Examensarbeit, 2015
105 Seiten, Note: 1,0
1. Theoretischer Teil
1.1 Begriffsdefinitionen
1.1.1 Bildungssoziologie und Bildung
1.1.2 Chancengleichheit im Bildungswesen
1.1.3 Erziehung
1.2 Soziale Ungleichheit
1.2.1 Theorien sozialer Ungleichheit
1.2.2 Prestige und Status
1.2.3 Milieutheorien
1.3 Pierre Bourdieu und sein klassentheoretisches Modell vom sozialen Raum
1.3.1 Die Kapitalsorten
1.3.2 Der soziale Raum
1.3.3 Die Habitustheorie
1.3.4 Soziale Vererbung von Ungleichheiten
2. Empirischer Teil
2.1 Ursachen von Bildungsungleichheiten
2.1.1 Soziale Herkunft
2.1.1.1 Primäre und sekundäre Herkunftseffekte nach Boudon
2.1.1.2 Die Familie
a. Formelle vs. informelle Bildung
b. Kulturelles Kapital und Habitusbildung
c. Sozioökonomische Verhältnisse
d. Frühkindliche Bildung
e. Erziehungsstile und Folgen
f. Bildungsniveau der Eltern
2.1.1.3 Migrationshintergrund
2.1.2 Gesamtgesellschaftliche und institutionelle Faktoren
2.1.2.1 Wachsende Bildungsungleichheit durch die Bildungsexpansion
2.1.2.2 Struktur des Bildungssystems
a. Der Übergang auf eine weiterführende Schule nach dem vierten Grundschuljahr
b. Durchlässigkeit und Differenzierungen
2.2 Ein Exkurs: Skandinavische Bildungssysteme
2.3 Das deutsche Schulsystem im Spiegel von Schulleistungsstudien: Empirische Bestätigung ungleicher Bildungschancen
2.3.1 Die PISA-Studie
2.3.2 IGLU
3. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch Bildungsprozesse im Kontext gesellschaftlicher Ungleichheit in Deutschland. Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft, Bildungsentscheidungen und Bildungserfolg darzustellen, um die Mechanismen hinter Bildungsbenachteiligungen zu erklären und notwendigen Handlungsbedarf abzuleiten.
1.1.1 Bildungssoziologie und Bildung
Die Bildungssoziologie beschäftigt sich mit theoretischen und empirischen Analysen von Bildungsprozessen unter bestimmten ökonomischen, politischen, kulturellen und sozialstrukturellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und untersucht die individuellen und gesellschaftlichen Folgen des sozialen Handelns (vgl. Becker 2009: 10).
Der Begriff Bildung weist eine lange geisteswissenschaftliche Tradition auf, wobei eine genaue Bestimmung innerhalb des Bildungsdiskurses mit einigen Fragen verbunden ist. Was ist Bildung überhaupt, wie lässt sich der Begriff charakterisieren und wo bzw. wie verlaufen sogenannte Bildungsprozesse?
Begriffsdefinition: Bei der Auseinandersetzung mit verschiedenen Konzepten zum Bildungsbegriff findet man den Ursprung meistens im 18. Jahrhundert, bezugnehmend auf das humanistische Bildungsideal Wilhelm von Humboldts.
Bildung bedeutet für Humboldt zunächst die „geistig-intellektuelle Entwicklung des Menschen“, sowie die „Ausbildung des Charakters“ (Bock 2008: 94). Dabei stellt die Sprache ein zentrales Kriterium dar, da die subjektive Individualität eines Menschen aus ihr hervor geht (vgl. ebd.) Der Mensch soll sein Ich durch Bildung veredeln und vollenden, wobei er sich dabei in einem ständigen Prozess der Erweiterung seiner Weltansicht befindet: Es wird „eine Veränderung von Subjektivität der Weltansicht zu einer objektiven Welterkenntnis angestrebt“ (Menze 1965: 257). Die grundlegende Idee des humboldtschen Bildungsbegriff ist, dass „der wahre Zweck des Menschen [...] die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen [ist]“ (Humboldt zitiert nach Benner 1995: 48), wobei dies nur im Sinne einer Auseinandersetzung mit der natürlichen kulturellen und sozialen Welt erfolgen kann.
1. Theoretischer Teil: Vermittelt grundlegende Begriffsdefinitionen, Theorien zur sozialen Ungleichheit und Bourdieus klassentheoretisches Modell als Basis für die Analyse.
2. Empirischer Teil: Untersucht die Ursachen von Bildungsungleichheiten, vergleicht internationale Bildungssysteme und analysiert deutsche Schulleistungsstudien.
3. Fazit: Reflektiert die aktuelle Situation des deutschen Bildungssystems und fasst den notwendigen Handlungsbedarf zusammen.
Bildung, Soziale Ungleichheit, Chancengleichheit, Pierre Bourdieu, Habitus, Bildungsherkunft, Schulleistungsstudien, PISA, IGLU, Sozialisation, Bildungsexpansion, Bildungsarmut, Schulsystem, Selektionsprozesse, Bildungschancen
Die Arbeit untersucht, warum soziale Herkunft in Deutschland einen maßgeblichen Einfluss auf Bildungschancen und -erfolge von Kindern und Jugendlichen hat.
Die Themen umfassen soziale Ungleichheit, Bildungstheorien, den Einfluss der Familie und des Bildungssystems sowie die empirische Bestätigung durch internationale Vergleichsstudien.
Ziel ist es, Bildungsprozesse im Kontext gesellschaftlicher Ungleichheit systematisch zu beschreiben und die Auswirkungen auf Individuen und Institutionen zu erklären.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch soziologische Modelle sowie der Analyse empirischer Daten aus Studien wie PISA und IGLU.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt (Definitionen, Bourdieu) und einen empirischen Abschnitt (Ursachen von Bildungsungleichheit, Schulvergleiche, Schulleistungsstudien).
Die zentralen Schlagworte sind Bildung, soziale Herkunft, Chancengleichheit, Habitus und Bildungsungleichheit.
Die Familie fungiert als erste Sozialisationsinstanz, die durch ökonomisches und kulturelles Kapital die Voraussetzungen für Bildung und Sprache sowie den schulnahen Habitus maßgeblich beeinflusst.
Skandinavische Systeme setzen stärker auf Inklusion, individuelle Förderung und längeres gemeinsames Lernen, anstatt auf eine frühe Selektion nach der vierten Klasse.
Sein Modell (Kapitaltheorie und Habitustheorie) dient zur Erklärung, wie soziale Ungleichheit durch die Transmission von kulturellem und sozialem Kapital zwischen Generationen reproduziert wird.
Die Studien belegen eine kontinuierliche Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft, auch wenn zwischen 2000 und 2012 leichte Verbesserungen bei benachteiligten Gruppen feststellbar waren.
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