Bachelorarbeit, 2015
84 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Aktuelle Ausgangssituation
2.2 Struktur des deutschen Gesundheitssystems
2.2.1 Strukturmerkmale
2.2.2 Heilmittelrichtlinie
2.3 Der Prozess der Akademisierung und Professionalisierung
2.3.1 Die Akademisierung
2.3.2 Begriffsbestimmungen: Profession, Professionalität und Professionalisierung
2.3.3 Der Professionalisierungsprozess in der Physiotherapie
2.4 Direct Access und First Contact Practitioner
2.4.1 Notwendige Kompetenzen für den Direktzugang
2.4.2 Rechtliche Grundlagen
2.4.3 Politische Entscheidungen und Rechtsprechung
2.4.4 Berufsverbände
2.5 Zusammenfassung Literaturrecherche
3 Methodik der qualitativen Datenerhebung
3.1 Literaturrecherche
3.2 Leitfadengestütztes Experteninterview
3.2.1 Vorbereitung
3.2.2 Auswahl der Befragten
3.2.3 Durchführung der Interviews
3.2.4 Methodik der Datenauswertung
4 Auswertung der Experteninterviews
4.1 Einschätzungen zu den Auswirkungen des Akademisierungsprozesses
4.1.1 Argumente der Befragten die für oder gegen eine Akademisierung sprechen
4.1.2 Physiotherapie: Handwerk, Hilfsberuf oder Profession?
4.1.3 Akademisierung und Praxisbezug im Studium
4.1.4 Einschätzungen zum veränderten Ansehen durch die Akademisierung
4.2 Erkenntnisse aus den Befragungen zum Direct Access
4.2.1 Vorteile und Nachteile des DA
4.2.2 Problemfelder
4.2.3 Einschätzung der aktuellen Befähigung der Physiotherapeuten für den DA
4.2.4 Einschätzungen der für den Direct Access benötigten Qualifikationen
4.3 Unterscheidungsmerkmale bezüglich Entlohnung und Zulassung von Physiotherapeuten mit und ohne Studium
4.3.1 Anmerkungen zu Vergütungsunterschieden
4.3.2 Anmerkungen zur Differenzierung über die Zulassungsart
4.4 Einschätzungen der Einflussnahme der öffentlichen Akteure
4.4.1 Forderungen der Krankenkassen
4.4.2 Einschätzung der Arbeit der Berufsverbände hinsichtlich des DA
5 Diskussion der Ergebnisse
6 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht den Prozess der Akademisierung der Physiotherapie im Hinblick auf die Bestrebungen nach autonomer Leistungserbringung (Direct Access). Ziel ist es, durch eine qualitative Analyse in Form von Experteninterviews die Meinungen von Physiotherapeuten und Ärzten zu erfassen, mit aktueller Literatur abzugleichen und den Status Quo sowie zukünftige Entwicklungen zu bewerten.
2.4.1 Notwendige Kompetenzen für den Direktzugang
Eine zentrale Frage bei der Diskussion um die Einführung des Direct Access ist die Frage nach den Kompetenzen, die für ein autonomes physiotherapeutisches Handeln benötigt werden. Rob Herbert (Professor an der Universität Sydney und einer der Gründer der Datenbank PEDro) bezeichnet in einem Interview mit Ute Repschläger (IFK Vorsitzende) „[...] eine gute Ausbildung als stärkste Grundlage für die Autonomie einer Profession.“
Die Ausbildung an den Berufsfachschulen zum Physiotherapeut und auch die verschiedenen Bachelorstudiengänge sollen sicherstellen, dass neben dem physiotherapeutischen Behandlungstechniken vor allem das Erkennen von Risikofaktoren, das Erkennen von eigenen Grenzen, Differentialdiagnostik und rechtliche Aspekte vermittelt werden, so Beyerlein in seiner Dissertation 2010.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung vergleicht in seiner aktuellen Studie Bestandaufnahme der Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen im europäischen Vergleich vom Februar 2014 die gesetzlich formulierten Ziele und zu vermittelnde Kernkompetenzen der Physiotherapieausbildung in 5 europäischen Ländern.
