Bachelorarbeit, 2015
33 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Überblick und Auswahl
3 Iphis (9.666-797)
3.1 Einbettung im Werk
3.2 Gliederung des Mythos
3.3 Iphis‘ Name
3.4 Proömium und Verortung
3.5 Erscheinen der Isis und Zuspitzung durch Verlobung
3.6 Monolog
3.7 Zuspitzung der Verlobung, Anrufen der Isis und Erlösung
3.8 Epilog
4 Caeneus (12.171-209; 459-531)
4.1 Gliederung des Mythos
4.1.1 Einbettung im Werk
4.1.2 Der Mythos als Funktion
4.2 Caenis - Einführung, Vergewaltigung und Verwandlung
4.3 Caeneus - Verunglimpfung und Kampf gegen exzessive Männlichkeit
4.4 Epilog
5 Tiresias (3.316-338)
5.1 Einbettung im Werk
5.2 Vollständige Übersetzung
5.3 Tiresias Geschichte
5.4 Tiresias Ansicht
5.5 Epilog
6 Synopsis: Historischer Hintergrund und Ovids Verarbeitung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung von Geschlechtswechseln in den Metamorphosen des Ovid. Im Fokus steht dabei die Frage, wie der antike Autor diese Transformationen – insbesondere bei den mythologischen Figuren Iphis, Caeneus und Tiresias – motiviert, legitimiert und innerhalb der gesellschaftlichen sowie geschlechtsspezifischen Normen seiner Zeit wertet.
3.6 Monolog
Iphis wird also mit Ianthe verlobt, mit der sie neben Alter und Bildungsgrad auch äußerlich Ähnlichkeit aufzuweisen scheint (9.718ff.); die Gemeinsamkeiten zwischen den Mädchen scheinen noch keine Zweifel (von Außenstehenden) zu wecken, sondern eher ein Gradmesser dafür zu sein, wie gut sie zueinander passen. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, was auf den ersten Blick eine eher überraschende Wendung darstellt, denn ein zu erwartendes Szenario könnte auch eine Iphis sein, die zwar als Junge aufwächst, sich aber dennoch in einen Jungen verliebt. Diese Entwicklung verdeutlicht aber ihr eigentliches Dilemma: Iphis darf niemanden lieben - Mann wie Frau sind für sie verboten.
Während Ianthe nun der zeremoniellen Vereinigung entgegenfiebert, gilt Iphis‘ Verlangen hauptsächlich der körperlichen.
coniugium pactaeque exspectat tempora taedae, 722 quamque virum putat esse, virum fore credit Ianthe; Iphis amat, qua posse frui desperat, et auget hoc ipsum flammas, ardetque in virgine virgo, 725 vixque tenens lacrimas 'quis me manet exitus,' inquit 'cognita quam nulli, quam prodigiosa novaeque cura tenet Veneris? si di mihi parcere vellent, parcere debuerant; si non, et perdere vellent, naturale malum saltem et de more dedissent. 730 nec vaccam vaccae, nec equas amor urit equarum: urit oves aries, sequitur sua femina cervum. sic et aves coeunt, interque animalia cuncta femina femineo conrepta cupidine nulla est. […]
Die Ehe und den Augenblick der vereinbarten Vermählung sehnte Ianthe herbei und glaubte, dass ein Mann ist, die ihr Mann wird. Iphis liebt, was genießen zu können sie aufgibt, zugleich vermehrt eben dies ihre Glut und [so] entbrennt ein Mädchen für ein Mädchen. Während sie kaum ihre Tränen zurückhalten kann, sagt sie: „Was für ein Ende wartet auf mich, die von einer [sonst] keinem bekannten, die von einer ungeheuerlichen und neuartigen Liebe erfasst ist? Wenn die Götter mich schonen wollten, hätten sie mich [davon] verschonen müssen. Falls dem nicht so ist und sie mich zugrunde richten wollten, hätten sie mir wenigstens ein Übel gemäß natürlicher Sitte geben sollen. (731) Weder entbrennt die Liebe einer Kuh für eine Kuh noch die einer Stute für eine Stute. Die Schafe entbrennen für Widder, ein Hirsch folgt seinen Weibchen. So paaren sich auch Vögel und zwischen allen weiblichen Tieren wurde keines von einer Begierde für ein Weibchen ergriffen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Geschlechtswechsels ein und hinterfragt die antike Wahrnehmung von Geschlechterrollen im Kontext von Ovids Metamorphosen.
