Bachelorarbeit, 2013
29 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Tanzende Bilder
2.1 Tanz und tanzende Bilder im französischen Avantgardefilm
3. Das cinéma pur
3.1 Die Befreiung des Films
3.2 Germaine Dulac und der Begriff der Bewegung
3.3 Filmische Gestaltung des cinéma pur
3.4 cinéma pur als neues „Kino der Attraktionen“
3.5 Vertreter und Filmbeispiele
3.5.1 Henri Chomette
3.5.1.1 Jeux des reflets et de la vitesse
3.5.1.2 Cinq minutes de cinéma pur
3.5.2 Drei Filme Germaine Dulacs
3.5.2.1 Disque 957
3.5.2.2 Thémes et variations
3.5.2.3 Étude cinématographique sur une arabesque
4. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Filmkonzepte des französischen Avantgardefilms der 1920er Jahre, wobei der Fokus insbesondere auf der Bewegung "cinéma pur" und den theoretischen sowie praktischen Beiträgen von Germaine Dulac liegt. Ziel ist es, das Verständnis des Films als eigenständige Kunstform jenseits narrativer Strukturen zu beleuchten.
3.1 Die Befreiung des Films
„Den Film aus allen Elementen, die ihm fremd sind, herausschälen, sein wirkliches Wesen in der Kenntnis der Bewegung und visueller Werte finden: das war die neue Ästhetik, die im Lichte eines neuen Tagesanbruchs erschien.“
Nach Dulacs Auffassung war das Publikum von Beginn an einer schlechten filmischen Form ausgesetzt. Die Technologie, die Funktion des Films als Instrument stellten seinen künstlerischen, schöpferischen Aspekt in den Schatten. Die „intellektuell noch nicht herangereiften“ Filmschaffenden verfolgten bis dato die Absicht,
„die visuelle Bewegung in den Dienst der bereits existierenden Künste zu stellen, in den Dienst der Literatur, ihrer dramatischen und narrativen Spielarten. Anstatt die Kunst der Bewegung an sich zu betrachten, setzte man sie mit bloßer Aktivität, mit Ortswechsel gleich.“
Films d’Art waren die Filme, die zu dieser Zeit die Spielpläne der französischen Kinos prägten und das Feindbild der Avantgardisten darstellten. Kino galt damals als „eine bezaubernde oder aber moralisch verwerfliche Unterhaltung“ oder diente zur Reproduktion von Theateraufführungen. Ein Zustand, den Germaine Dulac als „theatre du pauvre“ bezeichnete. Ziel jener Filme war es, das Kino durch den Einsatz berühmter Bühnenschauspieler und die Anfertigung der Drehbücher von gefeierten Dramen- und Romanautoren für ein gehobenes Publikum attraktiv zu machen. In den literarischen und künstlerischen Kreisen Paris’ fand das Kino jedoch einige Anhänger, die es als modernes Ausdrucksmittel betrachteten und in ihm die Möglichkeiten erkannten, bestehende künstlerische Konventionen zu überwinden. Außerdem erschien ihnen eine Position des Kinos als populäre Massenkunst attraktiver als die Hochkunst der Salons und Museen. Die avantgardistische Bewegung forderte eine Befreiung des Films von den ihm fremden Formen wie dem Theater oder dem Roman. Film sollte als eigenständige Kunstform wahrgenommen werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Sehnsucht ein, Musik und Bild zu einer Einheit zu verbinden, und stellt den französischen Avantgardefilm sowie das Konzept des cinéma pur als zentrales Forschungsthema vor.
2. Tanzende Bilder: Das Kapitel erläutert die Bedeutung des Begriffs "Tanz" als Metapher für Rhythmus und Bewegung im Film und gibt einen Überblick über die Anfänge des abstrakten Films.
2.1 Tanz und tanzende Bilder im französischen Avantgardefilm: Hier wird der spielerische und figurative Ansatz französischer Avantgardisten beleuchtet, die reale Objekte und Lichter rhythmisch montierten, anstatt nur abstrakte Animationen zu nutzen.
3. Das cinéma pur: Dieses Kapitel definiert die Entstehung der Bewegung um Louis Delluc und Germaine Dulac, die den Film von literarischen und theatralischen Zwängen befreien wollte.
3.1 Die Befreiung des Films: Es wird analysiert, wie die Avantgarde das Kino von "fremden Elementen" wie Literatur und Theater säubern wollte, um seine eigene Identität zu finden.
