Diplomarbeit, 2004
117 Seiten, Note: Gut (2)
1 EINLEITUNG
1.1 ALLGEMEINE EINFÜHRUNG
1.2 FORSCHUNGSSTAND, FRAGESTELLUNG UND METHODE
2 DIE BEDEUTUNG GLOBALER WANDERUNGSBEWEGUNGEN ZU BEGINN DES 21. JAHRHUNDERTS
2.1 WAS IST MIGRATION?
2.2 FLUCHT ALS BESONDERE FORM VON MIGRATION
2.2.1 Abgrenzungsfragen: Wer zählt als Flüchtling?
2.2.2 Flüchtlingsschutz weltweit
2.2.3 Zur Wahrnehmung von Flüchtlingen
2.2.4 Flüchtlingsforschung und Ethnologie
2.3 INTERNATIONALE MIGRATION: HISTORISCHE EINBETTUNG, ZAHLEN, REGIONALE UNTERSCHIEDE UND TRENDS
3 DIE AUSBLENDUNG SOWIE SICHTBARMACHUNG VON FRAUEN IN DER MIGRATIONSFORSCHUNG
3.1 WO SIND DIE MIGRANTINNEN?
3.2 GENDER ALS ANALYTISCHE KATEGORIE
4 WARUM FRAUEN WANDERN
4.1 ERKLÄRUNGSANSÄTZE ZU FREIWILLIGER MIGRATION
4.1.1 Geschlechtsneutrale Theorien
4.1.1.1 Neoklassische Ökonomie
4.1.1.2 Theorie des dualen Arbeitsmarktes
4.1.1.3 The New Economics of Migration
4.1.1.4 Weltsystemtheorie und Neomarxismus
4.1.1.5 Migrationsnetzwerke
4.1.1.6 Transnationale Räume und Identitäten
4.1.2 Frauenspezifische Theorien
4.1.2.1 Neoklassik
4.1.2.2 Behaviorismus
4.1.2.3 Strukturalismus
4.1.2.4 Haushaltsstrategien
4.2 URSACHEN VON FLUCHT
4.2.1 Geschlechtsneutrale Gründe
4.2.2 Frauenspezifische Gründe
5 VERÄNDERTE GESCHLECHTERROLLEN UND IDENTITÄTSKRISEN ALS FOLGE MIGRATORISCHER PROZESSE
5.1 (RE-)KONSTRUIERTE WEIBLICHKEIT UND MÄNNLICHKEIT
5.2 DIE WECHSELSEITIGE BEEINFLUSSUNG VON GESCHLECHTERBEZIEHUNGEN UND MIGRATIONSPROZESS
5.2.1 Noch im Herkunftsland
5.2.2 Der Grenzübertritt
5.2.3 Im Aufnahmeland
5.3 MIGRATIONS- UND FLUCHTBEWEGUNGEN UND IHR EINFLUSS AUF WEIBLICHE IDENTITÄTEN
6 SPEZIFISCHE ERFAHRUNGEN UND PROBLEME MIGRIERENDER FRAUEN
6.1 MIGRANTINNEN ALS OPFER VON DISKRIMINIERUNGEN
6.2 WIE SICH GENDER AUF FLUCHTSITUATIONEN AUSWIRKT
6.3 KONTROLLE ÜBER WEIBLICHE KÖRPER: SEXUELLE GEWALT GEGEN FLÜCHTLINGSFRAUEN
7 FRAUEN IM ASYL- UND FLÜCHTLINGSRECHT
7.1 GESCHLECHTSSPEZIFISCHE VERFOLGUNG: ZUNEHMENDE ANERKENNUNG ALS FLUCHTGRUND
7.2 WEIBLICHE FLÜCHTLINGE IM ASYLVERFAHREN
8 FRAUEN IN FLÜCHTLINGSLAGERN UND IN AUFNAHMELÄNDERN
8.1 EINIGE ASPEKTE DES LAGERLEBENS
8.1.1 Gesundheit
8.1.2 Bildung
8.1.3 Erwerbstätigkeit
8.2 ALLTAG IM EXIL
9 ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN
9.1 FAZIT: DIE „FEMINA MIGRANS“ ALS „GLOBAL PLAYER“
9.2 ZUKÜNFTIGE RICHTUNGEN EINER GENDERSENSIBLEN MIGRATIONSFORSCHUNG
9.3 LEHREN FÜR DIE POLITIK
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die spezifischen Lebensumstände und Herausforderungen von Frauen in Migrations- und Fluchtsituationen aus einer geschlechtssensiblen Perspektive zu beleuchten und dabei die essenzielle Rolle der Kategorie Gender in der Migrationsforschung aufzuzeigen.
