Examensarbeit, 2008
77 Seiten, Note: 2,0
I Einleitung
II Bedeutung der Antike in der Renaissance
1. Die Wiedergeburt der Antike durch den Humanismus
1.1 In der Literatur
1.2 In Kunst und Architektur
1.3 Patriotische Bestrebungen versus Antikes Erbe
2. Römische Geschichte als Exemplum
2.1 Römische Wertvorstellungen als civil guidance
2.2 Militärische Taktiken als Lehrbuch britischer Herrscher
2.3 Römische Machthaber und das Wheel of Fortune
III Elisabethanische Historiographie
1. Wahrheitsempfinden der Elisabethanischen Historiographen
1.1 Die Chronisten der Tudors
1.2 Legitimation Englands als Erbe Roms
2. Shakespeares Quellen
2.1 Shakespeares Bildung
2.2 Shakespeares Zugang zu antiken Stoffen
2.3 Shakespeare und Plutarch
2.3.1 Parallelen und Änderungen bei Julius Caesar
2.3.2 Parallelen und Änderungen bei Antony and Cleopatra
IV Shakespeares politisch-historische Doppelperspektive
1. Vergangenheitsbezogene Dimension
1.1 Das Ende der römischen Republik – Suche nach der idealen Staatsform
1.1.1 Verfall römischer Tugenden
1.1.2 Das Scheitern der Demokratie
1.2 Der Anfang des Römischen Imperiums – Suche nach Stabilität
1.2.1 Flucht aus dem öffentlichen Leben
1.2.2 Ziele und Chancen des Individuums in der Monarchie
1.2.3 Vergleich Rom und Ägypten
1.3 Einfluss der römischen Wertvorstellungen
1.3.1 Römische „virtus“ versus „ambitio“
1.3.2 Römische Freundschaft
1.3.3 Römische Vorstellungen von Ehe und Liebe
1.3.3.1 Caesar und Calpurnia
1.3.3.2 Brutus und Portia
1.3.3.3 Antony und Octavia
1.3.3.4 Antony und Cleopatra
1.3.4 Römischer Suizid und Jenseitsvorstellungen
1.4 Repräsentanten unterschiedlicher römischer Lebensvorstellungen
1.4.1 Julius Caesar – der gottgleiche Imperator
1.4.2 Brutus – der Idealist?
1.4.3 Cassius – der Revolutionär
1.4.4 Antonius – der gescheiterte Feldherr und Liebhaber
1.4.5 Octavian – Caesars Erbe
1.5 Stellung der Frau in der antiken Welt
1.5.1 Portia
1.5.2 Calpurnia
1.5.3 Octavia
1.5.4 Cleopatra
2. Gegenwartsbezogene Dimension
2.1 Anachronismen
2.2 Parallelen römischer und elisabethanischer Lebenssituationen
2.2.1 Monarchie als ideale Staatsform
2.2.2 Ethische Kontroversen und Religionskonflikte
2.2.3 Einfluss der Bevölkerung
2.2.4 Machtkämpfe am Hof – Rebellion oder Anpassung?
2.2.5 Der Status der Frau
2.2.6 Antikes Ägypten und Elizabethan Theatre
2.3 Das Goldene Zeitalter Großbritanniens
2.3.1 Blüte der Literatur – Ein Scheinfrieden?
2.3.2 James I. als Personifikation des Augustus?
V Bedeutung der Werke für den Literaten Shakespeare
1. Stellung der beiden Stücke in seinem Lebenswerk
2. Lenkung der Rezeption des Publikums
3. Verwendung von Zeit
3.1 zeitliche Raffungen in den Dramen
3.2 Manipulation des Zeitbegriffs
3.3 Festhalten der Zeit - Kampf gegen die Vergessenheit?
VI Schlussfolgerung
VII Bibliographie
Die Arbeit untersucht, wie William Shakespeare in seinen Dramen Julius Caesar und Antony and Cleopatra das Bild der Antike gestaltet und inwiefern er historische Fakten mit elisabethanischen Lebensrealitäten und politischen Bedingungen seiner Zeit verknüpft.
1.3 Patriotische Bestrebungen versus antikes Erbe
Im Hinblick auf das erstarkende Selbstbewusstsein Englands nach dem Sieg über die spanische Armada im Jahr 1588 (vgl. Erlebach (u.a.), S.271) scheint es zunächst befremdlich, dass immer noch nicht die englische sondern die lateinische Sprache und die römische Geschichte so großes Interesse bei den Monarchen und der Bevölkerung fand. Jedoch ist trotz allen europäischen Spottes eine Tendenz zu erkennen, dass die englische Sprache mit der Zeit ihren Platz in der Literaturgeschichte fand. Im Laufe der Elisabethanischen Zeit wurden deshalb eine Vielzahl römischer Historien in englischer Sprache verfasst, was gleichwohl als revolutionär und provokativ angesehen wurde. Im Gegensatz zu den romanischen Sprachen konnte das Englische nicht stolz auf lateinische Sprachwurzeln zurückblicken. Erschwerend kam hinzu, dass Julius Caesar versucht hatte, die britische Insel zu erobern und demnach eher ein feindliches Rom verkörperte als eine Kultur, die noch 1500 Jahre später von englischer Seite zu preisen wäre. Diese Eroberung würde eher die Schwäche als die Stärke der Vorfahren betonen (vgl. Thomson, S.12).
