Magisterarbeit, 2000
142 Seiten, Note: sehr gut
Einführung
1. Werbung als Teilsystem der Wirtschaft
1.1 Die Entstehung der Werbewirtschaft
1.2 Aufgabe und Ziel der Werbung
1.3 Zur gesellschaftlichen Werthaftigkeit der Güter
2. Werbung als Indikator sozialen und kulturellen Wandels
2.1 Werbung aus Sicht der Kreativen
2.2 Werbung als Spiegelbild der Gesellschaft?
2.3 Werbung und gesellschaftlicher Wandel
3. Gesellschaftliche Kontexte der 50er Jahre
3.1 Politische, wirtschaftliche und technische Entwicklungen
3.2 Alltag in den 50er Jahren
3.2.1 Die Mentalität der 50er Jahre
3.2.2 Geschlechterrollen, Wohnsituation und Individualverkehr
3.2.3 Kulturindustrie und Mode in den 50er Jahren
4. Werbung in den 50er Jahren
4.1 Werbegedichte, Konsumleitbilder und „mutti-kulturelle“ Epoche
4.2 „Mach mal Pause!“ – Ein Slogan trifft den Puls der Zeit
4.3 Werbefiguren der 50er Jahre
5. Gesellschaftliche Kontexte der 90er Jahre
5.1 Politische, wirtschaftliche und technische Entwicklungen
5.2 Individualisierung und Erlebnisorientierung
5.3 Geschlechterrollen und Werte in den 90er Jahren
6. Werbung in den 90er Jahren
6.1 Vom Konsumenten zum Prosumenten
6.2 Emotionale Werbung und Lifestyle-Werbung
6.3 Imagekampagnen
6.3.1 Sozial-verantwortliche Werbung
6.3.2 Anti-Werbung: Das Beispiel „Benetton“
7. Markennamen schreiben Geschichte
7.1 Werbespots der 50er und 90er Jahre im Vergleich
7.1.1 Marke „Rama“
7.1.2 Marke „Sanella“
7.1.3 Marke „Sunil“
7.1.4 Marke „Miele“
7.1.5 Marke „Mercedes-Benz“
7.2 Anzeigenwerbung im Stern
7.2.1 Allgemeine Entwicklungen im Stern
7.2.2 Anzeigen von 1957 und 1997 im Vergleich
7.2.2.1 Marke „AEG“
7.2.2.2 Marke „Miele“
7.2.2.3 Marke „Constructa“
7.2.2.4 Marke „Jockey“
7.2.2.5 Marke „Nivea“
7.2.2.6 Marke „Rama“
7.2.2.7 Marke „Mercedes-Benz“
8. Résumée der exemplarischen Untersuchung
8.1 Inhaltliche und formale Aspekte der Fernsehwerbung
8.2 Inhaltliche und formale Aspekte der Anzeigenwerbung
8.3 Allgemeine Tendenzen in Print- und Fernsehwerbung
Schlußwort
Die Arbeit untersucht, inwieweit Werbung als ein Indikator für sozialen und kulturellen Wandel in der Bundesrepublik Deutschland betrachtet werden kann. Durch eine inhaltlich-qualitative Analyse von Werbespots und Printanzeigen aus den 1950er und 1990er Jahren wird überprüft, wie sich gesellschaftliche Werte, Geschlechterrollen sowie wirtschaftliche und technische Rahmenbedingungen in Werbebotschaften widerspiegeln.
„Mach mal Pause!“ – Ein Slogan trifft den Puls der Zeit
In der Phase des Wiederaufbaus versuchten die Deutschen die verlorenen Kriegsjahre in jeder Beziehung wieder aufzuholen. Man suchte in einer abstrakten Modernität nach einem möglichen Neuanfang – meist angelehnt an das Vorbild Amerika. Da traf das Erfrischungsgetränk Coca-Cola mit seinem neuen Slogan „Mach mal Pause...“ mitten ins Herz der Konsumenten. Der Werbespruch erinnerte daran, daß gearbeitet wird, um zu leben. Die Coca-Cola-Werbung war für die Deutschen die Botschaft eines neuen Lebensstils.
