Diplomarbeit, 2015
113 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
I. Theoretischer Teil
1 Begriffsbestimmung Mehrsprachigkeit
1.1 Zweisprachigkeit oder Mehrsprachigkeit?
1.2 Was ist Mehrsprachigkeit und wer ist mehrsprachig?
1.3 Maximalistischer und minimalistischer Ansatz
1.4 Art und Zeitpunkt des Mehrspracherwerbs
2 Voraussetzungen für einen gelingenden simultanen Mehrspracherwerb
2.1 Sprachinput
2.2 Sprachprestige und Einstellung zur Mehrsprachigkeit
2.3 Methoden einer simultan mehrsprachigen Erziehung
3 Mehrsprachiges Aufwachsen – eine Überforderung?
3.1 Mehrsprachigkeit und geistige Fähigkeiten
3.2 Mehrsprachigkeit im Gehirn
3.3 Mehrsprachigkeit: Je früher desto besser?
3.4 Mehrsprachigkeit und Sprachbesonderheiten
3.4.1 Sprachbalance: Starke und schwache Sprache
3.4.2 Das Umschalten: Sprachwechsel und Sprachmischung
3.4.3 Störungen und Verzögerung beim simultanen Mehrspracherwerb
3.4.4 Ähnlichkeit und Anzahl der Sprachen
4 Mehrsprachiges Aufwachsen, eine Chance für die Zukunft?
II. Empirischer Teil
5 Erhebungs- und Auswertungsverfahren
5.1 Die Forschungsmethode
5.2 Das Forschungsinstrument
5.2.1 Der Leitfaden
5.2.2 Konstruktion des Leitfadens
5.2.3 Darstellung des Leitfadens
5.3 Konstruktion der Stichprobe
5.4 Beschreibung der Stichprobe
5.5 Durchführung der Interviews
5.6 Aufbereitung und Auswertung verbaler Daten
5.6.1 Transkription
5.6.2 Auswertungs- und Analyseverfahren
5.7 Gütekriterien
5.7.1 Objektivität
5.7.2 Reliabilität
5.7.3 Validität
6 Darstellung der Forschungsergebnisse
6.1 Gründe für mehrsprachiges Aufwachsen
6.2 Erwartungen der Eltern an die Sprachbeherrschung
6.3 Methoden der Umsetzung in der Familie
6.4 Reaktionen aus der Umgebung
6.5 Herausforderungen und Besonderheiten in der Sprachentwicklung
III. Diskussion
Die Arbeit untersucht, ob das simultane Aufwachsen mit mehr als einer Sprache in der Familie eine Überforderung für das Kind darstellt oder als Chance für die Zukunft zu werten ist. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Mehrsprachigkeitsforschung mit den subjektiven Erfahrungen und Einschätzungen von binationale Familien zu verknüpfen, um Vorurteile zu hinterfragen.
3.1 Mehrsprachigkeit und geistige Fähigkeiten
In der Zeit „vom frühen 19. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre“ (Seupel, 2009, S. 34) waren Sprachwissenschaftler davon überzeugt, dass das Aufwachsen mit mehr als einer Sprache etwas „Unnatürliches“ sei (vgl. ebd., S. 17). Es wurde die Ansicht vertreten, dass Mehrsprachigkeit, im Vergleich zu Einsprachigkeit, negative Auswirkungen auf die Intelligenz und das Denken habe (vgl. Seupel, 2009, S. 34; Scharff Rethfeld, 2013, S. 48; Schneider, 2003, S. 36) und eine „unzumutbare Belastung und Überforderung“ für die Kinder darstelle (vgl. Triarchi-Hermann, 2006, S. 11, 85). Aus Blochers Sicht ist Mehrsprachigkeit eine Gefahr für „Körper, Leib und Seele“ (Blocher, 1982, S. 24). Diese negativen Urteile waren zu dieser Zeit nicht nur Hypothesen, sondern basierten auf internationalen empirischen Untersuchungen (vgl. Abdelilah-Bauer, 2008, S. 37; Porsché, 1983, S. 54).
