Examensarbeit, 2004
89 Seiten, Note: 2.0
1. Einleitung und Problemstellung
2. Grundkonzeption des „LICHT“-Zyklus
2.1. Mystische Grundlagen
2.1.1. Die Bedeutung der Wochentage
2.1.2. Die Grundcharaktere
2.2. Grundlagen aus Stockhausens Gesamtwerk
2.2.1. Formel-Komposition
2.2.2. INORI-Gesten
2.2.3. KLAVIERSTÜCKE
2.2.4. Elektronische Werke
2.2.4.1. Werke mit vorproduzierter Elektronik
2.2.4.2. Werke mit Verwendung von Live-Elektronik
2.2.5. Die chromatische Zeitoktave
2.3. Die Superformel
3. DONNERSTAG aus LICHT
3.1. UNSICHTBARE CHÖRE
3.2. DONNERSTAGS-GRUSS (MICHAELS-GRUSS)
3.3. MICHAELS JUGEND
3.4. MICHAELS REISE UM DIE ERDE
3.5. MICHAELS HEIMKEHR
3.6. DONNERSTAGS-ABSCHIED
3.7. KLAVIERSTÜCK XII (EXAMEN)
4. SAMSTAG aus LICHT
4.1. SAMSTAGS-GRUSS (LUZIFER-GRUSS)
4.2. LUZIFERS TRAUM als KLAVIERSTÜCK XIII
4.3. KATHINKAS GESANG ALS LUZIFERS REQUIEM
4.4. LUZIFERS TANZ
4.5. LUZIFERS ABSCHIED
5. MONTAG aus LICHT
5.1. MONTAGS-GRUSS
5.2. EVAS ERSTGEBURT
5.3. EVAS ZWEITGEBURT
5.4. EVAS ZAUBER
5.5. MONTAGS-ABSCHIED
5.6. KLAVIERSTÜCK XIV (GEBURTSTAGS-FORMEL)
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht Karlheinz Stockhausens Opernzyklus „LICHT“ im Kontext des Gesamtkunstwerk-Begriffs. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Stockhausen musikalische, szenische und mystische Elemente in einer autoreflexiven Bestandsaufnahme seines Gesamtwerks vereint und dabei neue Standards für die Interdisziplinarität und den Konstruktivismus im Musiktheater des 20. Jahrhunderts setzt.
2.2.1. Formelkomposition
Das kompositionstechnische Verfahren, das dem gesamten Zyklus zugrunde liegt, wird „Formelkomposition“ genannt. Hierbei handelt es sich um eine Art Fortsetzung serieller Strukturen, d. h. einer Durchorganisation aller Parameter. Die so genannte Superformel, die dem Werk zugrunde liegt, ist quasi eine Übereinanderschichtung von drei Formeln (daher auch der Überbegriff „Superformel“): der Michael-, Eva- und Lujzifer-Formel. Diese Superformel ist als solche zwar auch spielbar, allerdings nicht zur Aufführung vorgesehen. Auf die Superformel von LICHT wird später noch eingegangen; hier soll zunächst interessieren, wie die Formeltechnik entstand, was sie ausmacht und welche Schlüsselwerke Stockhausen vor LICHT bereits in Formeltechnik komponierte.
Als erste Formelkomposition wird gemeinhin das Stück MANTRA aus dem Jahr 1970 angesehen. Interessant war zu diesem Zeitpunkt, dass Stockhausen nach jahrelanger Komposition von entweder „neuen“ Notationsweisen (wie z. B. in den Kurzwellen-Stücken KURZWELLEN, SPIRAL oder SOLO) oder intuitiver Musik (AUS DEN SIEBEN TAGEN, FÜR KOMMENDE ZEITEN), die quasi ausschließlich aus rein verbaler Meditations- und Improvisationsanweisung bestand, nun ein (für seine Verhältnisse) geradezu konservativ zu nennendes Stück komponierte. Der Untertitel lautet „für zwei Pianisten“ - wohlgemerkt nicht: „für zwei Klaviere“.
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel verortet Stockhausens „LICHT“-Zyklus in der Tradition des Gesamtkunstwerks und definiert die zentrale Forschungsfrage sowie das analytische Vorgehen.
2. Grundkonzeption des „LICHT“-Zyklus: Hier werden die mystischen Grundlagen, die Formelkomposition als technisches Verfahren und die Einbettung in das bisherige Gesamtwerk des Komponisten erläutert.
3. DONNERSTAG aus LICHT: Analyse der ersten fertiggestellten Oper des Zyklus mit Fokus auf die drei Hauptgestalten Michaels und die produktionstechnischen Aspekte der Chöre und elektronischen Zuspielungen.
4. SAMSTAG aus LICHT: Untersuchung von Luzifers Tag, der durch eine Öffnung des Raumes und den Einsatz unterschiedlicher Instrumentierungen und performativer Elemente geprägt ist.
5. MONTAG aus LICHT: Betrachtung des Eva-Tages, der sich durch eine starke elektronische Klanggestaltung und eine fast „biographische“ Szenik der Geburtsvorgänge auszeichnet.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Neuerungen Stockhausens und der Bedeutung seines Konzepts für die Zukunft des Musiktheaters.
Karlheinz Stockhausen, LICHT-Zyklus, Gesamtkunstwerk, Formelkomposition, Superformel, Musiktheater, Live-Elektronik, Michael, Luzifer, Eva, interdisziplinäre Komposition, moderne Oper, Klangregie.
Die Arbeit untersucht Stockhausens Opernzyklus „LICHT“ als ein modernes Gesamtkunstwerk, das verschiedene künstlerische Disziplinen unter einem einheitlichen formeltechnischen Ansatz vereint.
Zu den Schwerpunkten zählen die mythologische Bedeutung der Wochentage, die formelbasierte Kompositionstechnik, der Einsatz von Live-Elektronik sowie die Einbindung theatralischer Gesten in den Konzertsaal.
Das Ziel ist es zu zeigen, dass Stockhausens „LICHT“-Zyklus eine autoreflexive Zusammenfassung der musikalischen Strömungen des 20. Jahrhunderts darstellt und eine neue Art des Musiktheaters begründet.
Die Arbeit kombiniert eine analytische Untersuchung serieller und formelbasierter Kompositionsstrukturen mit einer hermeneutischen Interpretation der mythologischen und szenischen Konzeption des Werks.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der drei Tage „DONNERSTAG“, „SAMSTAG“ und „MONTAG“ sowie deren zentrale Szenen und integrierte Klavierstücke (XII bis XIV).
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Superformel, das Gesamtkunstwerk, die Live-Elektronik und die spezifische mythologische Typisierung der Akteure Michael, Luzifer und Eva.
Sie fungiert als grundlegendes Material, das den formalen Ablauf, die Tempoverhältnisse und die thematische Entwicklung in allen Werken des Zyklus determiniert und somit eine einheitliche Struktur gewährleistet.
Sie ist integraler Bestandteil der Musik, die Klänge in Echtzeit transformiert oder durch elektronische Zuspielbänder die akustische Umgebung der Aufführung maßgeblich erweitert.
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