Bachelorarbeit, 2014
47 Seiten, Note: 1,1
1 Hinführung
2 Sartre über das Bewusstsein
2.1 Thetisches und Nicht-thetisches Bewusstsein
2.2 Bewusstsein als Negation
3 Freiheit, Angst und Unaufrichtigkeit
4 Ich und der Andere
4.1 Das Sein Für-Andere
4.2 Das Für-Andere als Entfremdung
5 Eine soziologische Perspektive auf die Selbsterkenntnis
5.1 Mead und der Sozialbehaviorismus
5.2 Selbstbewusstsein bei Mead
5.2.1 Play und Game
5.2.2 I und Me
5.3 Die Frage nach der Möglichkeit zur Selbsterkenntnis
5.4 Die Internalisierung des Blickes
6 Eine soziologische Perspektive auf die Objektseite
6.1 Der Goffmensch in der Interaktion
6.2 Wahre oder unwahre Darstellungen
6.3 Die existentialistische Objektseite
7 Fazit
Die Arbeit untersucht die Frage nach dem Bewusstsein und der Selbsterkenntnis des Individuums im existentiellen Kontext von Jean-Paul Sartre und vergleicht diese mit soziologischen Ansätzen von George Herbert Mead und Erving Goffman, um eine mögliche soziologische Perspektive auf Sartres Konzepte des „Für-Andere“ und der Objektivierung durch den Blick des Anderen zu entwickeln.
4.1 Das Sein Für-Andere
Werde ich nun als Objekt erblickt, bin ich nicht mehr das Ich, das in seiner Tat aufgegangen ist, sondern das Ich, das der Andere sieht. Für den Anderen bin ich dann nicht Bewusstsein, sondern ein Gegenstand, so wie es der Andere vorher für mich war. Ich bin plötzlich Teil der Welt des Anderen, in der ich seinem Urteil unterliege. Sartre nennt dies das Sein Für-Andere. Der Begriff Für-Andere zeigt, dass es sich bei dem Sein im Moment des Erblicktwerdens um ein ganz anderes Sein handelt als jenes, das ich davor war. Tatsächlich werde ich durch den Blick des Anderen modifiziert, indem ich zum Objekt gemacht werde.
Dabei brauche ich den Anderen und seinen Blick, um mich von ihm zu unterscheiden und mir sicher zu sein, dass es ihn gibt, denn nun ist es der Andere, der feststellt, dass er das ist, was ich nicht bin. Andererseits wirft dies auch einen Konflikt in mir auf, in dem ich mich mit der Angst konfrontiert sehe, am Ende doch das zu sein, was ich bin – also meinem Für-mich-Sein beraubt werde. Durch das Erscheinen des Anderen wird mir eine Objektseite gegeben, die mich erfahren lässt: So bin ich. Das ist meine Außenseite. – obwohl ich eigentlich ein Sein Für-sich bin, also im Wandel und nicht das, was es ist, nicht festgeschrieben, ohne Essenz. Das Urteil des Anderen verleiht mir aber eine solche Essenz, wodurch ich meiner selbst als Möglichkeit und somit meiner Freiheit beraubt werde.
1 Hinführung: Die Einleitung etabliert Sartres Konzept des „Blicks“ als Ausgangspunkt für die Frage nach der Rolle des Anderen bei der Konstitution der Selbstwahrnehmung und verknüpft dieses philosophische Problem mit mikrosoziologischen Theorien.
2 Sartre über das Bewusstsein: Dieses Kapitel differenziert zwischen thetischem und nicht-thetischem Bewusstsein sowie dem präreflexiven Cogito und arbeitet Sartres Abgrenzung zu Descartes heraus.
3 Freiheit, Angst und Unaufrichtigkeit: Die Untersuchung zeigt auf, wie das Bewusstsein als Negation zur menschlichen Freiheit und der damit einhergehenden existentiellen Angst führt, was den Menschen zur Flucht in die „Unaufrichtigkeit“ motiviert.
4 Ich und der Andere: Hier wird Sartres berühmtes „Schlüsselloch-Beispiel“ analysiert, um zu verdeutlichen, wie der Blick des Anderen mich zum Objekt macht und so das „Sein Für-Andere“ sowie Gefühle wie Scham generiert.
5 Eine soziologische Perspektive auf die Selbsterkenntnis: Dieses Kapitel stellt Meads Sozialbehaviorismus vor und diskutiert dessen Konzepte (I und Me, Play und Game) als soziologischen Kontrapunkt zu Sartres Begriff der Selbsterfahrung.
6 Eine soziologische Perspektive auf die Objektseite: Unter Einbeziehung von Goffmans Interaktionstheorie wird analysiert, wie Individuen ihre Selbstdarstellung auf einer sozialen Bühne steuern und wie dies eine Alternative oder Erweiterung zum Sartre’schen „Für-Andere“ bietet.
7 Fazit: Die Schlussbetrachtung würdigt die Ambivalenz des Anderen als sowohl notwendige Bedingung für Selbsterkenntnis als auch als Quelle für Entfremdung und erkennt das fruchtbare Spannungsfeld zwischen Soziologie und Existentialismus an.
Jean-Paul Sartre, George Herbert Mead, Erving Goffman, Bewusstsein, Existentialismus, Für-sich, Für-Andere, Sozialbehaviorismus, Selbstdarstellung, Identität, Blick, Unaufrichtigkeit, Interaktion, Objektivierung, Symbolischer Interaktionismus.
Die Arbeit untersucht die philosophischen Konzepte von Jean-Paul Sartre zur Bewusstseinsstruktur und der Rolle des Anderen im Vergleich zu soziologischen Identitätstheorien von Mead und Goffman.
Zentral sind die Themen Bewusstsein, Selbstwahrnehmung, die Interaktion mit Anderen, die Objektivierung des Individuums und die Frage, wie Selbsterkenntnis überhaupt möglich ist.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie soziologische Konzepte (insbesondere von Mead und Goffman) helfen können, die Probleme Sartres in Bezug auf die Objektivierung durch Andere und die Möglichkeit der Selbsterkenntnis differenzierter zu betrachten.
Es handelt sich um eine theoretische Gegenüberstellung und vergleichende Analyse philosophischer und soziologischer Primärliteratur, um Schnittmengen und methodische Unterschiede herauszuarbeiten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Sartre’schen Ontologie (Bewusstsein, Freiheit, Blick) und deren Kontrastierung mit dem Sozialbehaviorismus (Mead) sowie der dramaturgischen Interaktionstheorie (Goffman).
Die Begriffe „Für-sich“, „Für-Andere“, „I und Me“, „Selbstdarstellung“ und „Interaktionsordnung“ bilden das theoretische Gerüst der gesamten Arbeit.
Für Sartre ist die Erfahrung des Anderen primär eine unmittelbare, existenzielle Erfahrung der Objektivierung und Entfremdung; bei Mead hingegen ist sie ein reflexive Erkenntnisprozess, der auf geteilten Symbolen und der Internalisierung der Haltung des Anderen basiert.
Goffman zeigt auf, dass das Individuum durch bewusste Selbstdarstellung und Rollenmanagement einen gewissen Einfluss auf die Impressionen ausüben kann, die Andere von ihm gewinnen, wodurch der Andere nicht nur als entfremdende Macht, sondern auch als Kooperationspartner in der Interaktionsordnung erscheint.
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