Bachelorarbeit, 2015
46 Seiten, Note: 1,3
1. Einführung
2.1 Das Grundgerüst von Sens „Capability Approach“: Sens Utilitarismus-Kritik
2.2 Die Grundstruktur des „Capability Approach“ nach Amartya Sen
3. Martha C. Nussbaums universalistische Weiterentwicklung des „Capability Approach“: Ein Plädoyer für interkulturelle Normen
3.1 Martha C. Nussbaums „Capability Approach“: Aristoteles' Tugendlehre als Maßstab universalistischer Human Capabilities
3.2 Martha C. Nussbaums universalistische Weiterentwicklung des „Capability Approach“: Der konkrete Ansatz
4.1 Nussbaums „capability“-Theorie im Kontext geschlechtsspezifischer Ungleichheit
4.2 Nussbaums „Capability Approach“ und geschlechtsspezifische Ungleichheit: Braucht es geschlechtsspezifische capabilities?
5. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Weiterentwicklung des „Capability Approach“ durch Martha Nussbaum im Vergleich zu Amartya Sen, mit einem besonderen Fokus auf die Analyse geschlechtsspezifischer Ungleichheiten. Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwiefern Nussbaums aristotelisch geprägter Ansatz besser geeignet ist, individuelle Lebensverwirklichungen und die Würde des Menschen unabhängig von kulturellen Kontexten zu erfassen.
3. Martha C. Nussbaums universalistische Weiterentwicklung des „Capability Approach“: Ein Plädoyer für interkulturelle Normen
Wie zuvor erläutert, sieht Martha Nussbaum in der von Sen offen gelassenen Konkretisierung spezifischer capabilities eine entscheidende Schwäche. In ihrer eigenen Version des „capability“-Ansatzes, welchen sie auch als „aristotelian approach“ bezeichnet, konkretisiert Martha C. Nussbaum (1987; 1993; 1995; 1999a; 1999b; 1999c; 1999d; 2000a; 2000d; 2001; 2006) die von Sen abstrakt und unspezifisch gehaltenen capabilities. Nach eigenen Angaben geht sie dabei von einer philosophischen Perspektive aus, während Sens Position ökonomisch orientiert ist. Konkret bedeutet dies, dass Sen mit der Einführung der capabilities eine neue Informationsbasis zur Evaluierung von Gerechtigkeit etablieren möchte -
Nussbaum argumentiert für die Annahme und Umsetzung ihrer universellen Vorstellung der sogenannten „basic human capabilities“. Grundlage ihres Ansatzes bilden zehn capability-Sphären, die sie auf den von Aristoteles innerhalb der Nikomachischen Ethik formulierten Tugenden aufbaut. Diese zehn „basic human capabilities“, so Nussbaum, könnten als universeller Mindestmaßstab eines Lebens in Menschenwürde fungieren und seien intuitiv erfassbar (siehe Nussbaum 2007: 71). Ebenso wie Sen, baut Nussbaum ihren Ansatz nach von ihr erklärten Unzulänglichkeiten anderer Gerechtigkeitstheorien auf. Jedoch bezieht sie sich dabei vornehmlich auf kontraktualistische Konzepte, was wiederum auf die von Sen abweichende philosophische Perspektive hinweist:
„The second, constructive purpose of my project is to argue that there is an approach to issues of basic justice that can take us further than social contract doctrines can, […]“ (Nussbaum 2007: 69).
Nussbaum zufolge lassen sich universell gültige interkulturelle Werte und Normen auch empirisch finden (Nussbaum 2001: 34–110). Entgegen der Positionen relativistisch orientierter Argumentationen seien diese eben nicht ausschließlich lokal begrenzt und begründet, sondern lediglich lokale Ausprägungen universeller Werte. Zudem sieht sie (Nussbaum 2001: 48) den Relativismus als deskriptive Methode zur Erklärung, wie Menschen zu moralischen Urteilen kommen, als gänzlich unbrauchbar an.
1. Einführung: Die Einleitung führt in die zentrale Problematik der Gerechtigkeitstheorien ein, insbesondere in die Frage „Gleichheit von was?“, und stellt den Capability Approach als Antwort auf bestehende Defizite utilitaristischer Modelle vor.
2.1 Das Grundgerüst von Sens „Capability Approach“: Sens Utilitarismus-Kritik: Dieses Kapitel erläutert Sens Ablehnung utilitaristischer Wohlfahrtsmaximierung, da diese individuelle Freiheiten und die Diversität menschlicher Lebensentwürfe vernachlässigt.
