Bachelorarbeit, 2015
41 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Hochbegabung – Definition
3. Deutschland - ein "Entwicklungsland" der Hochbegabtenförderung?
3.1 Die Aussagen der Fachliteratur
3.2 Die Stimmen der Hochbegabten-Interessenverbände
3.3 Gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen - das Problem mit dem Begriff „Elite"
3.4 Die Kulturhoheit der Länder als Problem einer Förderung auf nationaler Ebene
3.5 Die Rolle des dreigliedrigen Schulsystems
3.6 Die deutsche Aversion gegen Internate
3.7 Ungenügende Ausbildung der Lehrer bezüglich Erkennen und Förderung der Hochbegabung
3.8. Pädagogische Probleme: Das Überspringen der Klasse
3.9 Ungenügende Angebote der Schulen bezüglich Förderung Hochbegabter
4. Zusammenfassung und abschließende Thesen
Die Bachelorarbeit untersucht kritisch die aktuelle Situation der Hochbegabtenförderung im deutschen Schulsystem. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob hochbegabte Schüler tatsächlich unzureichend gefördert werden, welche Gründe hierfür in der Fachliteratur sowie durch Interessenverbände identifiziert werden und welche bildungspolitischen Kurskorrekturen notwendig sind.
3.3 Gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen - das Problem mit dem Begriff „Elite"
"Haben hochbegabte Kinder [...] weniger soziale Schwierigkeiten in Gesellschaften, in denen Hochbegabung positiver besetzt ist als in Deutschland?"56. Die (rhetorische) Frage Gaucks weist auf ein Problem hin, das nicht die Bildungspolitik an sich betrifft, sondern Mentalitäten und Einstellungen in der Gesamtgesellschaft berührt. Der Begriff "Elite", der gedanklich nämlich mit Hochbegabung assoziiert wird57, ist in Deutschland negativ besetzt, demzufolge wird sogar oft von "besonderer Begabung" gesprochen, um das Wort "Hochbegabung" zu vermeiden58.
Urban kennzeichnet die Ablehnung der Elite als "typisch deutsches Problem" und führt sie auf die jüngere deutsche Vergangenheit zurück, als furchtbarer Missbrauch mit planmäßiger Elitebildung getrieben wurde59, und befindet sich dabei in Übereinstimmung mit Grobel, die eine ungelöste historische Belastung des Elite Begriffs feststellt, "der seinen peinlichen und folgenwirksamen Beigeschmack in der Zeit des Dritten Reiches erhielt"60. Tatsächlich hatte das NS-Regime sogenannte Nationalpolitische Erziehungsanstalten und Adolf-Hitler-Schulen ins Leben gerufen, um zukünftigen Führernachwuchs auszubilden; ein Kriterium der Auswahl bildete die "Rassereinheit", die als so wichtig betrachtet wurde, dass geistigen und charakterlichen Eigenschaften wesentlich geringere Bedeutung beigemessen wurde61.
Aus dem vordergründig schlüssigen Gedanken, dass Hochbegabte sowieso schon bevorteilt sind62, leitet sich für viele die Schlussfolgerung ab, dass sie somit keiner Förderung bedürfen; ganz im Gegenteil "konzentrierte man sich in Deutschland lange Zeit auf die Förderung leistungsschwächerer Kinder. Hochbegabte galten als ohnehin privilegiert, somit erschien eine besondere Förderung nicht erforderlich."63
1. Einleitung: Einführung in das Thema und Formulierung der Fragestellung zur Hochbegabtenförderung in Deutschland.
2. Hochbegabung – Definition: Erörterung verschiedener wissenschaftlicher Definitionen und Begabungsbereiche.
3. Deutschland - ein "Entwicklungsland" der Hochbegabtenförderung?: Systematische Untersuchung der Kritik an der aktuellen Förderpraxis in Deutschland.
