Diplomarbeit, 2012
200 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Problemaufriss und Forschungsfragen
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Zur Epistemologie und dem zugrundeliegenden Raumverständnis
3. Der Regulationsansatz
3.1 Der Fordismus
3.2 Die Krise des Fordismus
3.3 Der Postfordismus
3.4 Das Potential des Regulationsansatzes für die Raumforschung und konzeptionell-methodologische Schwächen
4. Raumstrukturelle Konsequenzen postfordistischer Regulation
5. Ökonomisierung des Städtischen: Die Unternehmerische Stadt
5.1 Neue Herausforderungen von Stadtentwicklung unter postfordistischen Bedingungen
5.2 Strategien unternehmerischer Stadtentwicklung
5.3 Typische Merkmale unternehmerischer Stadtentwicklung
5.3.1 Institutionelle Restrukturierung und Governance
5.3.1.1 Binnenmodernisierung durch Einführung von New Public Management
5.3.1.2 Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen
5.3.2 Externe Ausrichtung auf Wettbewerb
5.3.2.1 Orientierung an einkommensstarken Bevölkerungsschichten und Schaffung symbolischen Kapitals
5.3.2.2 Kulturalisierung von Städten
5.3.2.3 Imageproduktion durch Stadtmarketing
5.3.3 Immobilienmarktgesteuerte Stadtentwicklung durch Großprojekte
5.3.3.1 Zur Rolle des Immobiliensektors in der Stadtentwicklung
5.3.3.2 Zunehmende Fokussierung auf Großprojekte
5.4 Die Folgen unternehmerischer Stadtentwicklung
5.5 Zusammenfassung: Ökonomisierung des Städtischen
6. Der Bedeutungsgewinn des Regionalen
6.1 Regionale Zusammenschlüsse und Metropolregionen
6.2 'Rescaling' als Element von Regulation
6.3 Regionalisierung als Antwort auf Globalisierung?
7. Diskurstheoretischer Exkurs: Zur Kritik an Standortvergleichen
7.1 Der Standortwettbewerb als Diskurs
7.2 Die Rolle von Städterankings im Standortdiskurs
8. Standortwettbewerb zwischen Sachzwang, politischer Intention und diskursiver Praxis
9. Zur Methodik der empirischen Untersuchung
9.1 Kennzeichen Qualitativer Sozialforschung
9.2 Das Experteninterview
9.2.1 Typologie des Experteninterviews
9.2.2 Dimensionen des Expertenbegriffs
9.2.3 Auswahl der befragten Experten
9.2.4 Durchführung der Interviews
9.2.5 Auswertung der Interviews
9.3 Der Umgang mit nonverbalen Daten
10. Der Raum Stuttgart
10.1 Wirtschaftliche Entwicklung, Strukturwandel und Krise
10.1.1 Industrielle Basis und Automobilcluster
10.1.2 Strukturwandel in den 1990er Jahren
10.1.3 Die neoliberale Antwort auf die jüngste Wirtschaftskrise
10.2 Bevölkerungsentwicklung in Stadt und Region
10.2.1 Suburbanisierung
10.2.2 Strategien und Programme gegen die Suburbanisierung
10.3 Sozialräumliche Segregation und Armut in Stuttgart
11. Die Ökonomisierung des Städtischen in Stuttgart
11.1 Institutionelle Restrukturierung und Governance
11.1.1 Haushaltskonsolidierung zu Lasten von Sozialpolitik
11.1.2 Privatisierung kommunaler Dienstleister
11.2 Externe Ausrichtung auf Wettbewerb
11.2.1 Investitionen in weiche Standortfaktoren
11.2.2 Kulturförderung
11.2.3 Imageproduktion durch Stadtmarketing und die Formulierung von Leitbildern
11.3 Großprojekte – Unter besonderer Berücksichtigung von S 21
11.4 Starke und schwache Strategien unternehmerischer Politik
11.5 Zwischenfazit: Die Ökonomisierung des Städtischen in Stuttgart
12. Regionalisierungstendenzen in der Region Stuttgart
12.1 Die Intraregionale Konkurrenz
12.2 Der Verband Region Stuttgart
12.3 Regionalisierung als Standortpolitik
13. Die Region Stuttgart im internationalen Standortwettbewerb
13.1 Exportausrichtung
13.2 Zur Popularität von Standortvergleichen
13.3 Wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen und diskursive Verankerung des Bildes vom Standortwettbewerb
14. Deutungsmuster städtischer und regionaler Akteure in Stuttgart
14.1 Zur Deutung der Ökonomisierung des Städtischen
14.1.1 Der Rückzug aus dem Sozialen im Unternehmen Stuttgart
14.1.2 In Zielgruppen denken: Investitionen in weiche Standortfaktoren
14.1.3 'Image becomes everything'