2.2 Die Grundstruktur des „Capability Approach“ nach Amartya Sen: Es wird die Kernstruktur von Sens Ansatz skizziert, der auf Verwirklichungschancen (capabilities) als Informationsbasis basiert, jedoch bewusst unkonkret bleibt, um Anwendbarkeit zu gewährleisten.
3. Martha C. Nussbaums universalistische Weiterentwicklung des „Capability Approach“: Ein Plädoyer für interkulturelle Normen: Das Kapitel behandelt Nussbaums Kritik an der Unspezifität von Sen und ihre Hinwendung zu einem universalistischen, auf aristotelischen Tugenden basierenden Ansatz.
3.1 Martha C. Nussbaums „Capability Approach“: Aristoteles' Tugendlehre als Maßstab universalistischer Human Capabilities: Hier wird Nussbaums Rückgriff auf die aristotelische Ethik analysiert, um objektive Tugendsphären als Grundlage für ein Leben in Würde zu definieren.
3.2 Martha C. Nussbaums universalistische Weiterentwicklung des „Capability Approach“: Der konkrete Ansatz: Das Kapitel führt die zehn zentralen „central human capabilities“ ein, die einen universellen Mindeststandard für soziale Gerechtigkeit bilden sollen.
4.1 Nussbaums „capability“-Theorie im Kontext geschlechtsspezifischer Ungleichheit: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand des Beispiels Indien, wie strukturelle Benachteiligungen von Frauen durch den universellen Ansatz der capabilities sichtbar gemacht werden können.
4.2 Nussbaums „Capability Approach“ und geschlechtsspezifische Ungleichheit: Braucht es geschlechtsspezifische capabilities?: Es wird die Frage erörtert, ob frauenspezifische capabilities notwendig sind oder ob diese die Ungleichheit eher zementieren würden, anstatt Frauen als volle menschliche Wesen anzuerkennen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Unterschiede zwischen den Ansätzen zusammen und bewertet die Eignung der Theorie für die Emanzipation von Frauen sowie für die Analyse allgemeiner gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten.
Capability Approach, Amartya Sen, Martha C. Nussbaum, Gerechtigkeitstheorie, Aristotelische Tugendethik, Geschlechtsspezifische Ungleichheit, Human Capabilities, Verwirklichungschancen, Utilitarismuskritik, Menschenwürde, Universalismus, Soziale Gerechtigkeit, Lebensstandard, Freiheit, Empowerment.
Die Arbeit analysiert die Gerechtigkeitstheorien von Amartya Sen und Martha C. Nussbaum und untersucht, wie deren Konzepte der „capabilities“ zur Analyse und Bekämpfung gesellschaftlicher Ungleichheit, speziell im Kontext der Frauenemanzipation, eingesetzt werden können.
Die zentralen Themen umfassen Gerechtigkeit, individuelle Freiheit, Verwirklichungschancen (capabilities), Universalismus vs. Relativismus sowie die Anwendung philosophischer Ansätze auf soziale Ungleichheitsverhältnisse.
Das Ziel ist es, Sens eher abstraktes Meta-Framework und Nussbaums konkretisierten, aristotelisch inspirierten Ansatz gegenüberzustellen und zu prüfen, ob letzterer eine tragfähigere Grundlage zur Analyse der Benachteiligung von Frauen bietet.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse. Sie wertet die einschlägigen Primärwerke von Sen und Nussbaum sowie kritische Sekundärliteratur aus, um deren theoretische Konzepte und normative Implikationen systematisch zu vergleichen.
Der Hauptteil erarbeitet die theoretischen Grundlagen des Capability Approach bei Sen, zeigt die Kritikpunkte von Nussbaum auf, führt ihre Liste der „central human capabilities“ ein und wendet diese exemplarisch auf die Situation geschlechtsspezifischer Ungleichheit an.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Capability Approach, Gerechtigkeit, Menschenwürde, Universalismus, Verwirklichungschancen und Geschlechtergerechtigkeit charakterisiert.
Während Sen seinen Ansatz bewusst als ein unkonkretes „Meta-Framework“ zur Evaluierung belässt, strebt Nussbaum nach einer konkreten, universalistischen Liste von „basic human capabilities“, um soziale Gerechtigkeit philosophisch und normativ verbindlicher zu begründen.
Nussbaum warnt davor, Frauen in eine separate Kategorie einzuteilen, da dies ihrer Meinung nach die grundlegende Anerkennung als „human being“ schwächen und Geschlechterrollen eher festigen als aufbrechen könnte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

