Magisterarbeit, 2011
140 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Die gesellschaftliche Situation vor dem „15jährigen“ Krieg, gezeigt am Wandel des ryōsai-kenbo-Ideals
2.1 Rechtliche Grundlage
2.2 Schulbildung
2.3 ryōsai kenbo
2.4 Debatten um Mutterschutz, Geburtenkontrolle und Änderung des Meiji-Zivilgesetzbuches
2.5. Kampf um das Frauenwahlrecht
3. Widersprüche von Rollenbildern und Alltagsrealtität der japanischen Frauen zur Zeit des 15jährigen Krieges (1931-1945)
3.1 Zum Verhältnis von Individuum und Staat
3.1.1 Das Individuum, die Familie und der Staat – ein Familienstaat?
3.1.1.1 Eheschließung
3.1.1.2 Die Frau im ie-System
3.1.2 Von der Küche auf die Straße: die Öffentlichkeitsarbeit der Frauenorganisationen
3.1.2.1 Aikoku Fujinkai und Kokubō Fujinkai
3.1.2.2 Dainippon Fujinkai
3.1.2.3 Öffentlicher und privater Einfluss der Frauenorganisationen auf die Bevölkerung
3.1.3 Resümee
3.2 Produktion und Reproduktion
3.2.1 Die pronatalisitsche Bevölkerungspolitik
3.2.2 Sexualität
3.2.3 Arbeitskräftemangel und Frauenarbeit
3.2.4 Die Debatte um die Einberufung von freiwilligen Frauen-Arbeitstruppen
3.2.5 Umgang mit dem Dilemma aus ideologischer Sicht: Förderung der Mutterschaft durch Arbeit
3.2.6 Lebensmittelproduktion auf dem Land
3.2.7 Resümee
3.3 Das Dilemma der Ehefrauen und Mütter von Soldaten: Leben erhalten und Leben darbringen
3.3.1 Gunkoku no tsuma und gunkoku no haha
3.3.2 Eine militaristische Übersteigerung der „guten Ehefrau und weisen Mutter“?
3.4 Die „neue Schönheit“ der Frau: Die Betonung der Natürlichkeit als Anregung zur Konsumreduzierung
3.4.1 Kleidung und Schmuck
3.4.2 Monpe und Standardkleidung
3.4.3 Körperbau
3.4.4 Resümee
3.5 Passive Opferbereitschaft oder aktive Kampfbereitschaft?
3.5.1 Opferbereitschaft als weibliche Tugend
3.5.2 Die zunehmende Notwendigkeit weiblicher Kampfbereitschaft
3.5.2.1 Freiwillige Kampftruppen
3.5.2.2. Gyokusai: Das Zerspringen des Edelsteins
3.5.3 Resümee
4. Fazit
Die Arbeit untersucht die Einbindung der „gewöhnlichen“ japanischen Frau in das Kriegssystem während des Asiatisch-Pazifischen Krieges (1931-1945). Dabei steht die Diskrepanz zwischen staatlich propagierten Rollenidealen – insbesondere dem Ideal der „guten Ehefrau und weisen Mutter“ – und der harten Alltagsrealität im Fokus. Die zentrale Forschungsfrage ist, wie Frauen mit diesen Gegensätzen umgingen und ob es durch die Extremsituation des modernen Krieges Nischen oder Chancen gab, gesellschaftliche Rollengrenzen aufzubrechen oder neu zu interpretieren.
3.1 Zum Verhältnis von Individuum und Staat
Ultranationalismus, das hieß im kriegszeitlichen Japan der 1930er und 1940er Jahre, dass der Staat nicht nur öffentlich wirkte, sondern bis in die Privatebene hinein in das Leben des Volkes eingriff. Das Individuum sollte, so schreibt Wilson, seine persönlichen Interessen aufgeben oder die eigenen Interessen mit dem des Nationalstaates identifizieren. Diese totale Identifikation zwischen dem Individuum und dem Staat sollte so weit gehen, dass sogar Familienbande und private Gefühle, die noch zuvor als natürlich der Loyalität gegenüber dem Staat untergeordnet betrachtet wurden, nun als gefährlich galten und unterdrückt werden mussten.85
Diese Haltung warf Diskrepanzen zwischen Pflichtgefühl und Emotion bei den Frauen auf, die sich zwischen der Familie, deren Position traditionell stark war und dem Pflichtgefühl gegenüber dem Nationalstaat sahen. Einerseits wurden Ehe und Familie stark von der Regierung jener Zeit gefördert, andererseits hatte man Angst vor der starken Position des ie, das sich womöglich der Beeinflussung des Einzelnen durch den Staat in den Weg stellen konnte.
