Masterarbeit, 2015
92 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Aktuelle Problematiken an den Finanzmärkten
3. Grundlagen der Analyse
3.1 Unternehmenshistorie von Standard & Poor´s und Moody´s
3.2 Einbettung in ökonomische Theorien
3.3 Begriffliche Definitionen
3.4 Differenzierungsformen von Ratings
3.5 Ratingskala, Outlook und Watchlist
3.6 Ziele und Anforderungen hochwertiger Ratingurteile
4. Arbeitsprozess eines Unternehmensratings
4.1 Ablauf eines Ratingverfahrens und verwendetes Datenmaterial
4.2 Kriterien und Analysestufen eines Ratingprozesses
4.3 Urteilsbildung und Überwachung in den Ratingagenturen
4.4 Beispiel eines Unternehmensratings durch Standard & Poor´s
5. Unternehmenspolitik und Rating Advisory
5.1 Tätigkeitsbereiche, Einordnung und Ziele der Rating Advisory
5.2 Vorbereitung auf den Ratingprozess
5.3 Unterstützung bei Durchführung sowie Anpassungen im Unternehmen
6. Funktionen und Nutzen von Ratings
7. Qualität von Ratingurteilen
8. Abschließende Beurteilung
Diese Arbeit analysiert kritisch die Ratingmethoden führender Agenturen wie Standard & Poor´s und Moody´s, um zu hinterfragen, ob diese als objektive Kontrollinstanzen dienen oder selbst Teil der Finanzmarktproblematik sind. Dabei wird untersucht, wie Ratingprozesse strukturiert sind, welche Rolle die Rating Advisory spielt und wie Unternehmen durch gezielte Vorbereitung ihre Bonitätsbewertung optimieren können.
3.1 Unternehmenshistorie von Standard & Poor´s und Moody´s
Die Wesensmerkmale eines Ratings lassen sich nicht vollständig erfassen ohne die historischen Begebenheiten zu kennen. Das Ausmaß und strukturelle Umstände nordamerikanischer Märkte führten bereits im 19. Jahrhundert zu einer relativ großen Anzahl an Emittenten, über die sich Anleger einen Überblick verschaffen mussten. Bereits im Jahr 1860 gründete Henry Varnum Poor ein Unternehmen mit dem Zweck der Verfassung von Wirtschaftsberichten. Folglich ist Standard & Poor´s die weltweit älteste Ratingagentur. Der schrittweise in den USA aufgebaute Informationsdienst verfasste zunächst Handbücher zu Eisenbahnunternehmen, Industrieunternehmen und öffentlichen Versorgungsunternehmen. Der steigende Informationsbedarf begründet sich in diesem Jahrhundert durch den zunehmenden Eisenbahnbau und dem damit im Zusammenhang stehenden steigenden Kapitalbedarf. Die Ratings verhalfen zu mehr Transparenz, da langsame Kommunikationswege die Informationsversorgung mitunter erschwerten.
John Moody´s gründete im Jahr 1900 ein Unternehmen mit dem Ziel institutionellen und privaten Anlegern ein Handbuch über Wertpapiere von Industrieunternehmen zur Verfügung zu stellen. Die Konkurrenz zur Agentur Standard & Poor´s ist aufgrund dessen historisch fundiert. Nachdem Moody´s aus seinem eigenen Unternehmen im Jahr 1908 ausschied gründete er in New York die „Analyses Publishing Company“. Diese verwendete ab 1909 die heute noch zutreffende Ratingsymbolik Aaa bis C zur Ergebnisvermittlung und wurde erstmals verwendet bei der Beurteilung von 250 Eisenbahnanleihen in den USA. 1910 wurden ebenfalls Analysen von Industrieobligationen und Anleihen öffentlicher Versorgungsunternehmen in „Moody´s Analyses of Investments“ publiziert. Zudem wurde die Monatszeitschrift „The International Investor´s Monthly“ herausgegeben. Nach Übernahme der Minderheitsanteile seiner Partner wurde am 01.07.1914 Moody´s Investor Service gegründet. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde der Börsenhandel eingestellt, was zum Wegfall der Existenzgrundlage für die Ratingagenturen führte.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Kritik an Ratingagenturen vor dem Hintergrund eklatanter Fehlurteile wie im Fall „Lehman Brothers“ und hinterfragt die Objektivität sowie Transparenz der Verfahren.
