Bachelorarbeit, 2011
43 Seiten, Note: 1,1
1. Diagnoseschwerpunkt
1.1 Konsum und Soziologie
1.2 Ökologisierung des Konsums
1.3 Konsum und Lebensstil
1.4 Genese des Konsums
1.5 Ökologischer Diskurs
2. Methodischer Schwerpunkt
2.1 Diskursanalyse und Konsum
2.2 Kritische Diskursanalyse
3. Analyseschwerpunkt
3.1 Konsum im ökologischen Diskurs
3.2 Grüner Konsum
3.2.1 Form, Inhalt und Rhetorik
3.2.2 Macht
3.2.3 Sicherheit
3.2.4 Lifestyle
3.2.5 Risiko
3.2.6 Prävention
4. Zusammenfassung
Diese Arbeit analysiert aus soziologischer Perspektive den Diskursstrang "grüner Konsum" am Beispiel der Broschüre "Grün Leben: Nachhaltiger Konsum – Lebensstil mit Zukunft" der Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Die Forschungsfrage untersucht, welche Handlungsempfehlungen durch die Partei vermittelt werden, wie diese soziologisch zu verstehen sind und welche sozialen Konsequenzen aus diesem Lob grüner Tugenden resultieren.
3.2.2 Macht
Machtanalytisch kann die Informations- und Aufklärungsbroschüre der GRÜNEN auf zwei Ebenen theoretisiert werden. Erstens: In welcher Form liegt hier Macht vor? Zweitens: Wie können die hier vorliegenden Machtbeziehungen charakterisiert werden? Macht ist nicht nur dort zu finden, wo sie sich in Institutionen, Elitegruppen oder bestimmten Klassen zu manifestieren scheint. Sie ist eine omnipräsente Kraft, die vor allem im zwischenmenschlichen Alltagsleben produziert und fortlaufend angehäuft wird. Genau auf diesem Wege entfaltet die Broschüre ihre größte Machtwirkung. Als Aufklärungskampagne und Tugendkatalog greift sie geradewegs in alltägliches Denken und Handeln ein.
„Diese Machtform gilt dem unmittelbaren Alltagsleben, das die Individuen in Kategorien einteilt, ihnen ihre Individualität zuweist, sie an ihre Identität bindet und ihnen das Gesetz einer Wahrheit auferlegt, die sie in sich selbst und die anderen in ihnen zu erkennen haben. Diese Machtform verwandelt die Individuen in Subjekte.“ (ebd.: 86)
In Subjekte, die sowohl von vorherrschenden grünen Anschauungen und Entscheidungen besiegt werden, als auch einer selbst geschaffenen und eigens auferlegten grünen Identität verpflichtet sind (vgl. ebd.). Die Macht grünen Konsums nimmt demnach im Kleinen ihre größten Formen an. Sie weist im Supermarkt, beim „window shopping“ oder bei der Wahl von Textilien oder technischen Geräten den Weg, indem das Handeln der Subjekte von Bio-Siegeln, Nachhaltigkeitszeichen oder ökologischen Erklärungen geleitet wird und diese sich auf diese Art selbst immerzu ein Stück Gewissheit darüber verschaffen, wer sie sind oder sein wollen. Grüner Konsum appelliert an das Pflichtgefühl, bietet individuelle Handlungslegitimation, persönliche Gewissheit und festigt darüber hinaus die „innere Stimme“.
1. Diagnoseschwerpunkt: Einleitung in die Konsumsoziologie sowie Einordnung der historischen und ökologischen Diskursentwicklung.
2. Methodischer Schwerpunkt: Darlegung der diskursanalytischen Vorgehensweise, insbesondere der kritischen Diskursanalyse nach Foucault.
3. Analyseschwerpunkt: Hauptteil, der den Diskursstrang "Grüner Konsum" anhand von Rhetorik, Machtstrukturen, Sicherheit, Lifestyle, Risikokonstruktion und Prävention untersucht.
4. Zusammenfassung: Resümee über die Rolle des grünen Konsums als säkulares Heilsversprechen und Mittel zur gesellschaftlichen Disziplinierung.
Grüner Konsum, Soziologie, Diskursanalyse, Nachhaltigkeit, Lifestyle, Macht, Risikosoziologie, Prävention, Konsumverhalten, Politische Kommunikation, Bündnis 90/Die Grünen, Identität, Neoliberalismus, Subjektivierung, Alltagsgestaltung.
Die Arbeit untersucht soziologisch, wie grüner Konsum als Lebensstil und politisches Konzept konstruiert wird und welche Bedeutung er für das Selbstverständnis des Individuums und die Gesellschaft hat.
Die Themenfelder umfassen die Soziologie des Konsums, die diskursive Konstruktion von Umweltbewusstsein, das Zusammenspiel von Lifestyle und Politik sowie die Machtmechanismen hinter moralischen Konsumappellen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Grünen über ihre Broschüre grünes Verhalten normalisieren und welche sozialen Konsequenzen aus diesem "Lob grüner Tugenden" für die Konsumenten entstehen.
Die Arbeit nutzt die kritische Diskursanalyse, primär angelehnt an die Konzepte von Michel Foucault und Siegfried Jäger, um Machtwirkungen und Wissensordnungen innerhalb des Diskurses zu dechiffrieren.
Der Hauptteil analysiert die Broschüre der Grünen auf ihre rhetorischen Mittel, die Konstruktion von Feindbildern, die Verknüpfung von Konsum mit individueller Identität und Sicherheit sowie die präventive Wirkung grüner Handlungsaufrufe.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Grüner Konsum, Macht, Diskursanalyse, Lifestyle, Risikokonstruktion und gesellschaftliche Disziplinierung.
Die Broschüre arbeitet mit einer binären "Wir-Ihr"-Logik, in der ökologisch nicht-konformes Handeln (z.B. Autolobby, Atomenergie) als Gefahr markiert wird, um das "richtige" grüne Verhalten als moralisch überlegen zu legitimieren.
Der Autor nutzt das Konzept der Kontingenz, um zu verdeutlichen, dass ökologische Krisen keine naturgegebenen Schicksale sind, sondern durch menschliche Fremd- und Selbstzuschreibungen zu Risiken werden, die erst durch "grünes" Handeln handhabbar gemacht werden sollen.
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