Verständlich wird die ungetrübte Begeisterung der Engländer für die Kultur der ehemaligen Besatzer erst, wenn man die Eroberungen Caesars aus einem anderen Blickwinkel betrachtet: Man kann die römischen Feldzüge nach Britannien auch derart interpretieren, dass die Schwierigkeiten, die die englische Bevölkerung Caesar durch ihren Widerstand bereitete, als positiv für diese Vorfahren gewertet werden könnte. So lange Widerstand gegen das viel mächtigere römische Weltreich geleistet zu haben, könnte das englische Volk mit Stolz erfüllt haben (vgl. Rose, S.24). Dieser Strategie der Betonung des eigenen Selbstbewusstseins bedienten sich auch die elisabethanischen Übersetzer: Anstatt lateinische Werke ehrfürchtig rein literarisch Wort für Wort zu übersetzen, zwangen die Übersetzer den Werken ihren eigenen englischen Stil auf und veränderten nach ihrem Belieben und Verständnis die Meinungen der Autoren (vgl. Thomson, S.12).
I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Rezeption der Antike im elisabethanischen England ein und formuliert die zentrale Fragestellung, wie Shakespeare antike Stoffe für die eigene kulturelle und politische Identität nutzte.
II Bedeutung der Antike in der Renaissance: Das Kapitel erläutert den Einfluss des Humanismus auf die Wiederentdeckung der Antike und die Nutzung römischer Geschichte als moralisches und politisches Beispiel für die Zeitgenossen.
III Elisabethanische Historiographie: Hier wird das spezifische, oft subjektive Wahrheitsempfinden der elisabethanischen Geschichtsschreiber analysiert und Shakespeares Umgang mit Quellen, insbesondere Plutarch, beleuchtet.
IV Shakespeares politisch-historische Doppelperspektive: Dieser Hauptteil analysiert die Vermischung antiker Schicksale mit elisabethanischen Sorgen, inklusive der Rolle der Frau und der Darstellung von Monarchie versus Demokratie.
V Bedeutung der Werke für den Literaten Shakespeare: Dieses Kapitel betrachtet die Stellung der Roman Plays im Werk des Autors und untersucht, wie Shakespeare Zeit und Dramaturgie einsetzte, um beim Publikum eine bleibende Wirkung zu erzielen.
VI Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Shakespeare erfolgreich ein historisch fundiertes, aber durch gegenwärtige politische Interessen geprägtes Bild der Antike geschaffen hat.
VII Bibliographie: Ein umfassendes Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
William Shakespeare, Julius Caesar, Antony and Cleopatra, Römische Republik, Elisabethanische Zeit, Humanismus, Plutarch, Historiographie, Politische Macht, Monarchie, Geschlechterrollen, Anachronismus, Antike, Rezeption, Wertewandel.
Die Arbeit analysiert die Darstellung der römischen Antike in William Shakespeares Julius Caesar und Antony and Cleopatra und untersucht dabei, wie Shakespeare historische Stoffe nutzte, um zeitgenössische politische und gesellschaftliche Themen der elisabethanischen Ära zu spiegeln.
Zentrale Themen sind der humanistische Einfluss auf das Geschichtsbild, die Rolle der elisabethanischen Historiographie, der politische Wandel von der Republik zur Monarchie, die Darstellung von Herrschaft und Untertanen sowie die Behandlung von Geschlechterrollen und Ehemodellen.
Das Hauptziel ist es zu klären, inwieweit Shakespeares römische Figuren lediglich „Elizabethans in disguise“ sind oder ob er eine authentische, wenn auch durch politische Perspektiven gefärbte Darstellung der antiken Umbruchszeit geschaffen hat.
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Ansatz, indem sie Shakespeares Dramen sowohl mit seinen historischen Quellen (vor allem Plutarch) als auch mit den politischen und gesellschaftlichen Kontexten des elisabethanischen Englands in Bezug setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine vergangenheitsbezogene Dimension, die soziale und politische Krisen in Rom analysiert, und eine gegenwartsbezogene Dimension, die untersucht, wie zeitgenössische Anachronismen und Parallelen zur Regierungszeit von Elizabeth I. und James I. in die Dramen einfließen.
Wichtige Begriffe sind Humanismus, Politische Doppelperspektive, Elisabethanische Historiographie, Machtstrukturen, Werteverfall, Anachronismen und das Goldene Zeitalter.
Die Verfasserin zeigt auf, dass Shakespeare die durch Caesar vorgenommene Kalenderreform thematisiert, um die Machtanmaßung Caesars sowie die zeitliche Orientierungslosigkeit der elisabethanischen Zeit als Parallele darzustellen.
Die Arbeit argumentiert, dass Shakespeare zwischen dem Archetyp der unterwürfigen Ehefrau (wie Octavia) und emanzipierten oder manipulativen Frauenfiguren (wie Cleopatra) unterscheidet, wobei letztere oft negativ charakterisiert werden, weil sie aus dem traditionell männlich dominierten politischen Raum ausbrechen.
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