragung und ihre Bedeutung für die Diagnose der BPS
2.5 Zusammenfassung und Rückschlüsse für die Beziehungsgestaltung
3 Genese der BPS
3.1 Skizzen verschiedener Erklärungsansätze für frühe Beziehungsstörungen hinsichtlich der Entwicklung einer BPS
3.2 Traumatisierende Faktoren in der frühkindlichen Entwicklung aus bindungstheoretischer Sicht
3.2.1 Kriterien von Bindungssicherheit
3.2.2 Bindungsmuster bei Borderline-Patienten
3.3 Mahlers Theorie der Störung von Individuation und Loslösung während der Wiederannäherungsphase
3.4 Kernbergs analytische Theorie der oralen Traumatisierung
3.5 Die Bedeutung von Missbrauch und Misshandlung
3.6 Neurobiologische Ursachen
3.7 Autonomie und die Frage nach der Existenzberechtigung
3.8 Zusammenfassung und eigene Einschätzung
4 Beziehungsgestaltung und Selbsterleben von Borderline-Patienten exemplarisch dargestellt an zwei Beispielen
4.1 Anfänge einer Beziehungsaufnahme
4.2 Entwicklungsschritte zu einer Neuerfahrung von Beziehung während einer stationären Therapie über den Zeitraum von drei Jahren
4.3 Fazit
5 Erweiterung der Perspektive um einen spirituellen Ansatz
5.1 Das Persönliche an der ganzheitlichen Erfahrung
5.2 Leid als Vermeidung direkter Erfahrung
5.3 Identifikation mit dem „Ego“ und dem „Selbst“
5.4 Ganzheitlicher Aspekt in der Beziehung
5.5 Liebe als Ausdruck des „Selbst“
5.6 Glaube und Selbsterkenntnis als Rückbesinnung auf das Sein an sich
5.7 Extreme Formen der Selbstaufgabe - extreme Versuche der Selbstbegegnung?
5.8 Zusammenfassung und Bezug zur BPS
6 Therapie der BPS
6.1 Kriterien zur Therapie der BPS aus tiefenpsychologischer Sicht
6.1.1 Beziehungsaufnahme, therapeutische Ausrichtung
6.1.2 Widerstände im Therapeuten und im Patienten
6.1.3 Zur Deutung
6.1.4 Zur Schwierigkeit und Notwendigkeit der Grenzsetzung in der Therapie
6.2 Dialektisch-Behaviorale Therapie
6.2.1 Acht motivierende Grundannahmen in der DBT
6.2.2 Weitere Aspekte für die Beziehungsgestaltung in der Einzeltherapie
6.2.3 Veränderung innerer Schemata durch ihre Akzeptanz
6.2.4 Behandlungsphasen in der DBT
6.2.4.1 Vorbereitungsphase
6.2.4.2 Bearbeitung der Probleme auf der Verhaltensebene
6.2.4.3 Bewältigung der Folgen traumatischer Erfahrungen
6.2.4.4 Integration des Gelernten und Neuorientierung
6.2.5 Besonderheit des Telefonkontaktes in der DBT
6.3 Stationäre Aspekte der Borderline-Therapie am Beispiel des „Klinikum Nord“ in Hamburg
6.4 Zusammenfassung und eigene Einschätzung
7 Lebensweltorientierung durch sozialpädagogische Interventionen
8 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Beziehungsgestaltung bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) und hinterfragt, warum diese Begegnung sowohl außerordentlich komplex als auch essenziell für den therapeutischen Erfolg ist. Es wird analysiert, wie pathologische Spaltungsprozesse und archaische Ängste professionelle Helfer fordern und welche Rolle dabei ein integrativer, teils spirituell fundierter Ansatz spielen kann.
2.2.1 Episodischer Verlust der Impulskontrolle und die Vermeidung von Ambiguität
Unter Verlust der Impulskontrolle sind die sehr charakteristischen chronischen, repetitiven Impulsdurchbrüche zu verstehen, die nahezu außerhalb der Kontrolle des Patienten liegen und daher kaum gesteuert werden können.
DULZ et al. beschreiben, wie ein junger charmanter Patient nach Verweigerung eines erbetenen Urlaubsscheines in einen dissoziativen Erregungszustand geriet, bei dem er einen Stuhl zertrümmerte, einen Feuerlöscher gegen die Wand warf und acht Pfleger in weiteren Gewaltausbrüchen und in Verbindung mit Morddrohungen eine halbe Stunde lang daran hinderte, ihn festzuhalten. Als er schließlich in der geschlossenen Station mit 3 Gurten fixiert war, schlug er mit aller Gewalt seinen Kopf gegen den Metallrahmen des Bettes, bis dieser entfernt werden konnte. Die meiste Zeit davon sei der Patient nicht zu erreichen gewesen und konnte sich später nur noch an die Verweigerung des Urlaubsscheines erinnern (vgl. ebd., S.26f).