In der frühen Phase der Mehrsprachigkeitsforschung, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wurden einsprachige und mehrsprachige Menschen anhand von Intelligenztests verglichen (vgl. Seupel, 2009, S. 34), so zum Beispiel in einer der bekanntesten Untersuchungen vom Waliser Linguisten Saer (1923), zu finden in Abdelilah-Bauer (2008, S. 37), Scharff Rethfeld (2013, S. 48) und Tracy und Gawlitzek-Maiwald (2000, S. 498). Es wurden 1400 einsprachig englische mit zweisprachig englisch-walisischen Kindern im Alter von sieben bis vierzehn Jahren durch eine Querschnittsstudie verglichen. Beide Gruppen sollten einen verbalen Intelligenztest in englischer Sprache absolvieren. Die einsprachigen Kinder erzielten, im Vergleich zu den zweisprachigen, einen um 10 Punkte höheren Mittelwert.
Einleitung: Einführung in das Thema Mehrsprachigkeit und Relevanz der Forschungsfrage im deutschen Kontext.
1 Begriffsbestimmung Mehrsprachigkeit: Definition und Abgrenzung der Konzepte von Zwei- und Mehrsprachigkeit.
2 Voraussetzungen für einen gelingenden simultanen Mehrspracherwerb: Analyse der Rahmenbedingungen wie Sprachinput und Erziehungsmethoden.
3 Mehrsprachiges Aufwachsen – eine Überforderung?: Historische und aktuelle wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Bedenken bezüglich Überforderung.
4 Mehrsprachiges Aufwachsen, eine Chance für die Zukunft?: Untersuchung potenzieller kognitiver und kommunikativer Vorteile.
5 Erhebungs- und Auswertungsverfahren: Dokumentation der qualitativen Forschungsmethode und der Leitfadeninterviews.
6 Darstellung der Forschungsergebnisse: Deskriptive Auswertung der Interviewergebnisse in Bezug auf die Hauptkategorien.
III. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse und Abgleich mit dem theoretischen Rahmen.
Mehrsprachigkeit, Erstspracherwerb, Zweitspracherwerb, Familie, Überforderung, Kognitive Entwicklung, Sprachinput, Qualitative Forschung, Leitfadeninterview, Sprachprestige, Sprachtrennung, Sprachmischung, Sprachförderung, Bilingualismus, Interkulturelle Identität
Die Diplomarbeit untersucht die Fragestellung, ob ein mehrsprachiges Aufwachsen in der Familie für Kinder eine Überforderung darstellt oder ob es eine Chance für ihre Zukunft bietet.
Die Arbeit behandelt die wissenschaftliche Definition von Mehrsprachigkeit, die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Erwerb, die Auseinandersetzung mit historischen Vorurteilen und die Analyse von Elternmeinungen.
Das Ziel ist es, gesellschaftliche Vorbehalte gegen eine mehrsprachige Erziehung wissenschaftlich zu prüfen und mit der subjektiven Lebensrealität gemischtsprachiger Familien abzugleichen.
Die Autorin nutzt qualitative Forschung, konkret wurden Leitfadeninterviews mit sechs gemischtsprachigen Familien geführt und mittels inhaltlich strukturierender Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil (Begriffe, Voraussetzungen, Überforderung, Chancen) und einen empirischen Teil (Erhebung, Auswertung, Ergebnisdarstellung der Interviews).
Wichtige Begriffe sind Mehrsprachigkeit, Spracherwerb, kognitive Entwicklung, Sprachinput, Sprachmischung, Code-Switching und elterliche Erziehungsmethoden.
Das Kapitel 6.3 zeigt, dass Sprachtrennung (z. B. durch das Prinzip "Eine Person – eine Sprache") dem Kind Struktur bietet, aber im Alltag oft durch soziale Dynamiken und Zeitmangel erschwert wird.
Die Mehrheit der befragten Eltern empfindet Mehrsprachigkeit als Bereicherung und nicht als Überforderung für das Kind, wenngleich sie den Alltag und die Sprachtrennung teilweise als herausfordernd für sich selbst beschreiben.
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