Diplomarbeit, 2013
124 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theater und Film
2.1 Mediale Eigenschaften
2.2 Kinofizierung des Theaters
2.3 (Hyper-)Medialität des Theaters
3.Bühnenadaptionen von Spielfilmen
3.1 Präsenz der Formen – Entzug der Medien
3.2 Basismedien und mediale Differenziale
3.3 Übersetzung von Inhalt, Form und Medium
3.4 Reflexion des Medialen
4. Das Opfer
4.1 Inhalt
4.2 Form
4.3 Medium
5. Schluss
Die Diplomarbeit untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Film und Theater bei Bühnenadaptionen. Das primäre Ziel ist es, ein begriffliches Instrumentarium zu entwickeln, um Bühnenadaptionen nicht nur als Stofftransfer, sondern als intermediale Übersetzungsprozesse zu begreifen, bei denen sich die beiden Kunstformen gegenseitig transformieren und reflexiv aufeinander beziehen.
Höhle wie Kino – Audio-Visualisierungen
In seinen Metapsychologischen Betrachtungen zum Kino-Dispositiv vergleicht Jean-Louis Baudry das Kino mit der Situation in Platons Höhlengleichnis. Doch auch im Theatersaal sorgen die Raumordnung, die relative Verdunklung des Zuschauersaals und der konstante Abstand der Zuschauer zur Leinwand bzw. zum Bühnenrand für die Bedingungen einer illusionsstiftenden Seheinrichtung. Die Schatten selbst sind aber zweidimensional, und damit gerät die Übertragung von Baudrys Überlegungen auf das Theater vermutlich schon an ein Ende, denn das Räumliche des Theaters erweist sich als eine unmittelbare Qualität, während filmische Räumlichkeit erst durch die vermittelte Illusion von Plastizität aus der immersiven Kraft seiner zweidimensionalen Bilder entsteht. Bekanntlich beschränkt sich die Täuschung nicht nur auf den flackernden Schattenwurf, denn die Evidenz der einzelnen Eindrücke wird erst durch das Zusammenspiel mit Ton gestiftet, der ebenfalls von den Wänden der Höhle reflektiert wird. Kunstwirklichkeiten werden – und hier lässt sich das Höhlengleichnis nochmals auf die audiovisuellen Künste übertragen – erst durch eine Einheit von Bild und Ton konsistent. Das Theater und das Kino operieren, mit Ausnahme ihrer tonlosen Ausformungen wie Pantomime, Tanztheater oder Stummfilm, als audiovisuelle Künste. Doch was den Film anbelangt, so ist seine Audiovisualität, wie in der Höhle und anders als im Theater, künstlich hergestellt. Die Informationen von Bild und Ton setzen sich erst unmittelbar vor dem Betrachter zusammen und sind von ihrem Ursprung entkoppelt. Doch auch wenn die Verbindung von Bild und Ton im Film von ganz anderer Beschaffenheit ist als im Theater, bleibt, anders als in Platons Höhle, unterscheidbar, was Kunst und äußere Realität ist. Interessanterweise wurde bis zur Entwicklung des Tonfilms gerade sein Fehlen als ein formales Merkmal für die Abgrenzung zum dialogischen Theater gesehen.
1. Einleitung: Die Einleitung verortet die Bühnenadaption von Filmen als eine bisher wissenschaftlich vernachlässigte, aber gängige Theaterpraxis und führt in die theoretische Fragestellung der Intermedialität ein.
2. Theater und Film: In diesem Kapitel werden die medialen Grundeigenschaften beider Künste bestimmt und deren historisches sowie technisches Verhältnis zueinander beleuchtet, wobei besonders der Übergang zur "Kinofizierung" des Theaters thematisiert wird.
3.Bühnenadaptionen von Spielfilmen: Das Kapitel entwickelt eine begriffliche Rahmung, um das Phänomen der Bühnenadaption von Filmen theoretisch in Teilbereiche zu untergliedern und die komplexen Übersetzungsprozesse zwischen Filmvorlage und Theaterinszenierung zu erfassen.
4. Das Opfer: Die Beispielanalyse untersucht die konkrete Inszenierung "Das Opfer" von Philipp Hauß, wobei insbesondere Inhalt, Form und das mediale Zusammenspiel auf der Bühne detailliert ausgewertet werden.
5. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Analyse intermedialer Zwischenräume ein hilfreiches Instrument ist, um die Transformationen und Widerstände bei der Adaption eines Films für die Theaterbühne zu verstehen.
Bühnenadaption, Intermedialität, Film, Theater, Übersetzung, Kinofizierung, Medientheater, Montage, Walter Benjamin, Niklas Luhmann, Inszenierung, Das Opfer, Andrej Tarkovskij, Audiovisualität, Medialität
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung von Bühnenadaptionen von Spielfilmen. Dabei steht im Fokus, wie sich die beiden unterschiedlichen Medien Film und Theater in einer Inszenierung begegnen, beeinflussen und übersetzen.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung medialer Eigenschaften von Film und Theater, die Entwicklung einer intermedialen Übersetzungstheorie sowie die kritische Reflexion über die Nutzung filmischer Gestaltungsmittel im theatralen Raum.
Das Ziel ist es, ein begriffliches Instrumentarium zu schaffen, mit dem Adaptionsprozesse als komplexe intermediale Übersetzung verstanden werden können, anstatt sie nur als rein inhaltliche Übertragung zu betrachten.
Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der film-, theater- und medienwissenschaftliche Theorien verknüpft (u.a. Formtheorie von Luhmann, Medientheorie von Benjamin) und diese auf eine konkrete Beispielanalyse anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung zum Verhältnis von Theater und Film sowie in eine detaillierte Beispielanalyse der Bühnenadaption "Das Opfer" nach Andrej Tarkovskij durch Regisseur Philipp Hauß.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Intermedialität, Bühnenadaption, Kinofizierung, auditive Bühne, Medientheater und intermediale Übersetzung.
Die Arbeit zeigt auf, dass das Theater bei der Inszenierung des Films "Das Opfer" das Bild durch Ton- und Medientechnik (wie Funkkopfhörer und Mikroports) ergänzt oder ersetzt, um filmische Wirkungsmittel im theatralen Raum neu zu konfigurieren.
In der Analyse wird dargelegt, dass das Theater diese filmischen Mittel der Traum- und Realitätsmarkierung durch atmosphärische Lichtwechsel und neue Spielmodi ersetzt, um die polyvalente Struktur des Originals auf der Bühne abzubilden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