3.1 Die Aussagen der Fachliteratur: Darstellung der fachwissenschaftlichen Positionen zur unzureichenden Förderung.
3.2 Die Stimmen der Hochbegabten-Interessenverbände: Analyse der Forderungen und Argumentationen von Verbänden wie Mensa.
3.3 Gesamtgesellschaftliche Rahmenbedingungen - das Problem mit dem Begriff „Elite": Untersuchung der negativen Konnotation des Elitebegriffs in der deutschen Gesellschaft.
3.4 Die Kulturhoheit der Länder als Problem einer Förderung auf nationaler Ebene: Erörterung der Auswirkungen des Bildungsföderalismus auf einheitliche Förderstandards.
3.5 Die Rolle des dreigliedrigen Schulsystems: Analyse der separativen Wirkung des gegliederten Schulwesens.
3.6 Die deutsche Aversion gegen Internate: Vergleich der deutschen Schulkultur mit internationalen Traditionen, insbesondere in England und Frankreich.
3.7 Ungenügende Ausbildung der Lehrer bezüglich Erkennen und Förderung der Hochbegabung: Identifikation von Defiziten in der Lehrerausbildung und deren Einfluss auf die Unterrichtspraxis.
3.8. Pädagogische Probleme: Das Überspringen der Klasse: Untersuchung von Akzelerationsmaßnahmen und deren Hindernissen.
3.9 Ungenügende Angebote der Schulen bezüglich Förderung Hochbegabter: Betrachtung alternativer Förderkonzepte wie Enrichment.
4. Zusammenfassung und abschließende Thesen: Fazit der Arbeit mit Ausblick auf notwendige strukturelle Reformen.
Hochbegabung, Begabtenförderung, Bildungsföderalismus, Elitebegriff, Akzeleration, Enrichment, Hochbegabten-Interessenverbände, Lehrerausbildung, schulische Segregation, Underachiever, Bildungsreform, Begabungsdiagnostik, Schulsystem, Leistungsförderung, Integration.
Die Arbeit analysiert die aktuelle Situation der Hochbegabtenförderung in Deutschland und untersucht, warum diese oft als unzureichend bewertet wird.
Zentrale Themen sind die fachliterarische Kritik, der gesellschaftliche Umgang mit dem Elitebegriff, der Bildungsföderalismus, die Ausbildung von Lehrkräften sowie spezifische Fördermaßnahmen wie das Überspringen von Klassen.
Das Ziel ist es, die Gründe für die beklagte ungenügende Förderung zu identifizieren und zu prüfen, inwieweit diese durch fachliche, strukturelle oder gesellschaftliche Faktoren in Deutschland bedingt sind.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Auswertung aktueller Fachliteratur, Positionspapieren von Interessenverbänden und statistischen Daten basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die von Begriffsdefinitionen über strukturelle Probleme des föderalen Systems bis hin zur Analyse spezifischer Fördermaßnahmen wie Akzeleration und Enrichment reichen.
Wichtige Schlagworte sind Hochbegabung, Bildungsföderalismus, Elitebegriff, Akzeleration, Enrichment und Lehrerausbildung.
Die Autorin stellt fest, dass der Begriff historisch belastet und in der Gesellschaft negativ besetzt ist, was eine effektive Hochbegabtenförderung oft behindert, da diese fälschlicherweise als "elitär" stigmatisiert wird.
Obwohl es eine gut erforschte Maßnahme ist, wird sie von Eltern und Lehrern aufgrund von Vorurteilen und Befürchtungen bezüglich sozialer Überforderung kaum angewendet.
Die Arbeit identifiziert erhebliche Defizite in der Lehrerausbildung hinsichtlich der Erkennung und Förderung hochbegabter Schüler, was Lehrkräfte oft überfordert und die Förderung von individuellem Engagement der Lehrperson abhängig macht.
Der Föderalismus führt zu einer Zersplitterung der Zuständigkeiten, was die Vergleichbarkeit der Angebote zwischen den Bundesländern erschwert und zu einer uneinheitlichen Qualität der Förderung beiträgt.
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