Masterarbeit, 2015
75 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Die Entwicklung der vier Elemente des HipHop
2.1 Djing
2.2 B-Boying
2.3 Rap
2.4 Graffiti
2.5 Geschichtliche Entwicklung nach Phasen
2.5.1 Die Phase der Oldschool
2.5.2 Entstehungsbedingungen der HipHop-Kultur
2.5.3 Die Phase der Newschool
2.6. Die Entwicklung der deutschen HipHop-Szene
2.6.1 Oldschool
2.6.2 Newschool
3 Momente der Vernetzung und Beobachtung
3.1 Wild Style
3.2 Yo! MTV Raps!
3.3 KRS-One: „9 elements“
4 Das klassische HipHop-Selbstbild und das feste Wertesystem
4.1 Die Bedeutung der Authentiziät im HipHop
4.2 Bedeutungsdimensionen Authentizität
4.2.1 Sozialpsychologische Dimension
4.2.2 Ethnische Dimension
4.2.3 Politisch-ökonomische Dimension
4.2.4 Geschlechts-sexuelle Dimension
4.2.5 Sozial-lokale Dimension
4.2.6 Kulturelle Dimension
4.3 Kultur der Macher- „boasting“
4.4 HipHop ist Straßenkultur: street-credibility
4.5 Die Hauptsemantik: Das Ghetto
4.6 Kein Kommerz auf Kosten der Kredibilität
4.7 HipHop als Battle-Kultur
5 Robertsons Theorie der Glokalisierung
5.1 HipHop als glokale Kultur
6 Bourdieus Feldtheorie
6.1 Feldbegriff
6.2 Die innere Struktur des künstlerischen Feldes
6.3 Das künstlerische Feld und der soziale Raum
6.4 Genese und Entwicklung des künstlerischen Feldes
6.4.1 Logik des Autonomisierungsprozesses
6.5 HipHop feldtheoretisch betrachtet
6.6 Unterschiede zwischen dem Feld des HipHop und dem Feld der Kunst
6.7 HipHop im Spannungsfeld zwischen Kommerz und Autonomie
6.7.1 Autonomisierungsprozesse in den USA
6.7.2 Autonomisierungsprozesse in Deutschland - Hauptthese
6.7.3 Entwicklungen in Deutschland ab 2002
7 Exemplarische Analyse der internen Bewertungskriterien
7.2 Feldzugang
7.3 Bewertungskriterien der HipHop-Veröffentlichungen von 1998 bis 2003
7.3.1 Abwertung kommerzieller Orientierung
7.3.2 Fokus auf sprachliche und technische Fähigkeiten
7.3.3 Bezugnahme auf anspruchsvolle Themen
7.3.4 Betonung der Verbundenheit mit der HipHop-Kultur
7.4 Bewertungskriterien der HipHop-Veröffentlichungen ab 2003/04
7.4.1 Verweise auf die soziale Herkunft (Inszenierung von street-credibility)
7.4.2 Bedeutungsverlust sprachlicher und inhaltlicher Fähigkeiten
7.4.3 Positive Konnotation kommerziellen Erfolges
7.5 Zusammenfassung der Ergebnisse mit Bezug auf die Dimensionen der Authentizität von McLeod
8 Fazit
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die Aneignungs- und Modifikationsprozesse des im US-amerikanischen Kontext entstandenen HipHop-Wertesystems im deutschsprachigen Raum. Unter Anwendung der Feldtheorie von Pierre Bourdieu und der Glokalisierungsthese von Roland Robertson wird analysiert, wie sich Authentizitätskonzepte und Bewertungskriterien durch lokale Bedingungen und ökonomische Faktoren verändert haben.
4.3 Kultur der Macher - „boasting"
Die HipHop-Kultur zeichnet im Unterschied zu vielen anderen Subkulturen der Popkultur, wie z.B.: Heavy Metal, Rock oder Techno, aus, dass sie keine „Konsumenten-kultur“ (Klein/Friedrich 2003: 38) ist. Friedrich und Klein charakterisieren ihn als eine „Kultur des Machens und Produzierens" (ebd.: 38). Vor allem die sozialen Dynamiken der lokalen Szenen werden maßgeblich durch diese Eigenschaft von HipHop bestimmt. Die lokalen Akteure sind einem neuen Phänomen in der Geschichte der Popkultur ausgesetzt, dem „Zwang zur öffentlichen Inszenierung" (ebd.: 39). Dieser Zwang der Inszenierung spiegelt sich im Rap durch das zentrale Stilmittel des „boasting" wider. Als boasting bezeichnet man eine „Technik der Selbsterhöhung" (ebd.: 39), die durch Selbstbeweihräucherung der eigenen Person, Übertreibung der eigenen Fähigkeiten bezüglich des Rappens und der Überstilisierung der eigenen sozialen Herkunft erreicht wird. Ziel dieser Technik ist die Generierung von szene-interner Aufmerksamkeit, wobei erwähnt werden sollte, dass es hierbei nicht nur um die reine Selbstdarstellung, sondern letztendlich um das Erlangen von „fame, Credibilty und Respekt" (ebd.: 40) geht. Die Praktik des boastings spielt ebenfalls eine große Rolle bei der Entstehung der Battle-Kultur.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Forschungsvorhaben vor, die Entwicklung des HipHop von seiner Entstehung in der Bronx bis hin zur globalen Verbreitung zu untersuchen und die Aneignungsprozesse in Deutschland feldtheoretisch zu analysieren.
