Diplomarbeit, 2004
73 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Jugend auf der Suche – Die Lebenslagen von Jugendlichen zu Beginn des 21. Jahrhunderts
3. Neue Chancen – Alte Zwänge – Die Lebenslagen von schwulen, lesbischen und bisexuellen Jugendlichen
4. Zielgruppenspezifische Jugendarbeit für homosexuelle Jugendliche
5. Sozialpädagogische Rahmenkonzepte für die schwul- lesbische Jugendarbeit
5.1. Alltags- und Lebensweltorientierung
5.2. Biographisch orientierte Sozialarbeit
5.3. Empowerment
5.4. Milieubildung / Netzwerkorientierung
6. Angebote für schwule und lesbische Jugendliche
6.1. Das Angebot eines sozialen Ortes und die Anforderungen an den Sozialpädagogen
6.2. Beratung im Rahmen der Offenen Jugendarbeit
6.2.1. Lösungsorientierte Beratung als ein effizientes Beratungskonzept
7. Weitere und ergänzende Angebote
8. Die gesetzliche Grundlage – Das SGB VIII
9. Kommune und Land als öffentlicher Träger der Jugendhilfe
10. Referate für gleichgeschlechtliche Lebensformen
11. Akteure im Sozialstaat und ihre Zusammenhänge
12. Umgang mit Homosexualität in der Gesellschaft
13. Parteien und Stellung zu Schwulen und Lesben im Sozialstaat
14. Bestehende Angebote und deren Erfahrungen
15. Wichtige Maßnahmen zur Umsetzung einer schwul- lesbischen Jugendeinrichtung
Die Diplomarbeit untersucht die Notwendigkeit und Gestaltung zielgruppenspezifischer Angebote der Jugendarbeit für schwule und lesbische Jugendliche, die aufgrund gesellschaftlicher Tabuisierung häufig von Isolation und Diskriminierung betroffen sind. Das primäre Ziel ist es, ein sozialpädagogisches Konzept zu entwickeln und aufzuzeigen, wie dieses im Rahmen der deutschen Jugend- und Sozialpolitik praxisnah umgesetzt werden kann.
6.2.1. Lösungsorientierte Beratung als ein effizientes Beratungskonzept
Als Beratungskonzept für die Beratung von lesbischen und schwulen Jugendlichen im Rahmen der offenen Jugendarbeit möchte ich die Lösungsorientierte Beratung vor allem deshalb anbieten, da die personelle Ausstattung in Jugendeinrichtungen es häufig nicht zulässt langwierige Beratungsprozesse zu begleiten. Die Lösungsorientierte Beratung bietet hier eine effektive und sinnvolle Möglichkeit die Adressaten adäquat zu unterstützen. In der Lösungsorientierten Beratung geht es darum „Lösungen zu konstruieren, statt Probleme zu analysieren“ (Bamberg nach Sickendiek u.a., 2001, 85). Damit geht ein Perspektivwechsel, vor allem auch in der Sprache einher. Anstatt sich lange mit der „Problemsprache“ bei der „Problemthematisierung“ im „Problemraum“ zu beschäftigen, zielt die Lösungsorientierte Beratung darauf ab, möglichst schnell den Problemraum zu verlassen und den „Lösungsraum“ zu betreten, um hier gemeinsam mit dem Ratsuchenden nach Lösungen zu suchen.
Charakteristisch für dieses Konzept ist es, dass von Beginn des Beratungsprozesses an die Lösungen und nicht die Problemanalyse im Vordergrund steht. Aufgabe des Beraters ist es über Fragen den Lösungsprozess zu steuern. Hierzu gibt ihm die Lösungsorientierte Beratung zahlreiche, leicht zu handhabende Techniken an die Hand. So fragt der, nach diesem Konzept arbeitende Berater den Ratsuchenden z.B. nach Ausnahmen, wann das Problem nicht auftritt oder springt mit der Wunderfrage in die Zukunft, um von dort aus den Lösungsweg zu betrachten. Hiermit fokussiert er den Ratsuchenden auf die Suche nach Lösungsmöglichkeiten (vgl. Sickendiek u.a., 2002).
Einleitung: Begründung der Relevanz einer zielgruppenspezifischen Jugendarbeit für eine bisher wenig beachtete Gruppe unter Einbezug persönlicher Erfahrungen.
Jugend auf der Suche – Die Lebenslagen von Jugendlichen zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Analyse der gesellschaftlichen Individualisierung, der Risiken der Jugendphase und der Bedeutung von Gleichaltrigengruppen.