Zu diesen Kernkompetenzen gehören:
1. physiotherapeutische Untersuchung, Befundung
2. physiotherapeutische Diagnostik und Screening
3. eigenständige Festlegung der therapeutischen Maßnahmen
4. Anwendung von Verfahren aus Bereichen der physikalischen, manuellen und Bewegungstherapie sowie Massage
5. Dokumentation
6. Evaluation
7. Information, Beratung, Anleitung, Schulung und Training
8. Arbeit in den Tätigkeitsbereichen: Gesundheitsförderung & Prävention, Therapie (stationär, ambulant), Rehabilitation, Palliativmedizin
9. Überweisung
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangssituation, das persönliche Interesse der Autorin sowie das Ziel der Arbeit, den Einfluss der Akademisierung auf die Berufsautonomie zu untersuchen.
2 Theoretischer Hintergrund: Bietet einen Überblick über das deutsche Gesundheitssystem, den Prozess der Akademisierung, rechtliche Grundlagen und die Rolle des Direct Access.
3 Methodik der qualitativen Datenerhebung: Erläutert das gewählte Forschungsdesign, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews und ergänzt durch Literaturrecherche.
4 Auswertung der Experteninterviews: Präsentiert die Ergebnisse der Interviews, unterteilt in die Kategorien Akademisierung, Direct Access, Entlohnung/Zulassung und Einflussnahme öffentlicher Akteure.
5 Diskussion der Ergebnisse: Vergleicht die gewonnenen Interviewerkenntnisse mit der aktuellen Studienlage und Literatur.
6 Schlussbetrachtung: Fasst die Kernergebnisse zusammen und gibt eine Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung der Berufsautonomie in Deutschland.
Physiotherapie, Akademisierung, Professionalisierung, Berufsautonomie, Direct Access, First Contact Practitioner, Heilhilfsberuf, Gesundheitswesen, Experteninterview, Modellprojekt, Sektoraler Heilpraktiker, Kompetenzen, Qualitätssicherung, Evidenzbasierte Praxis, Berufsverbände
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Akademisierung der Physiotherapie und dem Bestreben des Berufsstandes, eine autonome Leistungserbringung (Direct Access) zu etablieren.
Die zentralen Themen sind der Professionalisierungsprozess des Berufs, die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, die Rolle des Direct Access im internationalen Vergleich und die Meinung von Experten dazu.
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die Akademisierung der Physiotherapie zur autonomen Leistungserbringung beiträgt und wie der Status Quo in Deutschland einzuschätzen ist.
Es wird eine qualitative Methode angewendet, konkret leitfadengestützte Experteninterviews mit Physiotherapeuten und Ärzten, deren Ergebnisse mit aktueller Literatur verglichen werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Rahmenbedingungen und eine detaillierte Auswertung der geführten Interviews zu Auswirkungen des Studiums, der Rolle der Krankenkassen und der Arbeit der Berufsverbände.
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Physiotherapie, Akademisierung, Berufsautonomie, Direct Access und Sektoraler Heilpraktiker definieren.
Die Mehrheit der Befragten bewertet die ärztliche Diagnose auf Rezepten oft als zu ungenau oder für die physiotherapeutische Behandlung von geringem Nutzen, was den Ruf nach mehr Autonomie stärkt.
Die Sichtweise der Ärzte ist geteilt und teilweise kritisch; sie fürchten vor allem um Patientensicherheit, den Verlust ihrer Monopolstellung und finanzielle Einbußen durch das Budgetverfahren.
Die Experten sehen den Direct Access als politisch gewollt und als notwendige Entwicklung, bewerten die rechtliche Umsetzung jedoch teilweise als Zukunftsmusik, da fundamentale Gesetzesänderungen fehlen.
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