2. Aktuelle Problematiken an den Finanzmärkten: Es wird erläutert, wie der steigende Informationsbedarf und die Komplexität der Finanzmärkte die Notwendigkeit von standardisierten Bonitätsurteilen durch Ratingagenturen begründen.
3. Grundlagen der Analyse: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext der Agenturen, bettet Ratings in ökonomische Theorien ein, definiert zentrale Begriffe und erläutert die Anforderungen an hochwertige Ratingurteile.
4. Arbeitsprozess eines Unternehmensratings: Hier wird der detaillierte Ablauf eines Ratingverfahrens – von der Mandatserteilung bis zur Urteilsbildung – sowie die Verwendung quantitativer und qualitativer Daten beschrieben.
5. Unternehmenspolitik und Rating Advisory: Das Kapitel beleuchtet die Rolle externer Berater (Rating Advisors), die Unternehmen bei der Optimierung ihrer Ratingergebnisse und der Vorbereitung auf den Analyseprozess unterstützen.
6. Funktionen und Nutzen von Ratings: Es werden die Vorteile eines Ratings für Emittenten, wie z.B. die Erschließung neuer Finanzmärkte und Zinskostenersparnisse, sowie die Funktion als internationales Kommunikationsinstrument dargestellt.
7. Qualität von Ratingurteilen: Dieses Kapitel diskutiert die Zuverlässigkeit von Ratings, die Methodik des Backtestings und die Bedeutung von Ausfallstudien für die Reputation der Agenturen.
8. Abschließende Beurteilung: Abschließend wird ein Resümee gezogen, das die Rolle von Ratingagenturen zwischen notwendiger Hilfe für Anleger und den mit ihrer Marktmacht einhergehenden Risiken kritisch hinterfragt.
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Die Arbeit untersucht die Methoden, Prozesse und die Rolle von Ratingagenturen, um deren Beitrag zur Finanzmarktstabilität kritisch zu hinterfragen.
Die Arbeit deckt die historische Entwicklung, die ökonomischen Theorien hinter Ratings, den operativen Ratingprozess, die unterstützende Rolle von Rating-Beratern sowie die Qualitätssicherung von Ratingurteilen ab.
Ziel ist es zu analysieren, ob Ratingagenturen ihre Rolle als „objektive Wächter“ erfüllen oder ob ihre Methoden und Abhängigkeiten dazu beitragen, bestehende Probleme an den Finanzmärkten zu verschärfen.
Es handelt sich um eine kritische Analyse, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der exemplarischen Untersuchung der Ratingmethodik von Standard & Poor's und Moody's basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen des Ratings, den detaillierten Ablauf eines Ratingprozesses (inklusive Kriterien und Kennzahlen), die Einbindung von Rating Advisory sowie die Funktionsweise und Qualität von Ratingurteilen.
Zentrale Begriffe sind Credit Rating, Ausfallrisiko, Markttransparenz, Rating Advisory, Unternehmenspolitik, Bonitätsanalyse und Finanzrisikoprofil.
Langfristige Ratings bewerten die allgemeine Ausfallwahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum, während kurzfristige Ratings primär die kurzfristige Liquidität und Fähigkeit zur fristgerechten Bedienung von Zahlungen prüfen.
Der Disziplinierungseffekt beschreibt, wie die regelmäßige Überprüfung durch Ratingagenturen Druck auf das Management ausübt, die Unternehmensführung an Gläubiger- und Shareholder-Interessen auszurichten.
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