2 Überblick und Auswahl: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die fünf vorkommenden Geschlechtsumwandlungen im Gesamtwerk und begründet die Auswahl der für die Analyse relevanten Mythen.
3 Iphis (9.666-797): Die Analyse des Iphis-Mythos beleuchtet die Zuspitzung durch die Verlobung mit Ianthe und die moralische Dimension ihrer Verwandlung durch die Göttin Isis.
4 Caeneus (12.171-209; 459-531): Dieses Kapitel untersucht die Verwandlung von Caenis zu Caeneus, die Unverwundbarkeit als Ausdruck absoluter Männlichkeit und die Rolle im Kampf gegen die Centauren.
5 Tiresias (3.316-338): Hier wird der Streit zwischen Jupiter und Juno thematisiert, bei dem Tiresias als Richter fungiert, nachdem er selbst Erfahrungen in beiden Geschlechtern gesammelt hat.
6 Synopsis: Historischer Hintergrund und Ovids Verarbeitung: Die Synopsis fasst die Ergebnisse zusammen und bettet die Beobachtungen in den historisch-kulturellen Kontext der römischen Wertevorstellungen und Tugenden (virtus) ein.
Ovid, Metamorphosen, Geschlechtswechsel, Iphis, Caeneus, Tiresias, Gender, antike Geschlechterrollen, Mythologie, Transformation, Männlichkeit, Weiblichkeit, virtus, Metamorphose, antike Literatur.
Die Arbeit untersucht die Funktion, Legitimation und Darstellung von Geschlechtsverwandlungen innerhalb von Ovids Werk Metamorphosen anhand der exemplarischen Mythen um Iphis, Caeneus und Tiresias.
Im Zentrum stehen die antiken Konzepte von Männlichkeit und Weiblichkeit, die Rolle der Götter bei Transformationen sowie das Spannungsfeld zwischen individueller Identität und gesellschaftlichen Normen.
Die Arbeit fragt danach, ob Ovid mit diesen Mythen ein Vorreiter der Gender-Forschung war oder ob die Verwandlungen in ein festes antikes Rollenbild eingebettet sind, das durch göttliches Eingreifen legitimiert wird.
Der Autor verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den philologischen Kontext (semantische und syntaktische Analysen) sowie eine historische Einordnung in die augusteische Zeit kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Analysen zu den Mythen Iphis, Caeneus und Tiresias, in denen jeweils die Einbettung im Werk, die erzählerische Gliederung und die Rolle der Metamorphose diskutiert werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Metamorphose, virtus, pietas, Geschlechtsgrenzen, gesellschaftliche Normen und Rollenverständnis.
Der Mythos um Iphis wird aufgrund seiner besonderen Exemplarität gewählt, da er die Verwandlung als Belohnung für frommes und konformes Verhalten in den Vordergrund stellt und somit die soziale Dimension am deutlichsten macht.
Isis fungiert als göttliche Instanz, die das korrekte, tugendhafte Handeln von Telethusa und Iphis bewertet und durch die Metamorphose eine Lösung für ein unlösbares gesellschaftliches Dilemma bietet.
Die Verwandlung wird als Übergang von der "schönen, passiven Frau" zum "unverwundbaren, aktiven Mann" interpretiert, wobei Caeneus seine durch Neptun verliehene Unverwundbarkeit als Instrument männlicher Macht nutzt.
Tiresias agiert als Richter, der aufgrund seiner Erfahrung mit beiden Geschlechtern Expertise beweist. Seine Rolle wird dabei als eine stetige Aufwertung inszeniert, die jedoch durch Jupiters Entscheidung und Junos Strafe wieder in die geltende göttliche Hierarchie zurückgeführt wird.
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