Bachelorarbeit, 2013
43 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
1.1 Begründung der Arbeit
1.2 Vorgehen / Methode
2 Kinder- und Jugendliteratur – eine Definition
3 Die Kunsterziehungsbewegung
3.1 Ziele und Einflüsse dieser Bewegung auf Jugendschriften um 1900
3.2 Wichtiger Vertreter der Kunsterziehungsbewegung
3.2.1 Alfred Lichtwark (1852-1914)
3.2.2 Heinrich Wolgast (1860-1920)
4 Die Reformpädagogik
4.1 Ziele und Einflüsse dieser Bewegung auf Jugendschriften um 1900
4.2 Wichtiger Vertreter der Reformpädagogik
5 Hamburger Jugendschriftenausschuss
6 Ausgewählte Jugendschriften – eine Gegenüberstellung
6.1 Pole Poppenspäler (1898) von Theodor Storm
6.2 Fitzebutze 1900 von Richard Dehmel
6.3 Berni (1909) von Heinrich Scharrelmann
7 Zusammenfassung / Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Diskussion um Kinder- und Jugendliteratur am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Dabei wird analysiert, wie die Kunsterziehungsbewegung und die Reformpädagogik mit ihren Forderungen an Jugendschriften interagierten, sich voneinander abgrenzten und welche Gemeinsamkeiten sie aufwiesen, insbesondere im Kontext der Arbeit des Hamburger Jugendschriftenausschusses.
Die Kunsterziehungsbewegung
Ende des 19. Jahrhunderts begann eine Kulturbewegung, die neben der Kunst und dem Kunstgewerbe auch viele andere Bereiche des Lebens, wie z.B. Kunsthallen, Lesehallen oder Schulen umfasste (vgl. Wilkending 1980: 86f).
Die Kunsterziehungsbewegung um 1900 war eine kulturkritische Gegenbewegung zum Materialismus der Gründerzeit, berichtet Schmidt-Dumont. Sie richtete sich gegen die rational bestimmten Methoden und Lerninhalte an den Schulen zu der damaligen Zeit (vgl. Schmidt-Dumont 1990: 56). Geralde Schmidt-Dumont führt aus, die Kunsterziehungsbewegung setzte sich dafür ein, im Unterricht nicht nur auf den intellektuellen Aspekt der Literatur einzugehen, sondern diese dem Schüler mit allen Sinnen und Gefühlen erlebbar zu machen.
Die Bewegung ersetzte die Religion als Normlieferant durch die Kunst und die Ansicht, Kunsterziehung sei nicht nur Fach- sondern Lebenserziehung, die fächerübergreifend und möglichst früh an das Kind herangetragen werden sollte (vgl. Schmidt-Dumont 1990: 56). Die Kunsterziehungsbewegung war, entgegen aller Widerstände, der Beginn der Befürwortung tendenzfreier Literatur (vgl. Interview I: 29:07-29:18).
Da sich die Kunsterziehungsbewegung insbesondere mit dem ästhetischen Aspekt der Kindeserziehung, nicht aber mit einer umfassenden Reform von Schule beschäftigte, nimmt diese einen geringeren Teil meiner Arbeit ein, als die Reformpädagogik sowie die Arbeit der Jugendschriftenausschüsse im Folgenden. Der Einfluss der Kunsterziehungsbewegung auf die Kinder- und Jugendliteratur soll in den anschließenden Unterpunkten durch die Arbeit ihrer Vertreter dargestellt werden.
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der methodischen Vorgehensweise bei der Untersuchung der Jugendliteraturdiskussion um 1900.
2 Kinder- und Jugendliteratur – eine Definition: Erläuterung der verschiedenen Verständnisse von Kinderliteratur und deren Entwicklung hin zur eigenständigen Publikationssparte.
3 Die Kunsterziehungsbewegung: Darstellung der kulturkritischen Bewegung, ihrer Ziele und der zentralen Rolle von Alfred Lichtwark und Heinrich Wolgast.
4 Die Reformpädagogik: Analyse der Gegenbewegung zur Kunsterziehung, die das Kind und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt der pädagogischen Betrachtung rückte.
5 Hamburger Jugendschriftenausschuss: Untersuchung der Gründung und Wirksamkeit des Ausschusses bei der Verbreitung empfehlenswerter Literatur.
6 Ausgewählte Jugendschriften – eine Gegenüberstellung: Analyse der Werke "Pole Poppenspäler", "Fitzebutze" und "Berni" als Beispiele für kontroverse literarische Positionen.
7 Zusammenfassung / Fazit: Synthese der Ergebnisse über die Verschränkung künstlerischer und reformpädagogischer Ansätze in der Literaturkritik.
Kunsterziehungsbewegung, Reformpädagogik, Jugendschriftenausschuss, Heinrich Wolgast, Alfred Lichtwark, Heinrich Scharrelmann, Jugendliteratur, Literaturkritik, Schundliteratur, Kindzentrierung, Altersmundart, Jahrhundertwende, Hamburger Jugendschriften-Warte, Bildungsauftrag, Ästhetik.
Die Arbeit befasst sich mit der Diskussion um Kinder- und Jugendschriften um das Jahr 1900 und dem Spannungsfeld zwischen der Kunsterziehungsbewegung und der Reformpädagogik.
Zentrale Themen sind die Rolle von Literaturkritik, die ästhetische Erziehung, die Bedeutung des Kindes in der Bildung sowie die institutionelle Arbeit der Hamburger Jugendschriftenausschüsse.
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Forderungen und der Jugendschriftenkritik der beiden genannten Bewegungen herauszuarbeiten.
Die Autorin nutzt die qualitative Forschungsmethode durch das Heranziehen und Analysieren repräsentativer Primär- und Sekundärliteratur sowie ergänzender Experteninterviews.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Bewegungen (Kunsterziehung und Reformpädagogik), die institutionelle Analyse des Jugendschriftenausschusses und die vergleichende Untersuchung dreier konkreter Werke.
Kernbegriffe sind Kunsterziehungsbewegung, Reformpädagogik, Jugendschriftenausschuss, Heinrich Wolgast, Kindzentrierung und Literaturkritik.
Während Lichtwark das Kunstwerk als unangreifbar und erhaben sah, forderten Reformpädagogen eine kindgerechte Literatur und erkannten sogar das Kind als eigenen Schöpfer und Künstler an.
Scharrelmann wird als Lehrerautor und Vertreter der Reformpädagogik hervorgehoben, der mit seinen eigenen Werken aktiv versuchte, die Lebenswelt und Bedürfnisse von Kindern direkt in die Literatur zu integrieren.
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