Magisterarbeit, 2004
105 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Forschungsstand zum Phantastischen und zur Phantastik
3. Definition der phantastischen Literatur
3.1 Begriffsabgrenzung
3.2 Das Problem der Referentialität und der Fiktionalisierungsprozess
3.3 Realismus versus Phantastik
3.4 Erkennungsmerkmale phantastischer Texte
3.5 Phantastik im 20. Jahrhundert
3.6 Phantastik im Argentinien des 20. Jahrhunderts und Bioy Casares´ Konzeption phantastischer Literatur
4. „De los reyes futuros“ – Entfesselte Evolution
4.1 Das Übertreten der Schwelle – Eine semantisch-syntaktische Analyse
4.2 Der Einfluss der rhetorischen Ebene auf das Phantastische
5. Das Phantastische in „Los milagros no se recuperan“ – Die Widerlegung von Materie, Raum und Zeit
5.1 Spiegel & Doppelgänger – Eine Untersuchung der semantisch-syntaktischen Ebene
5.2 Die Unterstützung des Phantastischen auf der rhetorischen Ebene
6. „El héroe de las mujeres“ – Die Überschneidung von Traum und Wachsein
6.1 Die Akkumulation des Phantastischen – Untersuchung des Syntax
6.2 Das semantische Netz des Phantastischen
6.3 Die Bedeutung der rhetorischen Ebene für das Phantastische
7. Eine phantastische Weihnachtsgeschichte – „Encuentro en Rauch“
7.1 Semantik und Syntax – Die Destabilisierung der Realität
7.2 Die rhetorische Unterstützung des phantastischen Konflikts
8. Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Funktionieren und die Entwicklung des Phantastischen in den Kurzerzählungen von Adolfo Bioy Casares. Anhand von vier repräsentativen Kurzgeschichten analysiert der Autor, wie das Phantastische durch die Interaktion von syntaktischen, semantischen und rhetorischen Ebenen erzeugt wird und inwiefern sich die Darstellung dieses Phantastischen über den untersuchten Zeitraum vom Beginn des Erfolgs bis zum Spätwerk gewandelt hat.
4. „De los reyes futuros“ – Entfesselte Evolution
„Ahora, después de lo que he sabido, veo en esa combinación de abundancia y decrepitud, en esa belleza infinitamente triste, un símbolo del transitorio reino de los hombres“ (Bioy Casares: 1990, 104).
Die Kurzgeschichte „De los reyes futuros“ thematisiert die Biologie, vor allem die Evolution und die Genetik sowie die Zeit. Der prophetisch klingende Titel nimmt bereits die Handlung von den „zukünftigen Königen“ der Welt vorweg. Die Menschen sehen sich an der Spitze der Evolution, doch die Zukunft scheint hier anderen Lebewesen zu gehören. Der Erzähler rückt schon zu Beginn der Kurzgeschichte den Blick auf die zentralen Geschöpfe der Handlung: die Seehunde. Sie sind befähigt, mit ihren hellseherischen und telepathischen Kräften die Außenwelt, vor allem den Erzähler, zu beeinflussen. Sie bedrohen als Mutanten nach Experimenten die bestehende evolutionäre Hierarchie und drängen an deren Spitze, um nunmehr selbst an den Menschen zu experimentieren. Die Überlagerung der Erzählversionen des Erzählers und der Seehunde bildet den Ausgangspunkt des Phantastischen der Kurzgeschichte.
1. Einleitung: Definiert das Ziel der Arbeit, die diachrone Analyse von vier Kurzgeschichten zur Entwicklung des Phantastischen im Werk von Bioy Casares, und stellt den theoretischen Rahmen vor.
2. Forschungsstand zum Phantastischen und zur Phantastik: Setzt sich kritisch mit den gängigen Definitionen von Castex, Vax, Caillois und insbesondere Todorov auseinander.
3. Definition der phantastischen Literatur: Erarbeitet auf Basis von Barrenechea und Suárez Coalla eine fundierte Definition des Phantastischen für die argentinische Literatur des 20. Jahrhunderts.
4. „De los reyes futuros“ – Entfesselte Evolution: Analysiert die erste Kurzgeschichte im Hinblick auf evolutionäre Themen und die syntaktische Manipulation durch Seehunde als Ausgangspunkt des Phantastischen.
5. Das Phantastische in „Los milagros no se recuperan“ – Die Widerlegung von Materie, Raum und Zeit: Untersucht die Rolle von Doppelgängern und philosophischen Idealismuskonzepten bei der Destabilisierung der Realitätswahrnehmung.
6. „El héroe de las mujeres“ – Die Überschneidung von Traum und Wachsein: Befasst sich mit der Überschneidung von Traum und Wirklichkeit sowie der Bedeutung des Kinos als Fiktionsraum.
7. Eine phantastische Weihnachtsgeschichte – „Encuentro en Rauch“: Analysiert das späte Werk hinsichtlich der Auflösung von Alltagswelt und der Destabilisierung durch die Wahrnehmung des Erzählers.
8. Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick: Vergleicht die Ergebnisse und fasst die Konstanten und Verschiebungen in der narrativen Struktur der untersuchten Erzählungen zusammen.
Adolfo Bioy Casares, Phantastik, Phantastische Literatur, Narrativik, Argentinien, Literaturwissenschaft, Realismus, Fiktionalisierung, Intertextualität, Zeitwahrnehmung, Identitätskonstruktion, Erzähltheorie, Unschlüssigkeit, Moderne, Evolution.
Die Arbeit untersucht das Phantastische in den Kurzgeschichten von Adolfo Bioy Casares. Es wird analysiert, wie der Autor durch spezifische narrative Techniken das Alltägliche in phantastische Konflikte überführt.
Zu den zentralen Themen gehören die Evolution und Genetik, die Relativität von Raum und Zeit, die idealistische Philosophie von Berkeley und Hume, sowie die Überschneidung von Traum und Wachsein.
Ziel ist es, die Entwicklung des Phantastischen im Werk Bioy Casares' über einen Zeitraum von 43 Jahren anhand von vier Kurzgeschichten diachron nachzuzeichnen.
Die Arbeit nutzt strukturalistische und hermeneutische Ansätze. Insbesondere werden syntaktische Analysen, die Untersuchung der semantisch-räumlichen Struktur (nach Lotman) und erzähltheoretische Modelle (nach Genette) verwendet.
Im Hauptteil werden vier Erzählungen – „De los reyes futuros“, „Los milagros no se recuperan“, „El héroe de las mujeres“ und „Encuentro en Rauch“ – detailliert auf syntaktischer, semantischer und rhetorischer Ebene analysiert.
Wichtige Begriffe sind Adolfo Bioy Casares, Phantastik, Extrareferentialität, Fiktionalisierung, narrative Struktur, und die "hermeneutische Gesellschaft".
Die späten Erzählungen, wie „Encuentro en Rauch“, weisen eine noch höhere Extrareferentialität auf, bei der die Alltagswelt selbst als phantastisch dargestellt wird, anstatt auf explizit "übernatürliche" Elemente angewiesen zu sein.
Die Ironie dient als Instrument zur Kontrolle des phantastischen Konflikts, indem sie den Leser durch gezielte Informationsvergabe und humorvolle Distanzierung führt und die Spannung sowie die Unschlüssigkeit über die Natur der Realität aufrechterhält.
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