Bachelorarbeit, 2015
40 Seiten, Note: 2,0
1. Theoretische Aspekte
1.1. Das Volksmärchen
1.2. Warn- und Schreckmärchen
1.3. Der Wolf als Schreckgestalt
2. Charles Perrault – Ein Warnmärchen für die französische Oberschicht
3. Gebrüder Grimm – Das idealtypische Märchen
4. Ludwig Bechstein – Das Märchen als humoristische Unterhaltungsliteratur
5. Vergleich der Fassungen von Perrault, Grimm und Bechstein
5.1. Unterschiede am Anfang der Geschichte
5.2. Unterschiede im Gespräch mit dem Wolf
5.3. Unterschiede im Verhalten des Wolfes im Haus der Großmutter
5.4. Unterschiede am Ende
5.5 Unterschiede bei der Schreckgestalt des Wolfes
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, anhand des Märchens "Rotkäppchen" die inhaltliche und erzähltechnische Transformation des Stoffes über verschiedene Fassungen hinweg zu untersuchen und zu analysieren, wie sich das Wolfsmotiv in Abhängigkeit vom zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext gewandelt hat.
3. Gebrüder Grimm – Das idealtypische Märchen
Jakob und Wilhelm Grimm sind durch ihre „Kinder und Hausmärchensammlung“ mittlerweile auf der ganzen Welt bekannt. Die Sammlung der beiden Brüder begann 1806, als Jacob Grimm mit Clemens Brentano, der eine Märchenedition plante, in Kontakt kam. Bereits ein Jahr später fing Jakob Grimm mit seinem Bruder Wilhelm an, Texte, die für Brentano von Interesse waren, zu sammeln. Drei Jahre waren die Brüder damit beschäftigt die Märchen zu sammeln, bevor sie Brentano ein Manuskript mit 50 Texten schickten.
Brentano setzte seine Pläne nie um und die Gebrüder Grimm, die sich eine Abschrift des Manuskriptes angefertigt hatten, nutzten die gesammelten Märchen als Grundlage für ihre eigene Märchensammlung. Im Jahr 1812 erschien die erste Auflage der heute bekannten „Kinder- und Hausmärchen.“
Der erste Erfolg der Märchensammlung blieb aus. Erst 1825, als eine kleine Auswahl von Märchentexten erschien, konnten die „Kinder- und Hausmärchen“ die breite Bevölkerung erreichen. Fünfundzwanzig Jahre später erschien dann eine große Märchensammlung mit 200 Märchen und 10 Legenden. Der Erfolg der großen Ausgabe lässt sich jedoch nicht nur durch die vorhergegangene erfolgreiche kleine Ausgabe erklären, „sondern durch ein verändertes Leserverhalten und entsprechendes Publikumsinteresse.“
Obwohl die Gebrüder Grimm die Märchentexte mit dem Ziel gesammelt hatten die Volksmärchen möglichst getreu zu erhalten, hat besonders Wilhelm Grimm immer wieder Änderungen an den Texten vorgenommen. Die Grimms gaben zu, dass sie die Stoffe bearbeitet hatten, verteidigten dies jedoch dadurch, dass sie die Intention der Stoffe getroffen hätten. Sie wollten „aus dem Gehörten und Gelesenen exemplarische Texte verfassen, die ihrer Vorstellung von Volkstümlichkeit […] am besten entsprachen.“
1. Theoretische Aspekte: Definition und Merkmale des Volksmärchens sowie die Charakterisierung des Warn- und Schreckmärchens und des Wolfsmotivs als theoretische Grundlage.
2. Charles Perrault – Ein Warnmärchen für die französische Oberschicht: Untersuchung der französischen Fassung im Kontext der höfischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts.
3. Gebrüder Grimm – Das idealtypische Märchen: Analyse der Sammlung der Brüder Grimm als pädagogisch motivierte Fassung mit Fokus auf dem Reifungsprozess.
4. Ludwig Bechstein – Das Märchen als humoristische Unterhaltungsliteratur: Betrachtung der Fassung Bechsteins, die Unterhaltung und Sprachspiel in den Vordergrund stellt.
5. Vergleich der Fassungen von Perrault, Grimm und Bechstein: Synthese der Unterschiede und Gemeinsamkeiten hinsichtlich Erzählweise, Figurenkonstellation, Wolfsmotiv und didaktischer Zielsetzung.
Rotkäppchen, Gebrüder Grimm, Charles Perrault, Ludwig Bechstein, Märchen, Volksmärchen, Warnmärchen, Wolfsmotiv, Schreckgestalt, Pädagogik, Reifungsprozess, Literaturvergleich, Erzähltechnik, Motivgeschichte, Sozialgeschichte
Die Arbeit analysiert die inhaltliche und strukturelle Entwicklung des Märchens "Rotkäppchen" anhand der Fassungen von Charles Perrault, den Gebrüdern Grimm und Ludwig Bechstein.
Die zentralen Themen sind der Wandel des Wolfsmotivs, die Funktion des Märchens als pädagogisches Warnmärchen und der Einfluss gesellschaftlicher Kontexte auf die Erzählung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich das Märchen sprachlich und inhaltlich gewandelt hat und welche Lehren für welches Publikum in den verschiedenen Epochen vermittelt wurden.
Die Arbeit verwendet eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die Einzelanalysen der Texte mit der Betrachtung ihres historischen und gesellschaftlichen Kontextes verknüpft.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der drei gewählten Fassungen sowie einem umfassenden direkten Vergleich der Anfangsszenen, des Wolfsverhaltens und des Märchenendes.
Zu den Schlüsselwörtern gehören Rotkäppchen, Märchenvergleich, Wolfsmotiv, Warnmärchen und der jeweilige soziokulturelle Kontext der Autoren.
Perraults Version dient eher als aufklärerische Fabel mit expliziter Moral, die vor gesellschaftlichen Gefahren warnt, während spätere Fassungen wie die der Grimms pädagogische Reifungsprozesse in den Vordergrund stellen.
Der Jäger fungiert bei Grimm und Bechstein als Retterfigur und Vertreter des Guten, die das Überleben des Kindes sichert und somit den pädagogischen "Lerneffekt" (zweite Chance) ermöglicht.
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