2.2.3 Zur Wahrnehmung von Flüchtlingen
So sehr die Existenz von dem Flüchtlingsschutz verschriebenen Institutionen auch gutzuheißen ist – sie leisten meist unbewusst einen Beitrag dazu, dass Flüchtlinge in der Öffentlichkeit einseitig als Opfer und passive HilfsempfängerInnen wahrgenommen werden. Massenmedien mit ihrer enormen Breitenwirkung präsentieren uns tagtäglich sprach-, geschlechts- und namenlose „Ströme“ von Menschen (vgl. Binder/Tošić 2003:455), eben einen „miserable 'sea of humanity’“ (Malkki 1997:223). Ein verzerrtes Bild von Flüchtlingen als Bedrohung zeichnen auch die Nationalstaaten; selbst die Wissenschaft stilisiert Flüchtlinge häufig zum Problem hoch.
Binder/Tošić (2003:454) bringen die Sache auf den Punkt: „Flüchtlinge sind sozusagen immer ein ’Problem’: ein humanitäres, ein rechtliches oder ein psychologisches.“ Humanitäre Interventionen scheinen unvermeidlich zu sein, ebenso ihr systematisches Scheitern. Oftmals wird die Metapher der „Entwurzelung“ der Flüchtlinge herangezogen, welche von der Annahme einer tiefen Verbundenheit zwischen Kultur und Staatsgebiet ausgeht. Der Identitätsverlust würde eine gewisse Unkontrollierbarkeit implizieren, wodurch eine Bedrohung für die Aufnahmegesellschaft entstünde (vgl. Binder/Tošić 2003:454).
Malkki (1997:223f) zeigt anhand des Krisenherds Ruanda/Burundi auf, wie die Kategorie „Flüchtling“ in verschiedenen sozialen und institutionellen Bereichen konstruiert und gebraucht wird. Sie macht darauf aufmerksam, dass unter anderem erst die Konstruktion von Flüchtlingen als hilfsbedürftige Wesen zur Konstituierung der „internationale Gemeinschaft“ führt. Ihr Hauptaugenmerk richtet Malkki darauf, wie die MitarbeiterInnen der internationalen Hilfsorganisationen die Hutu-Flüchtlinge in Tansania in einen entpolitisierten Raum stellen und sie zu ahistorischen, universellen, humanitären Subjekten degradieren. So verliert jeder einzelne Flüchtling seinen Namen, seine Meinung, seine Verwandten, seine Geschichte – kurzum seine Identität und wird zum Mann, zur Frau oder zum Kind schlechthin. Ihren Beitrag dazu leisten auch die Massenmedien, die Flüchtlinge viel öfter visuell abbilden als zu Wort kommen lassen (vgl. Malkki 1997:235f); Flüchtlinge „sprechen“ also schweigend. Besonders beliebt ist die Abbildung von Frauen und Kindern: Weniger, weil sie das Gros der Vertriebenen darstellen, sondern vielmehr, weil sie landläufig als „Kern unserer Menschlichkeit“ begriffen werden und außerdem dem Bild des „hilflosen Flüchtlings“ am besten entsprechen.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der globalen Flucht- und Migrationsbewegungen sowie Darlegung der Zielsetzung und Methode der Arbeit.
2 DIE BEDEUTUNG GLOBALER WANDERUNGSBEWEGUNGEN ZU BEGINN DES 21. JAHRHUNDERTS: Überblick über globale Migrationsströme, die Definition von Flucht und die Rolle internationaler Schutzorganisationen wie UNHCR.
