Magisterarbeit, 1983
86 Seiten, Note: excellent
Einleitung
1. Die Poetik-Dozentur an der Frankfurter Universität
2. Die Vorlesungen von Marie Luise Kaschnitz und ihre Publikation in Zwischen Immer und Nie
3. Das Menschenbild in den Vorlesungen und seine aktuelle Relevanz
Kapitel 1 Marie Luise Kaschnitz‘ Auswahl der thematischen Gestalten ihrer Vorlesungen
1. Die Hypothese der nicht rein willkürlichen Auswahl
2. Die sechs Vorlesungen
3. Die Hypothese des in den Vorlesungen vertretenen tragischen Menschenbildes
Kapitel 2 Verifikation der Hypothese des tragischen Menschenbildes der Frankfurter Vorlesungen
1. Die konstitutiven Elemente des tragischen Menschenbildes allgemein
2. Die Konkretisierung und Spezifizierung der konstitutiven Elemente des tragischen Menschenbildes in den Gestalten der Frankfurter Vorlesungen
3. Der tragische Mensch in den Vorlesungen der Marie Luise Kaschnitz: Versuch einer synoptischen Rekonstruktion
Kapitel 3 Das tragische Menschenbild der Marie Luise Kaschnitz
1. Leben und Werk der Marie Luise Kaschnitz: Ursachen des tragischen Menschenbildes
2. Die zentralen Themen des literarischen Gesamtwerkes von Marie Luise Kaschnitz: Ausdruck des tragischen Menschenbildes
3. Kritik und Selbstkritik: das tragische Menschenbild im Leben und literarischen Schaffen der Marie Luise Kaschnitz
3.1. Das Urteil der Kritiker
3.2. Die Selbstkritik der Marie Luise Kaschnitz
3.3. Kritische Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Menschenbild in den Frankfurter Vorlesungen von Marie Luise Kaschnitz aus dem Jahr 1960. Das primäre Ziel ist es, die Hypothese zu verifizieren, dass die von Kaschnitz getroffene Auswahl literarischer Gestalten nicht willkürlich ist, sondern ein konsistentes, tragisches Menschenbild widerspiegelt, das stark durch ihre eigene biographische Erfahrung, insbesondere den Tod ihres Mannes, geprägt wurde.
Die erste Vorlesung
wählt William Shakespeare, englischer Dichter und Dramatiker, der – geboren 1564 in Stratfort-upon-Avon und 1616 ebenda gestorben – zweifelsohne eine der wichtigsten Figuren der Weltliteratur ist.
Shakespeare ist ein Künstler der Renaissance, die die gemein-europäische Kulturepoche vom Mittelalter zur Neuzeit umfaßt und gekennzeichnet ist durch ein stark individualistisches Persönlichkeitsideal sowie durch eine tiefe Sehnsucht nach geistiger Erneuerung, nach einer echten Wiedergeburt des Menschen. Der Renaissance-Mensch beginnt, sich seiner eigenen Größe zu besinnen und bleibt doch ein Zweifler, er faßt Vertrauen in die Fähigkeiten des eigenen Verstandes und hofft doch weiterhin auf die geheimnisvollen Kräfte der Natur und die viel beschworenen Schicksalsmächte. „Wo einst Dante noch eine metaphysische ‚jenseitige‘ Ordnung gezeichnet hatte, das Sein und das Seinsollende, zeichnet man jetzt den Menschen, so wie er ist, in seinem Weinen und seinem Lachen, seinem Ernst und seiner Lächerlichkeit." (3) Shakespeare verfaßte Sonette, Kurzepen und Romanzen, vor allem aber Dramen (Tragödien und Komödien). In seinem Werk lassen sich vier Schaffensperioden unterscheiden. Marie Luise Kaschnitz wählte zu ihrer Vorlesungsreihe je ein Drama aus Shakespeares erster sowie letzter Schaffenszeit.
Einleitung: Die Einleitung führt in die Poetik-Dozentur von Kaschnitz in Frankfurt ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Willkürlichkeit ihrer Auswahl an literarischen Gestalten.
Kapitel 1 Marie Luise Kaschnitz‘ Auswahl der thematischen Gestalten ihrer Vorlesungen: Dieses Kapitel prüft die Hypothese, dass die Auswahl der Autoren und ihrer Gestalten kein bloßer Zufall ist, sondern eine inhaltliche Einheit bildet.
Kapitel 2 Verifikation der Hypothese des tragischen Menschenbildes der Frankfurter Vorlesungen: Der Hauptteil analysiert die Interpretationstexte von Kaschnitz hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit den allgemeinen Wesensmerkmalen des tragischen Menschen.
Kapitel 3 Das tragische Menschenbild der Marie Luise Kaschnitz: Der Schlussteil erklärt das tragische Menschenbild durch biographische Faktoren und reflektiert die Rolle der Kritik sowie der Selbstkritik der Dichterin.
Marie Luise Kaschnitz, Frankfurter Vorlesungen, tragisches Menschenbild, Literaturanalyse, Tragik, Existenz, Einsamkeit, Literaturgeschichte, Werkinterpretation, Biographie, Schicksal, Menschenbild, Moderne, Existentialismus, Werkinterpretation
Die Arbeit analysiert das Menschenbild, das Marie Luise Kaschnitz in ihren Frankfurter Poetik-Vorlesungen von 1960 vermittelt hat.
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe der Tragik, des tragischen Menschenbildes, die existenzielle Einsamkeit und das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft.
Es soll verifiziert werden, ob die Auswahl der literarischen Gestalten durch die Dichterin einem bewussten, tragischen Konzept folgt, statt willkürlich zu sein.
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse, kombiniert mit literaturwissenschaftlicher Verifikation und biographischer Kontextualisierung.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der Gestalten-Paare aus den Vorlesungen und gleicht deren Merkmale mit einer allgemeinen Definition des tragischen Menschen ab.
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Marie Luise Kaschnitz, Frankfurter Vorlesungen, tragisches Menschenbild, Existenz und Literaturanalyse.
Die Autorin argumentiert, dass dieser biographische Einschnitt das Verständnis Kaschnitz' für menschliche Tragik maßgeblich vertieft und ihr literarisches Engagement sowie ihre Vorlesungsgestaltung beeinflusst hat.
Die Autorin stellt Kaschnitz' Behauptung der Willkürlichkeit in den Kontext des hermeneutischen Grundsatzes, dass man einen Autor manchmal besser verstehen muss, als dieser sich selbst verstanden hat.
Diese Vorlesung über Hauptmann und Ibsen dient dazu, den notwendigen Wandel des tragischen Menschen im Vergleich zum Alltagsmenschen zu verdeutlichen.
Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das von Kaschnitz gezeichnete tragische Menschenbild über die Interpretation der Literatur hinausreicht und eine moralische Lektion für den modernen Menschen darstellt.
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