Bachelorarbeit, 2015
50 Seiten, Note: 2,5
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Demokratie
3.1. Wandel der Demokratie
3.2. Bestandteile heutiger Demokratien
3.3. Das intermediäre System
4. Massenmedien
4.1. Funktionen der Medien in der Demokratie
5. Mediokratische Grundlagen
5.1. Die Eigenarten von Politik und Medien
5.2. Logik der Politik
5.3. Zeit der Politik
5.4. Logik und Ökonomie der Medien
5.5. Zeit der Medien
5.6. Formen der Mediatisierung
6. Beispiele aus Deutschland
6.1. Der Fall Heide Simonis
6.2. Christian Wulff und die Medien
6.3. Karl Theodor zu Guttenberg
7. Auswirkungen auf die Demokratie
7.1. Folgen für die Politik
7.2. Folgen für die Gesellschaft
8. Hoffnung Internet?
9. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die zunehmende Mediatisierung der Politik und analysiert, inwieweit die mediale Logik eine Gefährdung für demokratische Prozesse und Institutionen darstellt. Im Fokus steht dabei die Symbiose zwischen politischen Akteuren und Massenmedien sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Qualität politischer Entscheidungsfindung und das Vertrauen der Gesellschaft in das politische System.
6.1. Der Fall Heide Simonis
Heide Simonis (SPD) war von 1993 bis 2005 die amtierende Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins und sollte für eine weitere Legislaturperiode von ihrer Koalition (SPD, Bündnis 90/Die Grünen, SSW) am 17.03.2005 im Landtag zur Ministerpräsidentin wiedergewählt werden. Ihr einziger Gegner in dieser Abstimmung war Peter Harry Carstensen von der CDU (vgl. Landtag SH 2005, S.16). Die Verfassung des Landes sieht vor, dass der bzw. die neue MinisterpräsidentIn mit der absoluten Mehrheit der Stimmen aus dem Landtag gewählt werden muss (vgl. Verf SH Art. 33 Abs. 3). Damals bestand der Landtag aus 69 Abgeordneten und folgerichtig waren mindestens 35 Stimmen zum Wahlsieg nötig (vgl. Zicht 2012). Sollte nach zwei Wahlgängen keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen erzielt haben, so genügt ab dem darauffolgenden Wahlgang eine einfache Mehrheit (vgl. Verf SH Art. 4). Obwohl die Wiederwahl Heide Simonis mit einer Stimme mehr als sicher galt, fehlte ihr bis zum vierten Wahlgang genau diese eine Stimme aus den eigenen Reihen. Zur Überraschung aller wurde an diesem Tag kein neuer Ministerpräsident gewählt, da Simonis und Carstensen beide 34 Stimmen auf sich vereinten, bei einer Enthaltung (vgl. Landtag SH 2005a, zusammenfassend S. 16-19). Die Wahl wurde auf den 27. April 2005 verschoben, bei der Simonis nicht mehr antrat und Carstensen zum neuen Ministerpräsidenten gewählt wurde (vgl. Landtag SH 2005b, S. 26f.).
Ein eigentlich routinierter und formaler Ablauf in der Landespolitik, dem in der Regel wenig mediale Aufmerksamkeit zu Teil wird, wurde an diesem und in den folgenden Tagen dramatisch in Szene gesetzt. So spekulierte der Focus, wer wohl der „Verräter“ (Seidel 2005) aus den eigenen Reihen sei. Der SPIEGEL fasste das Geschehen unter dem Titel „Patt am Watt“ (Dahlkamp/Latsch/Meyer 2005) zusammen, in dem auch vom „Drama“ (ebd.) und noch pathetischer vom „Debakel an der Waterkant“ (ebd.) die Rede war. Andere wiederum machten die Wahl in Kiel zu einem „Wahlkrimi“ (Unbekannt 2005) und die taz beschrieb das Geschehen als „Heide-Mord“ (Geisslinger 2012), machte die Person mit der Stimmenenthaltung zum „Heide-Mörder“ (Geisslinger 2009) und verwendete die Bezeichnungen auch noch Jahre später in diesem Zusammenhang.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Mediokratie ein und erläutert, wie sich die Medien als vierte Gewalt und deren Beziehung zur Politik in den letzten Jahrzehnten verändert haben.
