Bachelorarbeit, 2015
50 Seiten, Note: 1,0
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Das Rote Wien
3.1. Politische Ziele und Forderungen, soziale und gesellschaftliche Konzepte
3.2. Der soziale Wohnbau
4. Architektur und Kunst in Wien nach dem Ersten Weltkrieg
4.1. Architektur
4.2. Kunst
4.3. Stilistische Elemente der Gemeindebau-Kunst in Wien XII.
5. Geschlechterrollen und -verhältnisse
6. Gemeindebauten in Wien XII.
6.1. Benannte Gemeindebauten mit Kunstwerken
6.2. Unbenannte Gemeindebauten mit Kunstwerken
7. Analyse der Kunstobjekte der Gemeindebauten in Wien XII.
7.1. Fuchsenfeld-Hof (1925)
7.2. Reismannhof (1925)
7.3. Bebel-Hof (1926)
7.4. Am Wienerberg (1927)
7.5. Fröhlich-Hof (1929)
7.6. Lorens-Hof (1929)
7.7. George-Washington-Hof (1930)
7.8. Rotenmühlgasse 64 („Indianerhof“) (1930)
7.9. Fockygasse 53 (1932)
8. Zusammenfassung
11. Anhang
11.1. Benannte Gemeindebauten ohne Kunstwerke
11.2. Unbenannte Gemeindebauten ohne Kunstwerke
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen sozialdemokratischer Stadtpolitik, Architektur und Kunst im sozialen Wohnbau des Wiener Gemeindebezirks Meidling in den 1920er und 1930er Jahren mit einem Fokus auf geschlechterhistorischen Aspekten.
7.7. George-Washington-Hof (1930)
Der größte kommunale Wohnbau in Wien-Meidling, der George Washington-Hof, kann ebenfalls mehrere interessante Kunstobjekte aufweisen. Zentral ist die von Josef Riedl 1930 geschaffene Terrakottaskulptur „Mutter mit zwei Kindern“. Diese ist über der Mutterberatungsstelle an der Triester Straße an prominenter Stelle angebracht. Eine Fensterumrahmung der Beratungsstelle zeigt Mütter und Kinder, ebenfalls von Josef Riedl. Die überlebensgroße Darstellung der „Mutter mit zwei Kindern“ spielt im Kanon „sozialistischer Hagiographie“ eine zentrale Rolle, was auch in der Anbringung hoch an der Fassade verdeutlicht wird. In solcher Art positionierte Objekte sollten ernster genommen werden, waren als idealisierte Abbilder der BewohnerInnen der neuen Wohnhöfe zu verstehen. Unverkennbar ist die Anlehnung an die ebenfalls von Josef Riedl 1925 geschaffene „Mutter“ Plastik im Linden-Hof (Wien XVIII.). Auf einem kleinen Podest präsentiert sich eine Frau mit schulterlangem, unbedecktem gewelltem Haar. Ihre Kleidung bedeckt sie komplett vom Hals an abwärts. Fest in ihren beiden Armen hält sie zwei kleine Kinder, die in ihren Umhang vollständig eingehüllt sind. Basierend auf dieser Beschreibung lässt sich dieses Objekt in die Kategorie der „Neuen Madonna“ einordnen und steht dabei in vollem Kontrast zum Objekt „Lesende“ (Abb. 27) im Lorens-Hof.
Die Frau hier ist im vollen Gewande dargestellt und repräsentiert die vorbildhafte, unschuldige Maria (Konnex zur Gemeinde Wien als „Magna Mater“ – Kap. 4.1). So alt diese Darstellungsform auch ist (vgl. bspw. die gotischen Mariendarstellungen, hier eignet sich besonders der Vergleich zu den Gewändefiguren im typischen Faltenstil an der Kathedrale von Chartres), so passend erscheint diese in der emanzipierten Gesellschaftsform des Roten Wien. Die Aktivität der Frau wurde in erster Linie in der Mutterrolle gesehen, eine liebende, schützende Mutter und das über den gesamten Zeitraum der Ersten Republik und über alle Gemeindebezirke. Wie bereits erwähnt, wurden sehr häufig, wie hier im George-Washington-Hof, Rückgriffe auf Mariendarstellungen, teilweise in sehr direkten Übernahmen eingesetzt. Schutz und Zuflucht sollen diese Objekte versinnbildlichen. An der hier betrachteten Mutter kommt dieser Schutz insbesondere durch die Ummantelung der Kinder sehr gut zum Ausdruck und wirkt wie eine Metamorphose eines schützenden Mantels (in Anlehnung an die Schutzmantelmadonna). Josef Riedl bringt gekonnt zwei Aspekte in Einklang: die behütende, liebende Mutter und das Moment der „Behüttung“, der Wohnung. Die „Mutter mit zwei Kindern“ wird zur Allegorie von Caritas und Domus.
