Bachelorarbeit, 2015
86 Seiten, Note: 2.0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Vorbemerkung ̶ das Instrument Klavier
1 Einleitung
2 Die Disziplinarmacht nach Foucault
2.1 Das Konzept der Disziplinarmacht
2.2 Die Methoden der Disziplin als strategische Technologien der Disziplinarmacht
2.2.1 Die gelehrigen Körper: von Raumordnung, Zeitplanung, Übung und Programm
2.2.2 Die Mittel der guten Abrichtung : vom überwachendem Disziplinarblick über normierenden Sanktion bis Prüfung
3 Rolle und Funktion des Klaviers als Disziplinierungsmittel innerhalb der Institutionen Familie und Musik
3.1 ̶ beispielhaft erläutert am Leben und Wirken von Carl Czerny (*1791 Wien – gest. 1857 ebd.): das Klavierspielen als Arbeit, Programm, Beruf, Produktivität und Subjektivität
3.2 ̶ beispielhaft erläutert anhand zeitgenössischer Übebiographien: Gisela, Georg und Johnny
3.3 Zwischenfazit
4 Die Disziplinierungsfunktion des Klaviers in Jelineks Roman Die Klavierspielerin
4.1 Die Methoden der Disziplin in den Räumen mit Klavier
4.1.1 Der heimische Übungsraum I: das eigene Bauernhaus
4.1.2 Der Konzertraum: das private Kammerkonzert in einer Patrizierwohnung
4.1.3 Der heimische Übungsraum II: das Zuhause in Wien (1)
4.1.4 Der Probenraum
4.1.5 Der Unterrichtsraum im Konservatorium
4.1.6 Der heimische Übungsraum II: das Zuhause in Wien (2)
4.1.7 Das Kabinett der Putzfrauen im Konservatorium
4.1.8 Der heimische Übungsraum II: das Zuhause in Wien (3)
4.2 Die Räume ohne Klavier ̶ Räume ohne die Methoden der Disziplin?
4.2.1 Die Straßenbahn: zwischen Verstößen gegen die Methoden der Disziplin und dem selbsterzeugten Ausschluss
4.2.2 Die Peep-Show und die Wiener Praterauen: zwischen exponentiell gesteigerter räumlicher Enge als Selbstbestrafung und aktivem Handeln
4.2.3 Umkleideraum und Jungenklo: zwischen Aggression, Unterwerfung, Kontrolle und Dominanz
4.2.4 Im Stadtpark: zwischen Herrschaftsfantasie und Selbstzüchtigung
5 Fazit
Die Arbeit untersucht das Klavier als Disziplinierungsmittel im Roman Die Klavierspielerin von Elfriede Jelinek unter Anwendung der machttheoretischen Konzepte von Michel Foucault. Ziel ist es, die Rolle und Funktion des Instruments als integralen Bestandteil der Disziplinierung und Subjektivierung der Protagonistin und ihrer Schüler sowie als raumbildendes Element der Macht zu analysieren.
4.1.1 Der heimische Übungsraum I: das eigene Bauernhaus
Erika muss nicht nur zuhause üben, auch in den Ferien ist Üben Pflicht. In den sehr ausgedehnt dargestellten wenigen Tagen der Sommerferien im eigenen Bauernhaus ̶ dieser Abschnitt entspricht 10 von 284 Seiten im Buch ̶ lässt sich essentiell die Disziplinierung der jungen Erika mithilfe des Disziplinierungsmittels Klavier aufzeigen. Das Üben im Urlaub kann als die Zuspitzung des täglichen Übens von Erika verstanden werden.