14.1.4 Allheilmittel Großprojekt
14.1.5 Zur Bedeutung des Synergieprojekts S 21
14.1.5.1 Erreichbarkeit und Zentralität als Standortfaktoren
14.1.5.2 Wohnen und Wirtschaft als Standortfaktoren
14.1.5.3 Image und Prestige als Standortfaktoren
14.1.5.4 S 21 als Patentrezept im Wettbewerb
14.2 Zur Deutung des Bedeutungsanstieg des Regionalen
14.2.1 Intraregionale Konkurrenz
14.2.2 Kooperation auf regionaler Ebene – Differenzen in der Stadtverwaltung
14.2.3 Regionalbewusstsein: Die regionale Ebene ist die 'Gewinnerebene'
14.3 Zur Deutung des (internationalen) Standortwettbewerbes
14.3.1 'Wettbewerb ist immer gut'
14.3.2 Exportabhängigkeit und Krise im Kontext des Wettbewerbs
14.3.3 Die Starken stärken
14.3.4 Die Einschätzung der Konkurrenzsituation zu anderen (Stadt)Regionen
14.3.5 Infrastruktur als Nachteil
14.3.6 Zur Bedeutung von Standortrankings im Handeln städtischer und regionaler Akteure
14.3.7 Wettbewerb als Handlungsmaxime
15. Schlussbetrachtung
15.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
15.2 Ausblick
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der neoliberalen Transformation auf städtische und regionale Entwicklungsprozesse am Beispiel der Region Stuttgart, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen globalem Standortwettbewerb und lokaler diskursiver Praxis liegt.
3. Der Regulationsansatz
„Standortwettbewerb [...] nicht als subjektloser Prozess verstanden werden, sondern als Reaktion auf die Akkumulationskrise des Fordismus“ (LEBUHN 2008, S. 228).
Um den sich innerhalb der hochindustrialisierten Ländern zutragenden interurbanen Standortwettbewerb theoretisch fundiert zu erklären, bedarf es einer Theorie, die wirtschaftliche Funktionsmechanismen analysiert, ohne die Sphäre der Ökonomie isoliert zu betrachten. Dies würde der wachsenden Ausdifferenzierung kapitalistischer Gesellschaften, mit ihren konfliktiv handelnden Akteuren, asymmetrischen Machtverhältnissen und vielschichtigen institutionellen Konfigurationen nicht gerecht werden. Mit der 'école de la régulation', deren Hauptvertreter die Wirtschaftswissenschaftler AGLIETTA (1979), LIPIETZ (1985) und BOYER (1990) waren, wurde Mitte der 1970er Jahre in Frankreich der Versuch unternommen ökonomische, politisch-institutionelle, kulturelle, soziale und historische Aspekte miteinander zu kombinieren und insbesondere die Komplexität wirtschaftlich-administrativer Wechselwirkungen zu erforschen. Sie stellt kein homogenes und kohärentes Theoriegebäude dar, sondern bezeichnet einen durch divergierende Entwicklungspfade geprägten, interdisziplinär rezipierten Forschungsrahmen, mit dessen Hilfe tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche in kapitalistischen Gesellschaften in ihrer zeitlichen und räumlichen Differenzierung untersucht werden. Nicht zuletzt als akademische Reaktion auf die damalige Weltwirtschaftskrise und den sich abzeichnenden Abschied der keynesianisch-fordistischen Gesellschaftsformation entwickelt, standen Fragen nach dem Bestand und der Krisenanfälligkeit sich wandelnder kapitalistischer Gesellschaften auf der Forschungsagenda.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Standortwettbewerbs ein, formuliert die Forschungsfragen und erläutert den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2. Zur Epistemologie und dem zugrundeliegenden Raumverständnis: Hier werden die wissenschaftstheoretischen Grundlagen gelegt, wobei eine konstruktivistische Perspektive auf den Raum als soziales Fabrikat eingenommen wird.
3. Der Regulationsansatz: Das Kapitel erläutert die theoretische Basis des Regulationsansatzes, diskutiert den Übergang vom Fordismus zum Postfordismus und reflektiert die Stärken und Schwächen für die Raumforschung.
4. Raumstrukturelle Konsequenzen postfordistischer Regulation: Hier werden die generellen räumlichen Veränderungen analysiert, die mit der Krise des Fordismus und der Ausbildung neuer Regulationsmodi einhergehen.