3.2 Germaine Dulac und der Begriff der Bewegung: Dieses Kapitel fokussiert auf Dulacs Theorie, dass Film als "Musik für die Augen" fungieren soll, wobei Bewegung das zentrale ästhetische Gestaltungselement darstellt.
3.3 Filmische Gestaltung des cinéma pur: Hier werden die technischen Mittel wie Zeitraffer, Überblendungen und Montage diskutiert, die zur Schaffung einer "dynamischen Lichtarchitektur" eingesetzt wurden.
3.4 cinéma pur als neues „Kino der Attraktionen“: Das Kapitel schlägt eine Brücke zwischen dem frühen Kino der Attraktionen und der avantgardistischen Konzentration auf das visuelle Ereignis.
3.5 Vertreter und Filmbeispiele: Diese Sektion bietet einen biografischen und analytischen Überblick über die Hauptvertreter und ihre Werke.
3.5.1 Henri Chomette: Porträt des Regisseurs und seines experimentellen Zugangs, der den Film als reine Komposition aus Licht und Rhythmus verstand.
3.5.1.1 Jeux des reflets et de la vitesse: Analyse dieses Films, der als exemplarisches Werk für das cinéma pur gilt.
3.5.1.2 Cinq minutes de cinéma pur: Untersuchung der experimentellen Nutzung von Glasformen und Reflexionen zur Erzeugung visueller Rhythmen.
3.5.2 Drei Filme Germaine Dulacs: Übersicht über die ästhetischen Ansätze der Regisseurin, deren Filme die Musiktheorie in filmische Praxis übersetzen.
3.5.2.1 Disque 957: Analyse der Synchronisation von Musik und Bild in diesem frühen Musikfilm.
3.5.2.2 Thémes et variations: Untersuchung der parallelen Montage von Körperbewegungen, Licht und Objekten.
3.5.2.3 Étude cinématographique sur une arabesque: Erörterung der visuellen Improvisation als Antwort auf musikalische Strukturen.
4. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Avantgarde trotz ihrer finanziellen Schwäche das moderne filmische Denken maßgeblich beeinflusst und erweitert hat.
Avantgardefilm, cinéma pur, Germaine Dulac, Henri Chomette, Rhythmus, Bewegung, visueller Rhythmus, Filmtheorie, Abstraktion, Montage, Stummfilm, Musik für die Augen, Filmimpressionismus, visuelle Symphonie, integrale Kino.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Umsetzungen des französischen Avantgardefilms der 1920er Jahre, insbesondere unter dem Aspekt des cinéma pur.
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Bild und Rhythmus, die Befreiung des Films von narrativen Strukturen und der Vergleich mit der Musik als ästhetisches Vorbild.
Das Ziel ist es, die Entwicklung der "reinen Filmform" zu beleuchten und aufzuzeigen, wie Regisseure wie Germaine Dulac und Henri Chomette versuchten, den Film als eigenständige, visuelle Kunstgattung zu konstituieren.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der detaillierten filmwissenschaftlichen Untersuchung der theoretischen Schriften von Germaine Dulac und der Analyse spezifischer Kurzfilme.
Im Hauptteil werden die Definition des cinéma pur, die theoretischen Ansätze der Bewegung, die Rolle der Bewegung im Film sowie Fallbeispiele der Regisseure Henri Chomette und Germaine Dulac ausführlich diskutiert.
Die zentralen Begriffe sind cinéma pur, Rhythmus, Bewegung, Avantgardefilm und visuelle Musik.
Nach Dulac ist die Musik die Kunstform, die dem Wesen des Films am nächsten kommt, da sie rein abstrakt und rhythmisch funktioniert. Der Film soll dieses Prinzip als "visuelles Äquivalent" auf die Leinwand übertragen.
Die Avantgarde knüpfte an die frühe Phase des Kinos an, in der das reine Zeigen von Bewegung und Spektakel im Vordergrund stand, statt eine Geschichte zu erzählen.
Während Chomette stärker mit Lichtreflexen und rasanten technischen Experimenten arbeitete, integrierte Dulac oft menschliche Körper und pflanzliche Formen in ihr "kinematographisches Ballett", um ein tieferes emotionales Erleben zu erzeugen.
Der Film gilt als einer der ersten "Musikfilme", da er explizit die visuelle Interpretation eines musikalischen Werks von Chopin zum Gegenstand der filmischen Gestaltung macht.
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