3 DIE AUSBLENDUNG SOWIE SICHTBARMACHUNG VON FRAUEN IN DER MIGRATIONSFORSCHUNG: Analyse des historischen Ausschlusses von Frauen aus der Migrationsforschung und der Notwendigkeit der Kategorie Gender als Analyseinstrument.
4 WARUM FRAUEN WANDERN: Diskussion verschiedener theoretischer Ansätze, von geschlechtsneutralen Theorien bis hin zu frauenspezifischen Erklärungsmodellen für Migration und Flucht.
5 VERÄNDERTE GESCHLECHTERROLLEN UND IDENTITÄTSKRISEN ALS FOLGE MIGRATORISCHER PROZESSE: Untersuchung der Transformation von Identitäten und Geschlechterrollen sowie deren wechselseitige Beeinflussung während der Migration.
6 SPEZIFISCHE ERFAHRUNGEN UND PROBLEME MIGRIERENDER FRAUEN: Beleuchtung geschlechtsspezifischer Diskriminierungen und des zentralen Problems sexueller Gewalt gegen Flüchtlingsfrauen.
7 FRAUEN IM ASYL- UND FLÜCHTLINGSRECHT: Juristische Auseinandersetzung mit der Anerkennung von geschlechtsspezifischer Verfolgung als Fluchtgrund in internationalen und nationalen Verfahren.
8 FRAUEN IN FLÜCHTLINGSLAGERN UND IN AUFNAHMELÄNDERN: Darstellung der Lebensbedingungen in Lagern, inklusive Aspekten wie Gesundheit, Bildung und Erwerbstätigkeit, sowie des Exil-Alltags.
9 ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN: Fazit zur Rolle der Frau als „global player“ und Ausblick auf notwendige politische Lehren und zukünftige Forschungsschwerpunkte.
Gender, Migration, Flucht, Flüchtlingsforschung, Frauenrechte, Asylrecht, Identität, Sexuelle Gewalt, Diskriminierung, Soziale Rolle, Arbeitsmarkt, UNHCR, Flüchtlingslager, Feministische Forschung, Empowerment.
Die Arbeit untersucht die komplexen Themenbereiche Migration und Flucht unter besonderer Berücksichtigung der geschlechtsspezifischen Dimension, um die Lebensrealitäten und Probleme von Frauen in diesen Prozessen sichtbar zu machen.
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Erklärungsmodelle für Migration, die Bedeutung von Gender als analytische Kategorie, die rechtliche Situation von Frauen im Asylrecht sowie die Herausforderungen des Alltags in Flüchtlingslagern.
Das Ziel ist die Aufdeckung und Analyse genderspezifischer Probleme bei Flucht und Migration, um ein tieferes Verständnis für die oft vernachlässigten Erfahrungen von Frauen zu schaffen.
Methodisch stützt sich die Arbeit auf den Ansatz der wissenschaftlichen Diskursanalyse, um institutionalisierte Denkmuster und ihre Auswirkungen auf das Verständnis von Migration zu entlarven.
Der Hauptteil widmet sich der historischen und theoretischen Einordnung der Migrationsforschung, analysiert Gründe für Frauenflucht, untersucht Identitätskrisen und beleuchtet die spezifische Problematik sexueller Gewalt sowie die Situation im Asylverfahren.
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Gender, Migration, Flucht, Menschenrechte, Asyl, Identitätskonstruktion und geschlechtsspezifische Verfolgung charakterisiert.
Das Geschlecht beeinflusst maßgeblich, ob, wie und wohin eine Frau flüchtet, da soziale Rollen, Verantwortung für Kinder und die Abhängigkeit von männlichen Verwandten die Mobilität und Ressourcenverteilung innerhalb der Familie prägen.
Frauen sind in Flüchtlingslagern oft spezifischen Gefahren ausgesetzt, etwa sexueller Gewalt oder Mangelernährung, und sie tragen häufig die Hauptverantwortung für die Pflege von Kindern bei gleichzeitig eingeschränktem Zugang zu Bildungs- und Gesundheitsressourcen.
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