5. Ökonomisierung des Städtischen: Die Unternehmerische Stadt: Dieses Kapitel thematisiert den Wandel zur unternehmerischen Stadt, geprägt durch Privatisierung, Wettbewerbsorientierung und eine verstärkte Steuerung durch Großprojekte.
6. Der Bedeutungsgewinn des Regionalen: Es wird analysiert, warum die regionale Ebene im globalen Wettbewerb an Bedeutung gewinnt und welche Rolle politische Skalierungsstrategien dabei spielen.
7. Diskurstheoretischer Exkurs: Zur Kritik an Standortvergleichen: Dieser Exkurs untersucht die diskursive Macht von Städterankings und deren Rolle bei der Konstruktion eines neoliberalen Standortwettbewerbs.
8. Standortwettbewerb zwischen Sachzwang, politischer Intention und diskursiver Praxis: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Überlegungen mit der politischen Realität und betont den Gestaltungsspielraum lokaler Akteure.
9. Zur Methodik der empirischen Untersuchung: Hier wird das methodische Vorgehen der Arbeit, insbesondere die qualitative Sozialforschung und das Experteninterview, begründet und dargestellt.
10. Der Raum Stuttgart: Es erfolgt eine detaillierte Beschreibung der sozioökonomischen Struktur, des Strukturwandels und der Bevölkerungsentwicklung in der Region Stuttgart.
11. Die Ökonomisierung des Städtischen in Stuttgart: Dieser Teil befasst sich mit der praktischen Umsetzung der unternehmerischen Stadtpolitik in Stuttgart, inklusive Haushaltskonsolidierung und Leitbildentwicklung.
12. Regionalisierungstendenzen in der Region Stuttgart: Es wird die Genese und Rolle des Verbands Region Stuttgart (VRS) als Akteur der regionalen Governance betrachtet.
13. Die Region Stuttgart im internationalen Standortwettbewerb: Das Kapitel untersucht die Exportorientierung der Region und die Bedeutung von Standortvergleichen im regionalen Diskurs.
14. Deutungsmuster städtischer und regionaler Akteure in Stuttgart: Hier werden empirische Ergebnisse präsentiert, die zeigen, wie lokale Entscheidungsträger den ökonomischen Druck und die eigene Rolle interpretieren.
15. Schlussbetrachtung: Die Arbeit endet mit einer Zusammenfassung der Kernergebnisse und einem kritischen Ausblick auf die Möglichkeiten politischer Reflexion in der Stadtentwicklung.
Standortwettbewerb, Regulation, Postfordismus, Unternehmerische Stadt, Stuttgart, Stadtentwicklung, Region Stuttgart, Großprojekte, S 21, Governance, Diskursanalyse, Experteninterviews, Raumverständnis, Soziale Segregation, Regionale Akteure.
Die Arbeit analysiert, wie sich Städte und Regionen im Kontext der Globalisierung und postfordistischer Krisen zu "unternehmerischen Akteuren" wandeln und wie dieser Prozess in der Region Stuttgart praktisch und diskursiv umgesetzt wird.
Die zentralen Themen umfassen den Regulationsansatz, die Konzepte der unternehmerischen Stadt, regionale Governance, Stadtmarketing sowie die sozialräumlichen Folgen von Großprojekten wie Stuttgart 21.
Ziel ist es, die ökonomischen Deutungsmuster und Handlungsmotive städtischer und regionaler Akteure in Stuttgart zu rekonstruieren und zu prüfen, inwieweit diese durch den globalen Standortwettbewerb strukturiert sind.
Die Autorin nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, schwerpunktmäßig Experteninterviews mit Akteuren aus Stadtverwaltung, Wirtschaftsförderung und Politik, um subjektive Sinnkonstruktionen zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Regulationsansatz) und eine umfassende empirische Untersuchung, die Stuttgart als Fallbeispiel für eine Ökonomisierung der Stadtpolitik analysiert.
Schlüsselbegriffe sind Regulation, Standortwettbewerb, Unternehmerische Stadt, Metropolregion, Stuttgart 21, Governance und Deutungsmuster.
Die befragten Akteure betrachten S 21 überwiegend als notwendiges, wenn auch teures Instrument zur Standortsicherung und Imagebildung, wobei kritische Aspekte wie soziale Auswirkungen oft zugunsten wirtschaftlicher Effizienzansprüche in den Hintergrund treten.
Obwohl soziale Disparitäten und Gentrifizierungsprobleme vorhanden sind, zeigt die Studie, dass diese Themen von den befragten Entscheidungsträgern oft als nachrangig gegenüber den Anforderungen des Standortwettbewerbs eingestuft werden.
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