Bachelorarbeit, 2015
40 Seiten, Note: 1.0
I. Einleitung
II. Ideologische Vorprägung: Die Etablierung des Osteuropabegriffs
III. Das Fach als ideologischer Partner im Kalten Krieg
1. Wiederetablierung des Fachs in Westdeutschland
2. Die Verwendung des Osteuropabegriffs in der Wissenschaft
3. Osteuropaforschung in den 1950er Jahren
4. Paradigmenwechsel der Forschung ab den 1960er Jahre
5. verdeckter Antikommunismus in der Publizistik Klaus Mehnerts
IV. Osteuropaforschung nach dem Zusammenfall der Sowjetunion
V. Fazit
VI. Literatur- und Quellenverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und ideologische Funktionalisierung der westdeutschen Osteuropaforschung während des Kalten Krieges sowie die Herausforderungen der Disziplin nach 1990. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern das Fach als ideologischer Partner der Politik agierte und inwieweit stereotype Vorstellungen über Osteuropa zur Legitimierung politischer Ziele instrumentalisiert wurden.
3. Osteuropaforschung in den 1950er Jahren
Wie bereits erwähnt, wurden mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht gänzlich alle Brücken zum Nationalsozialismus abgebrochen – besonders nicht die, die den Übergang der Osteuropäischen Geschichte zur NS-Zeit bildeten. Durch den sich verschärfenden Ost-West-Konflikt Ende der 1940er Jahre stand eine Debatte über die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Beschäftigung über die Sowjetunion sowohl in West- als auch in Ostdeutschland außer Frage. Osteuropa war nicht mehr ein fernes Untersuchungsobjekt. Der Osten Deutschlands war durch die Sowjetunion besetzt, so dass es unmöglich war, sich der Beschäftigung mit Osteuropa zu entziehen.
Die Oder-Neiße-Grenze, die als vorläufige neue Ostgrenze festgelegt und damit den Verlust der deutschen Gebiete markierte, wurde von der Bevölkerung nicht ohne weiteres akzeptiert. Ein Hauptaugenmerk der Forschung lag zu Beginn auf gegenwartsbezogenen Themen, was vor allem auch den Vorteil hatte, die Notwenigkeit der Forschung zu legitimieren. Jedoch mangelte es an geeigneten Wissenschaftlern, die die Arbeit der Forschung wieder aufnehmen konnten. Vertreter dieses Forschungsschwerpunktes waren unter anderem nationalsozialistisch vorbelastete Wissenschaftler wie Hermann Aubin oder Peter-Heinz Seraphim.
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt die These der Arbeit, dass die Osteuropaforschung während des Kalten Krieges politisch instrumentalisiert wurde und auf bestehende stereotype Vorurteile zurückgriff.
II. Ideologische Vorprägung: Die Etablierung des Osteuropabegriffs: Dieses Kapitel untersucht die Entstehung des negativen Osteuropabildes und des Ost-West-Dualismus im 19. Jahrhundert als Grundlage für spätere ideologische Konfigurationen.
III. Das Fach als ideologischer Partner im Kalten Krieg: Hier wird die personelle und inhaltliche Kontinuität nach 1945 sowie die enge Verzahnung von Wissenschaft und Politik in Westdeutschland analysiert, wobei auch der Publizist Klaus Mehnert detailliert betrachtet wird.
IV. Osteuropaforschung nach dem Zusammenfall der Sowjetunion: Das Kapitel thematisiert die Zäsur von 1989/91 und die daraus resultierende Notwendigkeit der Disziplin, sich neu zu erfinden und ihre Relevanz in einer veränderten Weltordnung unter Beweis zu stellen.
V. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Osteuropaforschung trotz eines Paradigmenwechsels ab den 1960er Jahren die Gefahr der ideologischen Verquickung bis in die Gegenwart nicht vollständig überwinden konnte.
VI. Literatur- und Quellenverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Literatur und Primärquellen.
Osteuropaforschung, Kalter Krieg, Ideologisierung, Westdeutschland, Totalitarismus, Ost-West-Konflikt, Nationalsozialismus, Klaus Mehnert, Stereotype, Abendland-Ideologie, Osteuropabegriff, Transformationsforschung, Geschichtswissenschaft, Paradigmenwechsel, Sowjetunion.
Die Arbeit untersucht, wie das Fach der Osteuropaforschung in Westdeutschland nach 1945 politisch und ideologisch funktionalisiert wurde, um den Herausforderungen des Kalten Krieges zu begegnen.
Zentrale Themen sind die Wiederetablierung des Fachs unter personeller Kontinuität zum Nationalsozialismus, die Konstruktion von Feindbildern im Ost-West-Konflikt und der Wandel der Forschung nach 1990.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie wissenschaftliche Forschung und politische Interessen interagierten und inwiefern stereotype Vorurteile über den "Osten" als Instrumente zur Legitimation politischer Strategien genutzt wurden.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die zentrale Forschungsbeiträge und zeitgenössische Publikationen vergleicht, um die Entwicklung des Fachverständnisses nachzuzeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Wiederetablierung nach 1945, den Paradigmenwechsel ab den 1960er Jahren, eine Fallstudie zu Klaus Mehnert sowie die Analyse der Fachdebatten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion.
Zu den prägenden Begriffen gehören Ideologisierung, Kalter Krieg, Totalitarismustheorie, Osteuropaforschung, Antikommunismus und fachliche Selbstreflexion.
Mehnert dient als beispielhafte Fallstudie, um zu verdeutlichen, wie ein renommierter Akteur durch die Nutzung von Reiseberichten und Anekdoten latenten Antikommunismus verbreiten konnte, während er gleichzeitig vorgab, als Beobachter objektiv zu sein.
Die Autorin stellt fest, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion eine Zäsur darstellte, die eine kritische Selbstreflexion auslöste, jedoch bleibt die Disziplin weiterhin in Gefahr, sich politischen Interessen unterzuordnen, wie aktuelle Debatten zum Ukraine-Konflikt zeigen.
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