Nach Rainer Gries et al. spiegelt der Mach-mal-Pause-Slogan der Coca-Cola-Werbung ein bedeutendes Stück Mentalitätsgeschichte der Nachkriegszeit wider. Bis weit in die 50er Jahre hinein blieben US-Produkte Kultgegenstände. Auch Coca-Cola war bekannt, wurde aber noch lange nicht alltäglich oder selbstverständlich konsumiert. Die Menschen arbeiteten seit Kriegsende emsig und ruhelos, um sich so schnell wie möglich das Ersehnte kaufen zu können. Bei führenden Angestellten brach die „Managerkrankheit“ aus. Arbeiter wurden zu Workaholics. Da schlugen plötzlich die drei Worte „Mal mal Pause!“ wie eine Bombe ein. Der Slogan war auf die Alltagsverhältnisse zugeschnitten, erinnerte die schuftenden Leute in Form eines Imperativs an das, was gefehlt hatte: nämlich die kurze Pause – ein Lichtblick im Arbeitsalltag.
1. Werbung als Teilsystem der Wirtschaft: Theoretische Einordnung der Werbung in den wirtschaftlichen Kontext basierend auf der Systemtheorie nach Niklas Luhmann.
2. Werbung als Indikator sozialen und kulturellen Wandels: Untersuchung der Hypothese, ob Werbung als Spiegel der Gesellschaft fungieren kann oder diese aktiv beeinflusst.
3. Gesellschaftliche Kontexte der 50er Jahre: Darstellung der politischen, wirtschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Bedingungen während des deutschen Wirtschaftswunders.
4. Werbung in den 50er Jahren: Analyse der typischen Merkmale und Strategien der Nachkriegswerbung, wie Konsumleitbilder und die Verwendung von Werbefiguren.
5. Gesellschaftliche Kontexte der 90er Jahre: Analyse des Wandels in Richtung Individualisierung und Erlebnisorientierung im Kontext der 90er Jahre.
6. Werbung in den 90er Jahren: Diskussion der zunehmenden Bedeutung von emotionalen Imagekampagnen und der "Social-Marketing"-Strategien.
7. Markennamen schreiben Geschichte: Empirischer Vergleich ausgewählter Werbespots und Anzeigen der 50er und 90er Jahre für bekannte Marken.
8. Résumée der exemplarischen Untersuchung: Zusammenfassende Darstellung der inhaltlichen und formalen Entwicklungen in Print- und Fernsehwerbung.
Werbegeschichte, Wirtschaftswunder, Konsumverhalten, Werbewirkung, sozialer Wandel, kultureller Wandel, Markenkommunikation, Fernsehwerbung, Printwerbung, Imagekampagnen, Erlebnisgesellschaft, Geschlechterrollen, 50er Jahre, 90er Jahre, Konsumgesellschaft.
Die Arbeit analysiert die Funktion von Werbung als Indikator für sozialen und kulturellen Wandel in Deutschland, indem sie zwei zeitlich weit voneinander entfernte Dekaden – die 1950er und die 1990er Jahre – miteinander vergleicht.
Zentrale Themen sind der Wandel der Konsumkultur, die Veränderung von Geschlechterrollen, die Entwicklung des "Wir-Gefühls" im Vergleich zum Individualismus und die Evolution der Werbesprache und -ästhetik.
Die Arbeit untersucht, ob und wie gesellschaftliche Entwicklungen in der Werbung korrespondieren und ob Werbung somit als Spiegel oder Indikator für sozialen und kulturellen Wandel dienen kann.
Die Autorin nutzt eine inhaltlich-qualitative Analyse von Werbespots und Printanzeigen (aus dem "Stern"), ergänzt durch eine theoretische Auseinandersetzung mit systemtheoretischen Ansätzen der Werbeforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung, eine Skizzierung der gesellschaftlichen Kontexte beider Dekaden und eine detaillierte, empirische Analyse von Werbemitteln für bekannte Marken wie Rama, Miele, Mercedes-Benz oder Sunil.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Werbegeschichte, Wertewandel, Erlebnisgesellschaft, Konsumverhalten und Zeitgeschichte beschreiben.
Während die 50er-Jahre-Werbung "Rama" als traditionelles Lebensmittel und "gute alte Zeit" in einem lehrhaften, informativen Kontext präsentierte, nutzt die 90er-Jahre-Werbung "Rama" in humorvollen Filmszenen als Lifestyle-Produkt innerhalb einer Familienidylle.
Das Umweltbewusstsein hat sich in den 90er Jahren als globaler gesellschaftlicher Wert etabliert. Unternehmen nutzen dieses als Marketing-Chance, um sich positiv zu positionieren und das Vertrauen des nun aufgeklärteren und kritischeren Konsumenten zu gewinnen.
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