Diplomarbeit, 2003
113 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs, Wirtschaftswachstum und Instabilität
1. Internationale Kapitalströme in den 1990er Jahren
2. Liberale Finanzmärkte und wirtschaftliche Entwicklung
2.1 Gesamtwirtschaftliche Effekte der Kapitalkonvertibilität
2.2 Auswirkungen auf die Effizienz der Finanzmärkte
3. Risiken deregulierter Finanzmärkte
3.1 Makroökonomische Risiken
3.2 Leistungsbilanz und Verschuldung
3.3 Der Anstieg der Realzinsen
III: Die Wachstumsstrategie des IWF: der Washington Consensus
1. Die Herausbildung des Washington Consensus
2. Die Definition des Washington Consensus nach Williamson
3. Die theoretischen Fundamente
3.1 Theorie der optimalen Allokation von Ressourcen
3.2 Wachstum durch Kapitalakkumulation: das Two-Gap-Model
4. Kritische Betrachtung der Washingtoner Wirtschaftspolitik
4.1 Konkurrenzschwäche im internationalen Währungssystem
4.2 Annahme perfekter Marktwirtschaft
4.3 Vorschnelle Liberalisierung und Missallokation
4.4 Die Annahme von Leistungsbilanzdefiziten
5. Der Post-Washington Consensus
5.1 Good Governance
5.2 Pro-Poor Wachstum
5.3 Theorie des Post-Washington Consensus
5.3.1 Privatisierung im Rahmen des Post-Washington Consensus
5.3.2 Marktversagen bei liberalen Märkten
5.4 Konzeptionelle Schwächen des Post-Washington Consensus
5.4.1 Schwachstellen der Privatisierungstheorie
5.4.2 Theoretische Mängel der Industriepolitik
IV. Die Deregulierung der Finanzmärkte in Argentinien ab den 1990er Jahren
1. Die wirtschaftliche Ausgangslage in Argentinien (1989-1991)
2. Neoliberale Wirtschaftsreformen: der Plan-Cavallo
2.1 Liberalisierung der Außenwirtschaft
2.2 Privatisierung staatlicher Betriebe
2.3 Deregulierung des Kapital- und Finanzmarktes
2.4 Währungsreform
2.4.1 Monetär-technische Reform
2.4.2 Monetär-institutionelle Reformmaßnahmen
2.5 Ziele der wirtschaftsliberalen Strukturanpassung
3. Kapitalbewegungen und ihre Auswirkungen auf den Finanzmarkt
3.1 Interne Faktoren und Kapitalbewegungen
3.2 Kapitaleinfuhren und die Auswirkungen auf den Finanzmarkt
3.3 Kapitalströme, Stabilität und Wachstum
3.3.1 Makroökonomische Stabilität und Kapitalbewegungen
3.3.2 Wachstum, ausländische Ersparnisse und Investitionen
3.4 Die Entwicklung des Bankensektors unter der Liberalisierung
4. Makroökonomische Effekte auf die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens
4.1 Der Weg zur Prosperität: 1991-94
4.2 Rezession und Aufschwung 1995-98
4.2.1 Die Mexiko-Krise 1995
4.2.2 Konsolidierung 1996
4.3 Rezession und Krise: 1998-2001
5. Der Eingriff des IWF
V. Zukünftige Anforderungen an die Wirtschaftspolitik
1. Die Reformierung des globalen Finanzmarktes
2. Strategien zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
2.1 Politiken zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes
2.2 Standortpolitik
3. Alternativer Ansatz makroökonomischer Stabilität
3.1 Nomineller Wechselkurs und Lohnanker als Kernbestandteile einer soliden Geldpolitik
3.2 Einkommen als Wachstumsantrieb
3.3 Strategien zum Abbau der Verschuldung
VI. Bilanz
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Weltmarktintegration auf das Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern, wobei die neoliberale Wirtschaftsagenda theoretisch analysiert und anhand der Fallstudie Argentinien zwischen 1989 und 2001 empirisch überprüft wird. Die zentrale Forschungsfrage adressiert das Scheitern dieses Wirtschaftsmodells und die Rolle internationaler Finanzorganisationen in diesem Prozess.
3. Risiken deregulierter Finanzmärkte
„Openness implies that economies are more sensitive to the economic performance and economic policies of other countries“ (Solomon 1999, 166).
Das klassische Argument für liberalen Kapitalverkehr ist die Annahme effizienter Ressourcenallokation. Unter der alternativen Annahme, dass Informationen auf unvollkommenen Märkten asymmetrisch sind, ergeben sich Ineffizienzen aufgrund von unvollständiger Information, Moral Hazard und Herdentrieb. In einem Markt mit mangelnder Transparenz können die Qualität und die Risiken von Krediten nicht richtig eingeschätzt werden. Infolgedessen werden viele Projekte mit einem positiven Net Present Value (NPV) nicht durchgeführt, während solche, deren NPV geringer ausfällt, als die Opportunitätskosten (NPV<0) finanziert werden. Unter solchen Umständen bietet ein liberaler Kapitalverkehr keine effiziente Ressourcenallokation.