Zum Verlust der Impulskontrolle werden neben Gewaltausbrüchen z.B. auch extreme Formen sexuellen Verhaltens, Alkoholismus, Drogenkonsum, Fresssucht, oder Kleptomanie gezählt. Diese Durchbrüche sind als Ausagieren einer diffusen inneren Spannung zu betrachten oder dienen der Befriedigung eines bestimmten Impulses. Während dieser Triebabfuhr erfährt der Patient große Entlastung bzw. Lustgewinn. Kernberg bezeichnet den Impuls selbst daher auch als ich-synton, also zu ihm gehörig (vgl. Leichsenring 2003, S.21).
Außerhalb dieser Episode werden diese Durchbrüche vom Patienten oft als ich-dyston, also als nicht zu ihm gehörig benannt, was auf zwei verschiedene Erlebenszustände hinweist, die beide für den Patienten nicht integrierbar sind (vgl. Rhode-Dachser 2000, S. 47).
1 Historisches zum Begriff „Borderline“: Das Kapitel zeichnet die 120-jährige Entstehungsgeschichte des Borderline-Begriffs nach und beschreibt den Wandel von einem Sammelbegriff für "schwierige Patienten" hin zu einer differenzierteren klinischen Einordnung.
2 Diagnostik: Dieser Abschnitt erläutert die verschiedenen Klassifikationssysteme (DSM-4, ICD-10) und untersucht die für die BPS typischen Symptome wie Impulsivität, Identitätsstörung und Dissoziation auf ihre psychodynamische Bedeutung.
3 Genese der BPS: Hier werden unterschiedliche theoretische Erklärungsansätze, von der Bindungstheorie über Mahlers Individuationstheorie bis hin zu traumatischen Einflüssen wie Missbrauch, zusammengeführt.
4 Beziehungsgestaltung und Selbsterleben von Borderline-Patienten exemplarisch dargestellt an zwei Beispielen: Anhand von zwei Fallbeispielen aus der stationären Praxis wird die Dynamik der therapeutischen Begegnung, der Umgang mit Regression und die Bedeutung der "haltenden Funktion" illustriert.
5 Erweiterung der Perspektive um einen spirituellen Ansatz: Das Kapitel untersucht, inwieweit spirituelle und ganzheitliche Sichtweisen, wie sie auch in modernen Therapieverfahren anklingen, beim Verständnis und bei der Überwindung der pathologischen Spaltung hilfreich sein können.
6 Therapie der BPS: Es werden die Kriterien tiefenpsychologischer Therapie sowie der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) ausführlich dargelegt und die stationäre Beziehungsgestaltung thematisiert.
7 Lebensweltorientierung durch sozialpädagogische Interventionen: Dieser Teil beleuchtet die Rolle der Sozialpädagogik bei der Begleitung von Borderline-Patienten und betont, wie auch hier eine haltende Grundhaltung den Heilungsprozess stützen kann.
8 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Bedeutung einer präsenten inneren Haltung des Therapeuten und die dauerhafte Relevanz ganzheitlicher Beziehungsansätze.
Borderline-Persönlichkeitsstörung, BPS, Psychodynamik, Beziehungsgestaltung, Impulskontrolle, Traumatisierung, Dialektisch-Behaviorale Therapie, DBT, Dissoziation, Bindungstheorie, haltende Funktion, Spaltung, Identitätsdiffusion, Suizidalität, Selbsterkenntnis.
Die Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen professionellen Helfern und Borderline-Patienten und beleuchtet, welche Faktoren diese Begegnung sowohl schwierig als auch für den therapeutischen Erfolg essenziell machen.
Zu den Schwerpunkten gehören die Psychodynamik der BPS, die Rolle früher Beziehungserfahrungen, die therapeutische Beziehungsgestaltung im stationären Kontext sowie ein Ausblick auf spirituelle Ansätze zur Integration gespaltener Anteile.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, was die Erwartungshaltung der Patienten prägt und wie Therapeuten durch eine professionelle Haltung (oft als "haltende Funktion" beschrieben) den therapeutischen Prozess trotz massiver Widerstände ermöglichen können.
Die Arbeit nutzt eine tiefenpsychologisch-integrative Perspektive, die aktuelle klinische Forschung (wie DBT) mit bindungstheoretischen und psychoanalytischen Konzepten verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Diagnostik und Psychodynamik, die Untersuchung verschiedener Genesemodelle sowie die konkrete Darstellung therapeutischer Ansätze am Beispiel der DBT und der stationären Praxis.
Wichtige Begriffe sind insbesondere die "haltende Funktion", die "projektive Identifizierung", "Spaltung", "Autonomieentwicklung" und der "ganzheitliche Ansatz" in der Beziehung.
Die Suizidalität wird nicht nur als Symptom, sondern als ein hochgradig belastender Beziehungsfaktor gesehen, der oft als verzweifelter Versuch der Objektbindung oder der Vermeidung einer bedrohlichen Begegnung mit dem "Sterben" im Inneren interpretiert werden muss.
Der Autor schätzt die DBT als effektiv ein, wobei er insbesondere hervorhebt, dass ihre Stärke nicht nur in den verhaltenstherapeutischen Fertigkeiten liegt, sondern in der zugrunde liegenden ganzheitlichen und validierenden Haltung, die menschliche Reife vor reines Veränderungsstreben stellt.
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