1. Vorwort: Der Autor erläutert die historische Bedeutung des „Roten Wien“ und seine persönliche Motivation, das Leben im Gemeindebau durch die Analyse der dortigen Kunstwerke zu erschließen.
2. Einleitung: Hier wird der Untersuchungsgegenstand definiert, der sich auf figurale Kunstobjekte in Meidlinger Gemeindebauten zwischen 1919 und 1934 konzentriert, um deren ideologische und geschlechterhistorische Dimensionen zu erforschen.
3. Das Rote Wien: Dieses Kapitel beschreibt die politischen Rahmenbedingungen der Zwischenkriegszeit, insbesondere die sozialdemokratische Wohnbaupolitik und deren Zielsetzung zur Verbesserung der Lebensqualität der Arbeiterklasse.
4. Architektur und Kunst in Wien nach dem Ersten Weltkrieg: Der Text analysiert den Stilpluralismus der Architektur sowie die Funktion der Kunst am Bau als Instrument der Bewusstseinsbildung und Mäzenatentum der Stadtverwaltung.
5. Geschlechterrollen und -verhältnisse: Es wird die austromarxistische Frauenpolitik beleuchtet, die einerseits Forderungen nach Emanzipation stellte, andererseits das Modell der Kernfamilie und die Mutterrolle als Ideal festigte.
6. Gemeindebauten in Wien XII.: Dieses Kapitel gibt einen statistischen und inhaltlichen Überblick über die 31 im Untersuchungszeitraum errichteten Wohnbauten in Meidling und deren Ausstattung mit Kunstwerken.
7. Analyse der Kunstobjekte der Gemeindebauten in Wien XII.: Detaillierte Betrachtung einzelner Kunstwerke, unterteilt nach den betroffenen Wohnanlagen, wobei insbesondere Putti-Darstellungen und Frauenbilder interpretiert werden.
8. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die zentrale Bedeutung des sozialen Gedankens sowie die Ambivalenz zwischen künstlerischem Gestaltungsspielraum und parteipolitischen Idealen.
Rotes Wien, sozialer Wohnbau, Gemeindebau, Meidling, Architektur, Kunst am Bau, Putti, Frauenbilder, Geschlechterrollen, Austromarxismus, Sozialdemokratie, Familie, Ideologie, Bildhauerei, Wohnbaupolitik.
Die Bachelorarbeit untersucht die künstlerische Gestaltung an Gemeindebauten im 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling aus der Zeit zwischen 1919 und 1934 und setzt diese in Bezug zur sozialdemokratischen Politik des „Roten Wien“.
Die zentralen Felder sind die Verknüpfung von Architektur, Kunst und Sozialpolitik sowie die Darstellung von Geschlechterrollen (insbesondere Mutterbilder und kindliche Darstellungen) in der Ikonographie der Wiener Gemeindebauten.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Kunstobjekte als Medien der sozialistischen Stadtpolitik dienten und ob sich in ihnen die gesellschaftlichen Wertvorstellungen und das Familienverständnis der damaligen Zeit widerspiegeln.
Es handelt sich um eine historische, kunsthistorische und geschlechtergeschichtliche Analyse, die auf eigenen Fotografien und der Auswertung zeitgenössischer sowie wissenschaftlicher Literatur basiert.
Der Hauptteil widmet sich der politischen Einordnung des Roten Wien, den architektonischen Grundlagen, der Rolle der Frau und der detaillierten Analyse von 23 ausgewählten Kunstobjekten an verschiedenen Gemeindebauten in Meidling.
Wichtige Begriffe sind Rotes Wien, sozialer Wohnbau, Geschlechterrollen, Ikonographie, Putti, Arbeiterkultur und Architekturgeschichte der Ersten Republik.
Der Putto wurde von der sozialistischen Politik als „sozialistischer Mehrwertträger“ und Hoffnungsträger für die Zukunft gezielt instrumentalisiert, um in den Spielbereichen der Gemeindebauten sozialpädagogische Ziele zu vermitteln.
Die Frauenbilder werden primär als ambivalente Darstellung zwischen der „neuen Madonna“ und der „ewigen Eva“ interpretiert, wobei der Fokus fast durchgehend auf der Mutterrolle und der familiären Reproduktion liegt, während emanzipatorische Züge eher in den Hintergrund treten.
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