Destabilisierende Wirkungen können von einem Herdentrieb ausgehen, wenn unvollständig informierte Anleger infolge eines Vertrauensverlustes ihr Kapital abziehen, weil sie meinen, dass die Qualität der Sicherheit zu niedrig sei. Infolgedessen kommt es zu starken Preisschwankungen. Gerade in SLn, deren Finanzsektor relativ klein ist, bilden exzessive Umschwünge im Anlageverhalten ein großes Risiko für das Finanzsystem. Das größte Problem ist die Schaffung von Moral Hazard durch die staatliche Absicherung von riskanten Investitionen ohne die Etablierung adäquater Sicherheitsnetze gegen das Risikoverhalten von Anlegern. Ein besseres Informationsnetz über die Anhäufung von Risiken und Schulden sollte dem Herdentrieb und Moral Hazard entgegensteuern.
Selbst bei vollständiger Marktinformation wären internationale Kapitalströme angesichts bestehender marktwirtschaftlicher Verzerrungen nicht wohlstandsfördernd. Erhöhte KI können durch die Ausweitung kapitalintensiver Sektoren und den Rückgang arbeitsintensiver Branchen zu Missallokation von Ressourcen führen. Cooper schließt daraus: „Free Movement is likely to become allocationally efficient only after trade barriers have come down substantially, particularly on capital-intensive activities in countries well endowed with labour“ (Cooper 1999, 105).
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Globalisierung und die Häufung von Finanzkrisen in Entwicklungsländern in den Kontext der Arbeit und definiert die Untersuchung von Argentinien als Fallbeispiel zur Überprüfung der neoliberalen Entwicklungsagenda.
II. Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs, Wirtschaftswachstum und Instabilität: Das Kapitel erörtert theoretisch die Chancen und Risiken einer Liberalisierung der Finanz- und Kapitalmärkte für Schwellen- und Entwicklungsländer.
III: Die Wachstumsstrategie des IWF: der Washington Consensus: Hier wird die Wachstumstheorie der internationalen Finanzorganisationen und deren neoliberale Grundlage skizziert sowie der Washington Consensus in seiner klassischen und post-Washingtoner Form kritisch hinterfragt.
IV. Die Deregulierung der Finanzmärkte in Argentinien ab den 1990er Jahren: Dieses Hauptkapitel analysiert empirisch die wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens unter dem Plan-Cavallo und die Auswirkungen der Finanzmarkt-Deregulierung auf die nationale Wirtschaft.
V. Zukünftige Anforderungen an die Wirtschaftspolitik: Der Autor formuliert hier Reformansätze für eine bessere Integration von Entwicklungsländern in den Weltmarkt, die neben makroökonomischer Stabilität auch soziale Aspekte und institutionelle Reformen berücksichtigt.
VI. Bilanz: Das abschließende Kapitel resümiert die Erkenntnisse der Untersuchung und hält fest, dass der neoliberale Liberalisierungsansatz für Schwellenländer mit zu hohen Risiken verbunden ist, um als Erfolg gewertet zu werden.
Finanzkrise, Argentinien, Washington Consensus, Liberalisierung, Kapitalverkehr, IWF, Wirtschaftswachstum, Deregulierung, Finanzmarkt, Leistungsbilanz, Privatisierung, Schwellenländer, Post-Washington Consensus, Kapitalströme, Weltmarktintegration.
Die Arbeit untersucht kritisch die Effekte der neoliberalen Wirtschaftsreformen und der Finanzmarkt-Liberalisierung in Entwicklungsländern, wobei die spezifische Fallstudie Argentinien zwischen 1989 und 2001 als zentrales Untersuchungsobjekt dient.
Zentrale Themen sind die Rolle des IWF, der Washington Consensus, das Management internationaler Kapitalströme, die Auswirkungen von Privatisierungen und die strukturelle Anfälligkeit von Schwellenländern gegenüber Finanzkrisen.
Das Hauptziel ist die Untersuchung, ob und wie eine Integration in den Weltmarkt zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum in Entwicklungsländern führen kann und warum das argentinische Wirtschaftsmodell nach einem anfänglichen Boom in einer tiefen Krise scheiterte.
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Fundierung basierend auf der neoklassischen und post-neoklassischen Wirtschaftstheorie sowie eine empirische Analyse makroökonomischer Indikatoren und eine Fallstudie zu Argentinien.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Risiken liberalisierter Finanzmärkte, eine Analyse des Washington Consensus, eine detaillierte Fallstudie zu den argentinischen Reformen der 1990er Jahre sowie einen Ausblick auf künftige wirtschaftspolitische Anforderungen.
Die zentralen Schlagworte sind Finanzkrise, Washington Consensus, Kapitalmarktliberalisierung, IWF, Entwicklungsstrategie, Argentinien, Deindustrialisierung und makroökonomische Stabilität.
Der Plan-Cavallo bildete das Kernstück der argentinischen Reformen mit der festen Dollar-Peso-Parität (Konvertibilitätsgesetz), die zwar die Hyperinflation beendete, aber durch die starre Bindung den fiskalpolitischen Spielraum in späteren Krisen vollständig lähmte.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Politik des IWF den ökonomischen Abstieg Argentiniens durch die starre Forderung nach Austeritätspolitik verschärft hat und dass das Modell des Washington Consensus empirisch nicht in der Lage war, eine nachhaltige Entwicklung zu garantieren.
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