Bachelorarbeit, 2013
42 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Gegenwärtiger Forschungsstand
3. Die bayrische Landeshauptstadt in der frühen Reiseliteratur
4. München im Zeitalter der Aufklärung
4.1 Allgemeines
4.2 Lorenz Westenrieders Beschreibung der Haupt- und Residenzstadt München (im gegenwärtigen Zustande)
5. München in der Kritik deutschsprachiger Reisender
5.1 Der Münchner Hof und sein vergeblicher Reformwillen
5.2 Aufklärung in Oberbayern – die Bayrische Akademie der Wissenschaften
5.3 Das Zentrum der „Gegenaufklärung“ – Katholizismus, das Jesuitentum und der Aberglaube
5.3.1 Katholizismus
5.3.2 Die Jesuiten
5.3.3 Aberglaube
5.4 Die Münchner Bevölkerung zwischen überkommenen Traditionalismus und modernem Zeitgeist
5.4.1 Charakter und Aussehen der Einwohner
5.4.2 Ess- und Trinkgewohnheiten der Münchner Bevölkerung
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die Darstellung Münchens in literarischen Reisebeschreibungen am Ende des 18. Jahrhunderts, um das Spannungsfeld zwischen konservativer Tradition und aufklärerischen Reformbestrebungen zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Reisende die Stadt wahrnahmen, welche Rolle Religion und Bildung spielten und inwiefern diese Fremdwahrnehmung von der Wirklichkeit abwich.
Die Jesuiten in München
Die Jesuiten existieren seit dem Jahre 1540 und haben seither in zahlreichen Bereichen, aber vor allem in der Bildung maßgeblich mitgewirkt. Dieser Erfolg gründet sich vor allem darauf, „[…] dass sie an Orten entstanden, wo vorher keine Schule gewesen war, und dass sie auf Schulgeld verzichteten, um auch für Arme zugänglich zu sein“. Folglich ist ihr Einfluss in jesuitisch geprägten Gebieten entsprechend hoch. Die Alte Akademie zu München dürfte wohl das bekannteste Kollegium der Stadt sein. Friedrich Nicolai schreibt hierzu:
Ganz nahe bey der Wilhelmischen Residenz steht das Jesuitenkollegium, welches Herzog Wilhelm V. mit dem Beynamen der Fromme im sechszehnten Jahrhunderte zu bauen anfing, und welches er, weil er den Jesuiten ganz ergeben war, so nahe an seiner Residenz bauete, daß man auch aus derselben in das Kollegium gehen kann.
Er macht mit dieser Aussage deutlich, dass auch die Herrscher von den Jesuiten geprägt worden, was bereits im Kapitel 5.1 festzustellen ist. Daraus schließt sich natürlich recht leicht, dass die Jesuiten in München großen Einfluss und vor allem eine große Gönnerschaft genossen hatten. Dies machen die Aufklärer als Ursache für die Rückständigkeit der Stadt München verantwortlich, wie die folgende Aussage Nicolais bestätigt:
Sie [die Jesuiten] wissen gar wohl, die Sache so zu spielen, daß ihnen alles unterthan bleibt, sie mögen nun vertrieben werden oder einheimisch seyn! […] Sie lassen ihre Brüder, die nichts als Werkzeuge sind, immer nach dem vorgeschriebenen Plane fortarbeiten, schmeicheln, drohen, Lärm machen, verdammen, Kompendien schreiben, Vereinigungsplane machen, Intriguen anspinnen, geheime Gesellschaften fabriciren, und was es sonst ist.
1. Einleitung: Einführung in die Reiseliteraturforschung und die Bedeutung des Reiseberichts als Genre im 18. Jahrhundert.
2. Gegenwärtiger Forschungsstand: Überblick über existierende Forschungsliteratur und Begründung, warum München als Reiseziel dieser Zeit bisher wenig untersucht wurde.
3. Die bayrische Landeshauptstadt in der frühen Reiseliteratur: Historischer Rückblick auf die Wahrnehmung Münchens vor der Aufklärung anhand von Texten von Hans Sachs und Matthäus Merian.
4. München im Zeitalter der Aufklärung: Untersuchung der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen Münchens unter den aufgeklärten Kurfürsten sowie kritische Betrachtung des Werks von Lorenz Westenrieder.
5. München in der Kritik deutschsprachiger Reisender: Analyse der Kritikpunkte an Hof, Akademie, Religion und Bevölkerung, sowie deren Einfluss auf die verzögerte Aufklärung.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse über das durch Reiseberichte konstruierte Bild Münchens im 18. Jahrhundert.
München, Reisebeschreibung, 18. Jahrhundert, Aufklärung, Gegenaufklärung, Katholizismus, Jesuitentum, Aberglaube, Lorenz Westenrieder, Friedrich Nicolai, Wilhelm Ludwig Wekhrlin, Johann Pezzl, Stadtbild, Mentalität, Bildungsgeschichte.
Die Arbeit analysiert die Wahrnehmung Münchens in Reiseberichten des späten 18. Jahrhunderts und untersucht, wie Reisende das Spannungsverhältnis zwischen traditioneller, katholisch geprägter Lebensart und aufklärerischen Reformen bewerteten.
Zu den Schwerpunkten gehören der Einfluss des Klerus und der Jesuiten, das Bildungswesen, der Aberglaube sowie die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Rückständigkeit Münchens aus Sicht zeitgenössischer Beobachter.
Das Ziel ist es, das Bild Münchens in der zeitgenössischen Reiseliteratur zu charakterisieren, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Darstellungen der Reisenden aufzuzeigen und die Diskrepanz zwischen Fremdwahrnehmung und tatsächlicher Entwicklung zu ergründen.
Die Arbeit nutzt die Analyse und den Vergleich von Reiseberichten (u.a. von Nicolai, Pezzl und Wekhrlin) sowie ergänzender regionalgeschichtlicher Sekundärliteratur zur Interpretation der historischen Perspektiven.
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Kritik am Münchner Hof, der Rolle der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, der Dominanz des Katholizismus und Jesuitentums sowie der Mentalität der Bevölkerung.
Reisebeschreibungen, Aufklärung, München, Katholizismus, Jesuitentum, Aberglaube, 18. Jahrhundert und Identität des Bayern.
Die Aufnahme scheint Nicolais Urteil positiv beeinflusst zu haben, da er der Akademie in seinen Berichten eine höhere Wertschätzung entgegenbrachte als den übrigen gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen Münchens.
Der Begriff wird von den Reisenden verwendet, um die hohe Dichte an Klöstern und geistlichen Einrichtungen in München und seinem Umland zu beschreiben, die sie als Symbole für den Widerstand gegen die Aufklärung sahen.
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