Bachelorarbeit, 2014
41 Seiten, Note: 1,3
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Die soziale Bedeutung von Essen im Kontext der Entstehungszeit der Grimmschen Märchen und dessen Einsatz in der deutschen Literatur
3. Zur Funktion, Wirkungsweise und Symbolik der Speisen- und Nahrungsmotivik in den Grimmschen Märchenerzählungen
3.1 Der Untersuchungsgegenstand Märchen
3.2 Die gute Verheißung des Essens
3.2.1 Hänsel und Gretel (KHM 15)
3.2.2 Der süße Brei (KHM 103)
3.3 Die schlechte Verheißung des Essens
3.3.1 Schneewittchen (KHM 53)
3.3.2 Rapunzel (KHM 12)
3.4 Essen als Hilfe auf dem Triumphweg des Helden
3.4.1 Frau Holle (KHM 24)
4. Relationen und Zusammenhänge zwischen Nahrung, Figuren und der Wirklichkeit
4.1 Essen und seine wechselnde Wirkung im direkten Figurenbezug
4.2 Die Übertragung der Speisethematik in die Realsituation
5. Resümee
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die oft unterschätzte Rolle von Nahrung in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie Lebensmittel als symbolische Wegweiser, Indikatoren für den Reifeprozess von Figuren oder als moralische Lehrmittel fungieren, die über den bloßen Sättigungsaspekt hinausgehen.
Hänsel und Gretel (KHM 15)
„Essen war immer [...] eine besondere Lust- und Leidquelle menschlicher Existenz, bedeutete Genuß und erregte Ekel [...], war Zeichen der Liebe und des Hasses, spiegelte Armut und materiellen Wohlstand [...]. Nicht zuletzt war das Essen immer auch ein Mittel der Erkenntnis [...].“
In wohl kaum einem anderen Märchen der Brüder Grimm lässt sich diese Beschreibung von Alois Wierlacher besser wiedererkennen als in Hänsel und Gretel. Das Hexenhaus als Lust- und Leid(ens)quelle der Kinder, der Genuss der süßen Speisen des Hauses und gleichzeitig der Ekel vor dem Kannibalismus der Hexe, die Wohltat der Sättigung als vermeintliches Zeichen der Liebe, das sich später als pure Kalkulation der bösen Alten zur Anlockung der Geschwister entpuppt und Essen so zum Ausdruck von Hass umkehrt, sind nur kurze Einblicke in die mannigfaltige Bedeutung, die Lebensmittel im KHM 15 einnimmt. Mit Alois Wierlachers Gedanke, dass Nahrung zum „Mittel der Erkenntnis“ werden kann, würde Essen auf eine neue Ebene gestellt werden, auf der Lebensmittel nicht mehr nur das leibliche, sondern auch das geistige Wohlbefinden steuern. All diese Aspekte werden im weiteren Verlauf diskutiert.
Tanja Rudkes Idee einer „Dichotomie von Mangel und Überfluss“ im Märchen ist bei Hänsel und Gretel offensichtlich und scheint in einem zyklischen Wechsel von der Vorstellung einer rettenden und einer zerstörenden Funktion des Essens zu kulminieren. Die Not der Geschwister ergibt sich aus dem Defizit an Brot, das, so wurde im Vorfeld herausgearbeitet, das Grundnahrungsmittel der Durchschnittsbevölkerung war, bevor Missernten und Getreideteuerungen es zur Rarität werden ließen. Gerade Brot ist bei Hänsel und Gretel von nahezu schicksalstragender Bedeutung. Es steht im Zentrum der Essensthematik und erfüllt im gesamten Märchen eine Symbolfunktion.
1. Einleitung: Einführung in die zentrale Rolle der Nahrungsaufnahme als Überlebenssicherung und deren oft vernachlässigte, aber tiefere Bedeutung in literarischen Erzählkontexten.
2. Die soziale Bedeutung von Essen im Kontext der Entstehungszeit der Grimmschen Märchen und dessen Einsatz in der deutschen Literatur: Analyse der prekären Lebensbedingungen und Hungerkrisen um das 18. Jahrhundert sowie deren Einfluss auf die Darstellung von Nahrungsmitteln in Literatur und Märchen.
3. Zur Funktion, Wirkungsweise und Symbolik der Speisen- und Nahrungsmotivik in den Grimmschen Märchenerzählungen: Detaillierte Untersuchung von fünf ausgewählten Märchen hinsichtlich der spezifischen symbolischen Bedeutung und Funktion von Speisen wie Brot, Äpfeln und Salat.
4. Relationen und Zusammenhänge zwischen Nahrung, Figuren und der Wirklichkeit: Zusammenführung der Analyseergebnisse mit Fokus auf die personengebundene Wirkung von Nahrung und deren moralischer Bedeutung für die Seelenentwicklung der Märchenfiguren.
5. Resümee: Fazit über die Rolle der Speisethematik als Medium für pädagogische Botschaften und moralische Wegweisung in den Grimmschen Märchen.
Grimms Märchen, Essen, Nahrung, Symbolik, Hänsel und Gretel, Schneewittchen, Brot, Apfel, Mangel und Überfluss, Figurenentwicklung, Sozialgeschichte, 18. Jahrhundert, Pädagogik, Moral, Geisteserkenntnis.
Die Arbeit analysiert die thematische und symbolische Bedeutung von Essen und Nahrungsmitteln in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm, um aufzuzeigen, wie diese weit über die bloße Sättigung hinausgehen.
Neben der literaturwissenschaftlichen Analyse von Speisemotiven stehen die historische Armutssituation des 18. Jahrhunderts, die Symbolik der Nahrung sowie der erzieherische Aspekt der Märchen im Vordergrund.
Ziel ist es, das kohärente Bild der Essensthematik in den Kinder- und Hausmärchen aufzuzeigen und den Fokus von populären Märchenthemen hin zu den tieferliegenden, unterschwelligen Bedeutungsebenen zu lenken.
Die Arbeit nutzt eine textnahe Analyse ausgewählter Märchen, ergänzt durch historische und sozialgeschichtliche Kontexte sowie literaturwissenschaftliche Ansätze, etwa zur Symbolik und zur Seelenlehre der Figuren.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Speisen in fünf konkreten Märchen, unterteilt in Kategorien wie gute oder schlechte Verheißung und Nahrung als Hilfe auf dem Heldenweg.
Die wichtigsten Begriffe sind Essensmotivik, symbolische Bedeutung, Grimmsche Märchen, pädagogische Botschaft und die soziale Realsituation zur Entstehungszeit der Erzählungen.
Brot wird als zentrales "Mittel der Erkenntnis" und "Speisesymbol der Humanität" interpretiert, das sowohl für körperliche Sättigung als auch für geistige Stärkung steht.
Die Untersuchung deutet den Verzehr dieser Organe als "magischen Kannibalismus", der darauf abzielt, die Lebenskraft und die spezifischen Eigenschaften des Opfers auf die Königin zu übertragen.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Kinderfiguren als lernfähig und fortschrittlich dargestellt werden, während bei erwachsenen Figuren Nahrung oft mit negativen Eigenschaften und festgefahrenen, egoistischen Mustern korreliert.
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