2. Forschungsstand: Hier wird der wissenschaftliche Diskurs zur Mediatisierung der Politik seit den späten 1980er Jahren dargestellt und in die drei Bereiche Phänomenbeschreibung, Ursachenforschung und Folgenabschätzung unterteilt.
3. Demokratie: Dieses Kapitel behandelt den Wandel des Demokratiebegriffs, die grundlegenden Kriterien heutiger Demokratien sowie die zentrale Bedeutung des intermediären Systems.
4. Massenmedien: Es erfolgt eine Definition des Medien- und Massenmedienbegriffs, gefolgt von einer Analyse der spezifischen Funktionen (Artikulation, Information, Kontrolle) von Medien in einer Demokratie.
5. Mediokratische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die unterschiedlichen Logiken von Politik und Medien, die Auswirkungen der Zeitdiskrepanzen sowie diverse Formen der Mediatisierung wie Personifikation und Skandalisierung.
6. Beispiele aus Deutschland: Anhand der Fälle Heide Simonis, Christian Wulff und Karl-Theodor zu Guttenberg wird illustriert, wie Medienpolitik und Inszenierung in der Praxis funktionieren.
7. Auswirkungen auf die Demokratie: Hier werden die Folgen der Medialisierung für das politische System (z.B. Verflachung der Inhalte, Druck auf Entscheidungsprozesse) sowie für die Gesellschaft (z.B. Depolitisierung, Negativismus) diskutiert.
8. Hoffnung Internet?: Dieses Kapitel beleuchtet das Internet als potenziell neues Medium zur Förderung der demokratischen Teilhabe und hinterfragt, ob es die Medienmacht tatsächlich brechen kann.
9. Schlussbetrachtung: Die abschließende Betrachtung fasst zusammen, dass die Mediatisierung zwar ein unvermeidlicher Prozess ist, die behauptete Gefährdung der Demokratie jedoch differenzierter betrachtet werden muss.
Mediokratie, Mediatisierung, Politische Kommunikation, Medienlogik, Demokratie, Politainment, Skandalisierung, Agenda-Setting, Framing, Priming, Parteiendemokratie, Medienmacht, Politische Kultur, Internet, Journalismus
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Politik und Massenmedien. Sie beleuchtet, wie mediale Logik politische Prozesse beeinflusst und welche Konsequenzen dies für die demokratische Ordnung hat.
Die Arbeit fokussiert auf die Konzepte der Mediokratie, die Struktur des intermediären Systems, Methoden der medialen Inszenierung von Politik und die daraus resultierenden Auswirkungen auf das politische System und die Gesellschaft.
Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, inwiefern Massenmedien eine Gefahr für die Demokratie darstellen können, wenn Politik vermehrt den Spielregeln der Medien folgt.
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit der einschlägigen Fachliteratur, die durch die Analyse prominenter deutscher Fallbeispiele ergänzt wird.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Mediokratie, die logischen Unterschiede zwischen Politik und Medien sowie konkrete Mechanismen der Mediatisierung wie Personifikation und Framing.
Zentrale Begriffe sind Mediokratie, Mediatisierung, Politische Kommunikation, Medienlogik, Agenda-Setting, Framing und Politainment.
Der Autor zeigt auf, dass Politiker oft gezwungen sind, sich der Medienlogik anzupassen, um Aufmerksamkeit zu sichern, wobei sie Gefahr laufen, fachliche Inhalte zugunsten ihrer medialen Inszenierung zu vernachlässigen.
Das Internet wird zwar als Chance für horizontalere Kommunikation gesehen, doch weist die Arbeit skeptisch darauf hin, dass die bloße Verfügbarkeit von Informationen nicht automatisch zu einem politisch gebildeteren Bürger führt.
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