Zunächst wird eine Raumordnung erzeugt: „Der Habicht Mutter und der Bussard Omutter verbieten dem ihnen anvertrauten Kind das Verlassen des Horstes.“ Mutter und Großmutter stehen also gemeinsam an der Hierarchiespitze und die Überwachung ist damit eine Doppelte. Sie können Erika Anweisungen geben, denen zu folgen ist, da das Herumflanieren dem Musikstudieren schadet. Der Raum zum Üben wird geschildert wie eine Klosterzelle, er ist vergittert, der lichtabhängig auftretende Gitterschatten wird dramatisch beschrieben als „ein Kreuz, das dem bunten Treiben draußen vorgehalten wird wie ein Vampir, der Blut saugen möchte.“ Das vermeintlich Böse ist demnach draußen, die Festsetzung Erikas ein Schutz dagegen. Mutter als auch Großmutter werden als Raubvögel, die für ihren scharfen Blick bekannt sind, bezeichnet ̶ was nichts anderes bedeutet, als dass sie Erika mit einem allumfassenden Blick ständig überwachen und auch für die Durchsetzung der Disziplinen sorgen. Erikas Eifer soll sich ausschließlich auf das Klavier richten, und nicht auf junge Männer, was die Mutter Erika auch nicht durchgehen lassen würde. Über das Disziplinierungsmittel Klavier kann die Mutter somit auch in Erikas Sexualleben reglementierend eingreifen, indem sie sie absondert und auf den Klavierraum fixiert. Der intertextuelle Bezug zu Czernys Biographie tritt hier erstmalig deutlich zutage und wird noch den gesamten Text hindurch zu beobachten sein.
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die These auf, dass das Klavier im Roman als Disziplinierungsmittel fungiert, und verortet die Analyse im Kontext von Michel Foucaults machttheoretischen Ansätzen.
2 Die Disziplinarmacht nach Foucault: Dieses Kapitel erläutert Foucaults Konzepte der Disziplinarmacht und der Mikrophysik der Macht als theoretische Grundlage für die Untersuchung.
3 Rolle und Funktion des Klaviers als Disziplinierungsmittel innerhalb der Institutionen Familie und Musik: Anhand der Biographie von Carl Czerny und zeitgenössischer Übebiographien wird die Funktion des Klaviers als Disziplinierungsmittel historisch und soziologisch kontextualisiert.
4 Die Disziplinierungsfunktion des Klaviers in Jelineks Roman Die Klavierspielerin: Das zentrale Kapitel analysiert die verschiedenen Räume des Romans, in denen Disziplin durch das Klavier erzeugt, verhandelt oder subversiv unterlaufen wird.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt das Klavier als Dispositiv, das sowohl auf den Körper als auch auf den Geist einwirkt.
Elfriede Jelinek, Die Klavierspielerin, Michel Foucault, Disziplinarmacht, Mikrophysik der Macht, Klavier, Disziplinierungsmittel, Raumordnung, Subjektivierung, Körperdressur, Machtverhandlung, Literaturwissenschaft, Raum-Macht-Konstellationen, Groteske, Carl Czerny.
Die Arbeit analysiert die Funktion des Klaviers in Elfriede Jelineks Roman "Die Klavierspielerin" als Instrument der Disziplinierung unter Anwendung der machttheoretischen Konzepte von Michel Foucault.
Die Themen umfassen Disziplinartechniken, Raumkonzepte, Körperpolitik und die Erzeugung von Wissen und Macht in musikalischen Institutionen und der Familie.
Es wird untersucht, wie das Klavier als "Disziplinierungsmittel" dient, um das Individuum zu dressieren, zu kontrollieren und zu normieren.
Die Autorin nutzt das von Michel Foucault in "Überwachen und Strafen" entwickelte Instrumentarium der Disziplinarmacht, um literarische Räume im Roman als Macht- und Disziplinarräume zu dechiffrieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung (Foucault), eine historische Herleitung anhand der Biographie von Carl Czerny und eine detaillierte Raumanalyse im Roman, unterteilt in Räume mit und ohne Klavier.
Wichtige Begriffe sind Macht, Disziplin, Raumordnung, Klavier, Jelinek, Subjektivierung und Mikrophysik der Macht.
Während Gisela den Klavierunterricht als gewaltsame Einengung und Gefängnis empfindet und Widerstand leistet, ordnet sich Georg dem Klavierunterricht mit einer fast spirituellen Hingabe und dem Wunsch unter, ein "besserer Mensch" zu werden.
Der Disziplinarblick ist ein ständiges Kontrollinstrument der Mutter oder des Klavierlehrers, das die Protagonistin Erika Kohut und ihre Schüler dazu zwingt, sich im Sinne der erlernten Normen selbst zu disziplinieren.
Das Zuhause wird als ein Ort der intensiven Überwachung und Raumfestsetzung beschrieben, in dem das Klavier als zentrales Mittel fungiert, um Erika Kohuts gesamtes Leben zu kontrollieren.
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