2 Die Entwicklung der vier Elemente des HipHop: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über die Entstehung der vier Grundpfeiler des HipHop (Djing, B-Boying, Rap, Graffiti) sowie deren Entwicklung in den USA und Deutschland.
3 Momente der Vernetzung und Beobachtung: Es wird analysiert, wie Medien und Filme wie "Wild Style" oder Sendungen wie "YO! MTV Raps!" zur weltweiten Verbreitung des HipHop und zur Etablierung seiner Wertesysteme beigetragen haben.
4 Das klassische HipHop-Selbstbild und das feste Wertesystem: Hier werden die zentralen Authentizitätsdimensionen nach McLeod sowie typische HipHop-Praktiken wie "boasting" und das Ghetto-Image als Authentizitätsgarant erläutert.
5 Robertsons Theorie der Glokalisierung: Dieses Kapitel führt den Begriff der Glokalisierung ein, um zu erklären, wie globale kulturelle Einflüsse lokal modifiziert und an spezifische Bedingungen angepasst werden.
6 Bourdieus Feldtheorie: Es werden die Grundlagen der Theorie sozialer Felder dargelegt und auf den HipHop angewendet, um die Dynamik zwischen Autonomie und Kommerz innerhalb der Szene zu verstehen.
7 Exemplarische Analyse der internen Bewertungskriterien: Anhand einer qualitativen Analyse von Plattenrezensionen wird aufgezeigt, wie sich die Qualitätsmaßstäbe im deutschen HipHop zwischen 1998 und 2008 gewandelt haben.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Entwicklung des HipHop in Deutschland als eine glokal modifizierte Variante des US-Modells verstanden werden muss.
HipHop, Bourdieu, Glokalisierung, Authentizität, Street Credibility, Rap, Subkultur, Feldtheorie, Kommerz, Ghetto-Semantik, Musikrezensionen, Deutschland, Aneignungsprozesse, Soziologie, Kulturwissenschaft
Die Arbeit untersucht, wie ein ursprünglich US-amerikanisches, subkulturelles Wertesystem – der HipHop – in den deutschsprachigen Raum übernommen wurde und welche lokalen Modifikationen dieses System durchlaufen hat.
Die Studie verknüpft Kultursoziologie mit HipHop-Geschichte. Zentral sind dabei Authentizitätskonzepte, die feldtheoretische Analyse nach Pierre Bourdieu sowie der Einfluss von Medien und sozialen Rahmenbedingungen.
Das Ziel ist es, die "glokalen" Modifikationsprozesse aufzuzeigen und zu erklären, warum und wie sich in Deutschland eigene Kriterien für "echten" HipHop (wie die Ablehnung von Kommerz) im Gegensatz zum US-Modell (Fokus auf Street-Credibility) entwickelt haben.
Neben der theoretischen Herleitung mittels Feldtheorie und Glokalisierungsthese wird eine exemplarische Inhaltsanalyse von deutschsprachigen Plattenrezensionen (vorwiegend aus dem "Juice"-Magazin und von "rap.de") durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der HipHop-Elemente, die theoretische Fundierung durch Bourdieu und Robertson sowie die empirische Analyse des Wandels von Bewertungskriterien zwischen 1998 und 2008.
Wichtige Begriffe sind HipHop, Feldtheorie, Glokalisierung, Authentizität, Street Credibility und die soziologische Auseinandersetzung mit kommerzieller versus autonomer künstlerischer Produktion.
Da viele deutsche HipHop-Aktivisten der 90er Jahre aus dem Mittelstand stammten und keine direkte Verbindung zum US-amerikanischen Ghetto-Leben hatten, diente die strikte Ablehnung von Kommerz als zentraler Marker für Authentizität und Distinktion.
Berlin fungierte ab den 2000ern (insbesondere durch das Label Aggro Berlin) als Gegenpol. Die Szene dort orientierte sich stärker am US-amerikanischen "Ghetto-Modell" und der "Street Credibility", was zu einer neuen Dynamik und einer positiveren Sicht auf kommerziellen Erfolg führte.
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