Einerseits förderte die Regierung im Zuge der Familienpolitik die Häuslichkeit der Frau, ganz im Zeichen von ryōsai kenbo. Andererseits begünstige der Nationalstaat durch die systematische Organisation der Frauen deren Arbeit in der Öffentlichkeit. Wie diese Wechselwirkung von (weiblichem) Individuum und Nationalstaat aussah und welche Diskrepanzen dabei entstanden, darauf wird im Folgenden eingegangen.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsobjekt als die "gewöhnliche" Japanerin und deren Rolle im militarisierten Nationalstaat Japan zwischen 1931 und 1945.
2. Die gesellschaftliche Situation vor dem „15jährigen“ Krieg, gezeigt am Wandel des ryōsai-kenbo-Ideals: Dieses Kapitel legt die historischen Grundlagen dar, indem es die Entwicklung des patriarchalen "ie-Systems" und des Leitbilds der "guten Ehefrau und weisen Mutter" seit der Meiji-Zeit analysiert.
3. Widersprüche von Rollenbildern und Alltagsrealtität der japanischen Frauen zur Zeit des 15jährigen Krieges (1931-1945): Der Hauptteil untersucht die totale Identifikation des Individuums mit dem Staat, die Rolle der Frauenorganisationen sowie die ambivalente Haltung der Regierung zur Frauenarbeit und Reproduktion unter den Anforderungen des totalen Krieges.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Propaganda und die reale Lebenswirklichkeit der Frauen in einer Weise auseinanderklafften, die den Frauen hohe Anpassungsleistungen abverlangte und ihre Rolle als "Heimatfront-Akteure" ideologisch neu, aber oft widersprüchlich definierte.
Japan, 15-jähriger Krieg, ryōsai kenbo, Frauenarbeit, ie-System, Nationalismus, Heimatfront, Mobilisierung, Mutterschaft, Geschlechterrollen, Propaganda, Japanische Geschichte, Feminismus, Kriegswirtschaft, Alltagsgeschichte.
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche und ideologische Rolle japanischer Frauen während des Asiatisch-Pazifischen Krieges (1931-1945) und untersucht, wie sie zwischen traditionellen Rollenerwartungen und den Zwängen der kriegsbedingten Mobilisierung agierten.
Zu den Kernbereichen gehören das Familien- und Staatsmodell (ie-System), die staatliche Pronatalitätspolitik, der Arbeitseinsatz von Frauen in der Industrie und auf dem Land sowie die diskursive Konstruktion von Frauenbildern in den Medien.
Die Autorin möchte aufzeigen, wie der japanische Staat versuchte, Frauen für den "Generalmobilisierungskrieg" zu instrumentalisieren, und inwiefern dabei Widersprüche zwischen dem traditionellen Rollenbild der Frau als Hüterin des Heims und der Notwendigkeit aktiver weiblicher Teilhabe an der Kriegswirtschaft entstanden.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung von zeitgenössischen Massenmedien (Zeitschriften, Zeitungen), staatlichen Richtlinien sowie einer umfangreichen Durchsicht der geschichtswissenschaftlichen Forschung zu diesem Themenkomplex basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verhältnisses von Individuum und Staat, Produktion und Reproduktion, das Dilemma der Soldaten-Ehefrauen, die Konstruktion einer "neuen Schönheit" sowie die Frage nach aktiver versus passiver Opferbereitschaft der Frauen.
Wichtige Begriffe sind: Japan, 15-jähriger Krieg, ryōsai kenbo, Mobilisierung, Heimatfront, ie-System, Arbeitskräftemangel und Geschlechterrollen.
Es handelt sich um ein Idealbild der "guten Ehefrau und weisen Mutter", das seit der Meiji-Zeit als kulturelles Leitbild in Japan propagiert wurde und die Rolle der Frau primär auf die Familie und die Erziehung kaisertreuer Bürger festlegte.
Sie entwickelten sich von zunächst eher privaten, elitären Hilfsvereinen hin zu massenhaften, vom Staat kontrollierten Instrumenten der Mobilisierung, die Frauen für den Kriegsdienst in der Heimat, Spareinlagen oder Produktionseinsätze nutzten.
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