Masterarbeit, 2014
86 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung: Einige Grundgedanken
1.1. Begriffsbestimmung: Was ein Ding ist
1.1.1. Das Ding im Recht
1.1.2. Das Ding in der Philosophie
1.2. Agency und Symbolik: Wie Dinge wirken
1.3. Menschen und Dinge unterwegs: Modi der Bewegung im ‚Parzival‘
2. Äquivalentendenken: Die Welt des Handels
3. Geben und Nehmen
3.1. Geben: Erbschaften, Kleidung, Geschenke und Sendungen
3.1.1. Erbschaften: Gahmuret und die Abwesenheit der Dinge
3.1.2. Kleidung: Interaktion mit dem Umfeld
3.1.3. Geschenke: Dinge der Macht und des Erkennens
3.1.4. Sendungen: Austauschbarkeit von Figur und Ding
3.2. Nehmen: Beute und Pfand
3.2.1. Beute: Zwischen Naivität und Gier
3.2.2. Pfand: Geschäftliche und emotionale Verpflichtungen
3.3. Reittiere: Fortbewegung zwischen Selbst- und Fremdbestimmtheit
3.4. Ein Sonderfall: Der Gral und die Gralsgesellschaft
4. Einordnung: Dingkategorien
4.1. Die psychologische Ebene
4.2. Die soziologische Ebene
4.3. Die kompositorisch-poetologische Ebene
5. Fazit: Dingsymbiosen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Gegenständen in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival‘, wobei der Fokus auf den Modi ihrer Bewegung und Zirkulation innerhalb der Erzählung liegt. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern Dinge als aktive Handlungsträger oder symbolische Marker fungieren und wie sie die intersubjektiven Strukturen zwischen den literarischen Figuren konstituieren oder beeinflussen.
1. Einleitung: Einige Grundgedanken
er saget im gar die underscheit, wier von sîner muoter reit, umbez vingerl unde umbz fürspan, und wie erz harnasch gewan.1
So lautet die Antwort im Parzival Wolframs von Eschenbach, als Gurnemanz Parzival mit den Worten hêrre, iu sol niht wesen leit, ob ich iuch vrâge mære, wannen iwer reise wære2 auf seine Erlebnisse anspricht. Gleich drei Dinge finden in Parzivals Bericht Erwähnung: vingerl, fürspan und harnasch. Ein viertes Ding – wobei noch zu klären ist, ob Pferde und Tiere im Allgemeinen zu den Dingen gezählt werden können – wird mit reit angedeutet.
Der Ausdruck des ersten zitierten Verses die unterscheit sagen kann unterschiedlich übersetzt werden. Das Mittelhochdeutsche Taschenwörterbuch Lexers, dessen Übersetzungsvorschläge allerdings nicht die letzte Gültigkeit für sich beanspruchen können3, schlägt ‚genau berichten‘4 vor. underscheit kann aber auch noch mit dem naheliegenden ‚Unterschied‘ übersetzt werden. Wenn vom Unterschied zwischen den einzelnen Stationen berichtet wird, dann kommt es dem Berichtenden besonders auf die einzelnen Punkte an. Es wird also nicht nur ‚genau berichtet‘, sondern, wie Dieter Kühn es übersetzt, ‚Punkt für Punkt‘. Die wichtigen Punkte von Parzivals Reise sind demnach die Dinge selbst. Parzival erzählt seine Geschichte also als eine Geschichte von Dingen.
1. Einleitung: Einige Grundgedanken: Einführung in die Thematik der Dinge in Bewegung und methodische Verortung des Dingbegriffs.
2. Äquivalentendenken: Die Welt des Handels: Analyse der Darstellung von Handelsprozessen und deren Bedeutung für die Charakterisierung der Figuren.
3. Geben und Nehmen: Untersuchung der hierarchischen und sozialen Implikationen von Austauschprozessen wie Erbschaften, Kleidung und Geschenken.
4. Einordnung: Dingkategorien: Systematisierung der Dingfunktionen in psychologische, soziologische und poetologische Kategorien.
5. Fazit: Dingsymbiosen: Zusammenfassende Betrachtung des symbiotischen Verhältnisses zwischen Figuren und Dingen im Parzival.
Parzival, Wolfram von Eschenbach, Ding-Theorie, Agency, Wandernde Dinge, Symbolik, Mittelalterliche Literatur, Handel im Mittelalter, Reittiere, Erbschaft, Schenken, Gral, Aktantenmodell, Soziologie der Dinge, Poetologie
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von Objekten im ‚Parzival‘, wobei diese nicht als bloßes Beiwerk, sondern als aktive oder symbolische Elemente verstanden werden, die Erzählstrukturen beeinflussen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Zirkulation von Gegenständen, der Verbindung von Figuren durch Dinge und der Rolle von Handels-, Geschenk- und Raubvorgängen.
Ziel ist es aufzudecken, wie Dinge die Erzählwelt Wolframs von Eschenbach strukturieren und welche Rollen sie als „Agenten“ oder Symbole übernehmen.
Es werden literaturwissenschaftliche Ansätze mit philosophischen (Heidegger, Kant, Lacan) und soziologischen (Latour, Böhme) Theorien zum Dingbegriff sowie strukturalistischen Erzähltheorien kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Handel, Geben/Nehmen (Erbschaft, Kleidung, Geschenke, Pfand), die besondere Rolle der Reittiere sowie eine Analyse des Grals als „Superding“.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Wandernde Dinge“, „Agency“, „Parzival“, „Ding-Mensch-Beziehungen“ und „Poetologie der Dinge“ charakterisieren.
Es fungiert als Herrschaftszeichen und Symbol der geschwächten Gralsgesellschaft; seine Übergabe an Parzival markiert einen gescheiterten Schritt der Machtübertragung.
Pferde agieren oft als „Gradmesser“ für die Kontrolle der Figuren über ihr Handeln und dienen als motivische Verknüpfungspunkte, die den Handlungsverlauf in entscheidenden Momenten mitsteuern.
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