Neue Chancen – Alte Zwänge – Die Lebenslagen von schwulen, lesbischen und bisexuellen Jugendlichen: Darstellung der spezifischen psychosozialen Belastungen und Ausgrenzungserfahrungen durch heteronormative Strukturen.
Zielgruppenspezifische Jugendarbeit für homosexuelle Jugendliche: Begründung der Notwendigkeit diskriminierungsfreier Sozialräume als Ergänzung zur allgemeinen Jugendarbeit.
Sozialpädagogische Rahmenkonzepte für die schwul- lesbische Jugendarbeit: Vorstellung von vier Grundkonzepten: Lebensweltorientierung, Biographiearbeit, Empowerment und Milieubildung.
Angebote für schwule und lesbische Jugendliche: Praktische Ausgestaltung von Jugendtreffs und Beratung als niederschwellige Angebote.
Weitere und ergänzende Angebote: Notwendigkeit der HIV/AIDS-Prävention und Lebensnähe bei der Themenvermittlung.
Die gesetzliche Grundlage – Das SGB VIII: Erörterung der rechtlichen Möglichkeiten zur Förderung von Jugendhilfeangeboten gemäß den Paragraphen des SGB VIII.
Kommune und Land als öffentlicher Träger der Jugendhilfe: Erläuterung der Zuständigkeiten und Förderwege auf kommunaler und Landesebene.
Referate für gleichgeschlechtliche Lebensformen: Analyse der Rolle staatlicher Stellen bei der Förderung und Sensibilisierung.
Akteure im Sozialstaat und ihre Zusammenhänge: Darstellung des politischen Zusammenspiels von Parteien, Verbänden und Sozialverwaltung.
Umgang mit Homosexualität in der Gesellschaft: Reflexion über den gesellschaftlichen Wandel und die Bedeutung von Sichtbarkeit.
Parteien und Stellung zu Schwulen und Lesben im Sozialstaat: Analyse der Positionen der großen Parteien und deren Einfluss auf die Jugendarbeit.
Bestehende Angebote und deren Erfahrungen: Überblick über existierende Projekte und Auswertung der Erfahrungen der Akteure.
Wichtige Maßnahmen zur Umsetzung einer schwul- lesbischen Jugendeinrichtung: Zusammenfassende Handlungsempfehlungen zur Etablierung neuer Trägerstrukturen.
Jugendarbeit, Homosexualität, Coming-Out, Sozialpädagogik, Lebensweltorientierung, Empowerment, Milieubildung, Diskriminierung, SGB VIII, Jugendhilfe, Heteronormativität, Identitätsbildung, Netzwerkarbeit, Sozialpolitik, Interessenvertretung.
Die Arbeit analysiert die Situation von schwulen, lesbischen und bisexuellen Jugendlichen in Deutschland und entwirft ein Konzept für zielgruppenspezifische Angebote in der Jugendarbeit.
Die zentralen Felder umfassen die Lebenslagen der Jugendlichen, notwendige sozialpädagogische Konzepte, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die politische Lobbyarbeit zur Etablierung solcher Einrichtungen.
Ziel ist es, ein geeignetes Angebot der Jugendarbeit für diese Zielgruppe zu konzipieren und aufzuzeigen, wie dieses durch Nutzung sozialpolitischer Strukturen umgesetzt werden kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Auswertung von Umfrageergebnissen bei Landesregierungen und Experten sowie den Transfer dieser Erkenntnisse in ein pädagogisches Handlungsmodell.
Der Hauptteil erstreckt sich von der Lebensweltanalyse über pädagogische Leitperspektiven (wie Empowerment) bis hin zu konkreten Umsetzungsstrategien und rechtlichen Grundlagen des SGB VIII.
Zu den Kernbegriffen zählen Identitätsbildung, soziale Netzwerke, diskriminierungsfreie Räume, politische Teilhabe und die Rolle des Sozialpädagogen als Anwalt der Zielgruppe.
Da Jugendeinrichtungen oft nur über begrenzte personelle Ressourcen verfügen, ermöglicht dieses Konzept effiziente Beratungsprozesse, die schnell in den Lösungsraum führen, statt sich in der bloßen Problemanalyse zu verlieren.
Netzwerkarbeit ist essentiell, um Vorurteile bei etablierten Trägern abzubauen, politische Fürsprecher zu gewinnen und sich fest im Gefüge der kommunalen Jugendhilfe zu verankern.
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